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Streuobstwiesen: Kreistag Forchheim rät vom Sägen ab

Debatte im Zeichen von Volksbegehren, Biotopkartierung und gefällten Bäumen - 29.05.2019 16:00 Uhr

Eine Streuobstwiese mit Kirschbäumen zwischen Leutenbach und Mittelehrenbach: Dass sie erhalten bleiben und gepflegt werden, darum kümmert sich auch der Landschaftspflegeverband. © Stefan Hippel


Eigentlich war Eggolsheims Bürgermeister gekommen, um dem Gremium einen Tätigkeitsbericht des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Forchheim vorzustellen. Schwarzmann sitzt dort im Vorstand – und mit ihm der Bezirkschef des Bayerischen Bauernverbandes, Hermann Greif (CSU), sowie Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz. Politik, Landwirtschaft und Naturschützer treten im LPV gleichberechtigt auf – eine „Drittelparität“, wie Schwarzmann betonte.

Seit 1988 setzt sich der Verband für den Erhalt der „offenen Kulturlandschaft“ im Landkreis ein. Will heißen: Hecken, Feldgehölze, Wässerwiesen, Hänge, Felsen, Gräben, Bäche und Teiche werden gepflegt, heimische Insekten- und Amphibienarten geschützt. Der LPV berät Bauern und Behörden, wenn es beispielsweise um Ausgleichsflächen geht, dazu kommen Bildungsangebote in der Natur (zum Beispiel die „Schatzkiste Walberla“).

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Hellhörig wurden die Kreisräte als Schwarzmann auf das Thema Streuobstwiesen zu sprechen kam – neuerdings ein Reizwort. 600 Streuobst-Bäume habe der LPV bislang neu gepflanzt, über 800 würden gepflegt. „Es ist also nicht so, dass nur gesägt wird“, sagte der LPV-Vorstand.

"Negative Auswüchse"

Lisa Badum (Grüne) griff das Thema sofort auf und wollte wissen, wie der Verband denn zu den jüngsten Fällungen solcher Bäume im Landkreis stehe – eine Reaktion auf das erfolgreiche Artenschutz-Begehren, die Biotopkartierung und, daraus resultierenden, eine von vielen Bauern als unsicher empfundene Sachlage. „Die Stimmung, die da aufkam, hatte negative Auswüchse“, meinte Schwarzmann. Doch es seien „andere Kräfte“ am Werk, die „entscheiden müssen, wie man das Ganze angehen soll“. Der LPV habe da nur begrenzte Möglichkeit zur Einflussnahme.

Badum erwiderte, dass das Fällen der Bäume „ja letztlich die Arbeit des LPV konterkariert“. Wenn im Verband schon so viele politisch Verantwortliche, Landwirte und Umweltschützer säßen, „könnte der LPV nicht einmal eine Diskussionsveranstaltung anbieten, um diese ungute Stimmung aus dem Landkreis rauszukriegen?“, fragte die Bundestagsabgeordnete. „Ich nehme Ihre Anregung auf und werde sie der Vorstandschaft vorschlagen“, antworte Schwarzmann. Badum applaudierte.

Dass es seitens der Bauern „einzelne Überreaktion aufgrund der Verunsicherung gab, ist bedauernswert“, sagte Manfred Hümmer (FW). Jetzt gehe es darum, „gemeinsam nach vorne zu schauen“. Auch Edwin Dippacher (CSU) blies ins Konsens-Horn: „Wir brauchen doch gar nicht darüber reden, dass das Fällen von Bäumen nicht zielführend war“, sagt er. „Und ich hoffe, dass das künftig nicht mehr vorkommt.“ Badum applaudierte.

Fraktionsübergreifend wurde die Arbeit des LPV gelobt, die einhellige Zustimmung der Kreisräte, den Verband weiterhin finanziell zu stützen, war nur Formsache.

Innerhalb des LPV wird es demnach einen Geschäftsführer–Wechsel geben: Peter Weißenberger tritt aus Altersgründen zurück, für ihn übernimmt Andreas Niedling. Dieser wird in Zukunft vom LPV selbst beschäftigt, bislang war die Stelle am Landratsamt angesiedelt. Damit erhöhen sich die Personalkosten wie auch die Zuschuss-Pauschale, die der Landkreis dem Verband zahlt (bisher jährlich 80.000 Euro).

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Mehr Geld – das aber alle Parteien des Kreistages für den LPV gerne auszugeben bereit waren. Zuletzt appellierte Vorstand Schwarzmann noch einmal eindringlich: „Wir müssen aus der Nummer raus, dass Landwirtschaft und Naturschutz Gegner sein sollen.“ Mit dem Finger auf andere zu zeigen, mache genauso wenig Sinn, „wie jetzt zur Säge zu greifen. Ich bitte auch öffentlich darum, diese Fällungen zu unterlassen“. Alle applaudierten.

Ähnlich hatte sich Matthias Striebich (Grüne) in der unmittelbar vorausgegangen Sitzung des Kreis-Kulturausschusses geäußert: Die Streuobstwiesen seien wesentliches Merkmal der Fränkischen Schweiz, auch unter touristischen Gesichtspunkten. Striebich: „Wir sollten nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.“ 

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