Bundestagswahl

Sven Bachmann will für die FDP im Wahlkreis Bamberg-Forchheim in den Bundestag einziehen

Jana Schneeberg
Jana Schneeberg

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16.9.2021, 06:00 Uhr
Sven Bachmann kandidiert als Direktkandidat für die FDP im Wahlkreis Bamberg-Forchheim. 

© Berny Meyer, NN Sven Bachmann kandidiert als Direktkandidat für die FDP im Wahlkreis Bamberg-Forchheim. 

Sven Bachmann ist eine ehrliche Haut. "Ich bin ja noch kein Politik-Profi", sagt er und gesteht, dass er vor Interviews doch etwas aufgeregt ist. Auf Ehrlichkeit setzt er auch im Umgang mit seinen Wählern: "Ich möchte mich abends im Spiegel noch anschauen können", sagt er und präzisiert: "Ich werde nie etwas versprechen oder tun, wo ich nicht komplett dahinter stehe oder wofür ich mich später nicht einsetze."

Seit 2017 ist er in der FDP aktiv, wurde zum Ortsvorsitzenden in Zapfendorf und stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt, kandidierte für den Bamberger Kreistag und für den Gemeinderat. Beides klappte ganz knapp nicht. Als die Bundestagswahl näher rückte, kam der Forchheimer FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber mit der Frage auf ihn zu, ob er sich vorstellen könnte zu kandidieren. Nach einer Woche Bedenkzeit und Rücksprache mit Familie und Arbeitgeber entschied er sich dafür. "Wenn man es nüchtern betrachtet, sind die Chancen in den Bundestag einzuziehen für mich relativ gering", gibt er zu. Dennoch: "Es ist so viel passiert in der Bundespolitik, was ich einfach nicht nachvollziehen kann. Oberflächliche Maßnahmen, bei denen man das Gefühl hat, da wird ein Pflaster draufgeklebt, aber die Wunde nicht versorgt." Das zu ändern, die Probleme an der Wurzel zu packen, sei sein Ziel. Deshalb hat er ja gesagt.

Die Herausforderung, die der Wahlkampf für ihn mitbringt: Seine Familie, den Beruf und das politische Engagement unter einen Hut zu bringen. Bachmann lebt im Zapfendorfer Ortsteil Sassendorf in einer Patchworkfamilie, hat eine eigene Tochter mit seiner ersten Frau und kümmert sich auch um die drei Kinder seiner jetzigen Lebensgefährtin. "Ich stehe mitten im Leben", sagt er dabei nicht nur mit Blick auf die Pubertät, in der sich fast alle seiner Kinder gerade befinden, sondern auch mit Blick auf seinen beruflichen Werdegang. Er arbeitet bei Bosch in Bamberg und führt 200 Mitarbeiter. Gelernt hat er Industriemechaniker bei INA in Hirschaid. Später wechselte er zu Bosch, wo er die Ausbildung zum Industriemeister absolvierte und sich zur Führungskraft hocharbeitete.

Sein politisches Engagement begann in seiner Jugend - bei den Sozialdemokraten. "Meine Eltern waren immer SPD-Wähler", erzählt er. Geprägt durch den familiären Hintergrund schloss er sich der Bamberger Stadt-SPD an. "Damals, in der Zeit der rot-grünen Bundesregierung, war ich auch ein ganz großer Fan von Gerhard Schröder, der die Partei in die Mitte gerückt hat." Doch in der Nach-Schröder-Ära habe sich die SPD für ihn zu sehr nach links orientiert. Damit habe er sich nicht mehr identifizieren können und trat aus der Partei aus.

Viele Diskussionen werden zu einseitig geführt, findet er. Das will er ändern. 

Viele Diskussionen werden zu einseitig geführt, findet er. Das will er ändern.  © Berny Meyer, NN

Dennoch: Ein gewisser Einfluss blieb. "Ich bin noch immer Gewerkschaftler und engagiere mich in der IG-Metall", erklärt der 46-Jährige. Dass FDP und Gewerkschaft zusammen passt, davon ist er überzeugt: "Für mich ist wichtig, dass die Unternehmen das Geld haben, um zu wirtschaften, neue Arbeitsplätze zu schaffen, neue Technologien zu entwickeln und zu expandieren. Für mich ist aber auch wichtig, dass die Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, gut zu leben. Dass die soziale Schere nicht zu sehr auseinander driftet." Dementsprechend bezeichnet er sich selbst als sozialliberal und ist überzeugt, dass ihn das auch innerhalb der FDP auszeichne. "Soziale Grundsicherung ist wichtig und richtig, aber derjenige, der sich mehr engagiert, der soll auch davon profitieren", sagt er und kritisiert: Viele Diskussionen werden zu einseitig geführt.

So sieht er das auch beim Klimaschutz, für ihn eines der ganz großen Zukunftsthemen. "Der Klimawandel ist unumstritten da, wir haben Möglichkeiten entgegen zu wirken und wir sollten das auch schleunigst machen", findet er. Aber: Nicht mit Aktionismus, nicht wenn dadurch wichtige Wirtschaftszweige zerstört werden. So hält er den Abgesang auf die Verbrennertechnologie bei Fahrzeugen und die Konzentration auf E-Motoren für einen Fehler. Auch durch seinen beruflichen Hintergrund weiß er: Es gibt noch viel mehr: synthetische Brennstoffe, Brennstoffzellen oder Wasserstofftechnologie zum Beispiel. Daher stehe er voll hinter dem Ansatz der FDP: "Lasst die Ingenieure die Technologien entwickeln." Mit Hilfe eines großen Fördertopfes, der allen hilft. Dann könne geschaut werden, welche Technologien sich auf dem Markt durchsetzen. Dann verliere Deutschland nicht den Anschluss in der Welt.

Natürlich könne man sich über Themen wie diese streiten. Aber sachlich. Das sei sein Stil. Angreifen nicht. Dem FDP-Kandidaten geht es um gegenseitigen Respekt. "Diese Verrohung im Wahlkampf, die ich gerade beobachte, finde ich ganz schlimm." Er möchte über Inhalte debattieren und lasse sich auch gern überzeugen, wenn der politische Gegner gute Argumente habe. "Wenn man in einer Koalition miteinander verhandelt, muss man auch die Fähigkeit dafür haben." Überhaupt: "Demokratische Parteien müssen miteinander koalieren können", findet er. Das schließe für ihn auch die Grünen mit ein, nicht aber AfD und Linke.

Und wenn er es tatsächlich schaffen sollte, das Direktmandat für den Wahlkreis zu holen? "Minister sein, das möchte ich gar nicht. Aber aktiv mitgestalten, das will ich", sagt er. Und wenn das jetzt nichts wird, breche für ihn auch keine Welt zusammen. Sicher werde es hinterher weitergehen in der Politik, wenn es klappt, erst einmal auf lokaler Ebene, im Kreistag oder Gemeinderat.

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