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Tourismus in der Fränkischen Schweiz boomt nach Corona-Lockdown: "Irre Nachfrage"

Im Herbst kommen viele Touristen in die Region - Dennoch gibt es Gewinner und Verlierer - 10.10.2020 12:30 Uhr

Julius und Claudia Schütz (v.l.) aus Biberach im Landkreis Augsburg sind in diesem Jahr bereits das zweite Mal in der Fränkischen Schweiz zu Gast. Das hat Gründe.

© Foto: Annika Falk-Claußen


Michael Wirth, Vorsitzender des Tourismusvereins Egloffstein und Umgebung, schätzt, dass Regionen wie die Fränkische Schweiz "mit einem blauen Auge" davon kommen. Anders als Regionen, die eher großstädtisch geprägt, die mehr auf Tagungen und Messen angewiesen sind.

Jetzt ist die Chance da

"Wir haben mehr Familien, Einzelreisende und kleinere Gruppen, die trotz Corona gekommen sind", so Wirth, der in Egloffstein zwölf Ferienwohnungen und sechs Zimmer betreibt. Neben den Stammgästen seiner Pension Mühle kamen in diesem Jahr viele das erste Mal in die Fränkische Schweiz. "Einige haben gesagt: ,Da wollten wir schon immer mal hin, jetzt haben wir die Chance dazu!‘"

Der Oktober ist noch gut gebucht, viele Gäste aus NRW und anderen Bundesländern, die jetzt Herbstferien haben, reisen an. Sie kommen zum Wandern und Klettern, aber auch sein Fahrradverleih lief in den vergangenen Monaten so gut wie noch nie, sagt Wirth. 

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Julius und Claudia Schütz sind in diesem Jahr bereits das zweite Mal in Egloffstein zu Gast. Das Ehepaar aus Biberach (Landkreis Augsburg) hat in dieser Woche auch die Nachbarn mitgebracht. "Wir waren vor einem Jahr bei der Wanderwoche zum ersten Mal hier", so Julius Schütz. "Die Region ist so vielfältig und dennoch kompakt, die Wanderwege sind sehr gut ausgezeichnet, die Gastronomie ist toll."

Bewährtes gesucht

Bernhard und Cornelia Nickel hatten im September eigentlich eine Wanderwoche mit dem Schwäbische-Alb-Verein in Muggendorf geplant, die allerdings coronabedingt abgesagt werden musste. Deshalb haben sie sich im Oktober ihren Nachbarn angeschlossen und erkunden die Wanderwege rund um Egloffstein, Obertrubach und Pottenstein.

Michael Wirth schätzt, dass in Corona-Zeiten Bewährtes gesucht wird: "Gäste kommen, weil sie schon mal hier waren und abschätzen können, wie es der Betrieb trotz Corona handhabt." Der Aufwand pro Gast sei für jeden Gastgeber größer. Er habe den Tischtennisraum zum zusätzlichen Frühstücksraum umgebaut, um die Abstände einhalten zu können. Noch muss er sehen, ob der Wegfall des Frühjahrsgeschäfts sich aufholen lässt. "Rund um Egloffstein sind an Ostern alle wegen des Osterbrunnens in Bieberbach ausgebucht", so Wirth, der dennoch positiv gestimmt ist.

Bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen

Aber er kennt auch Kollegen, die bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen haben. Das Geschäft rund um Busreisen, Ausflüge von Kegelclubs, Vereinen oder große Wandergruppen ist fast komplett eingebrochen. Ab November wird es bei Wirths ruhiger, Silvester ist nochmal ausgebucht und dann startet das Geschäft wieder zu Ostern. 

Vor dem Campingplatz in Pottenstein bilden sich vor dem Wochenende Schlangen - auch im Herbst kommen Wohnwagen- und Wohnmobilfans in die Fränkische.

© Foto: Annika Falk-Claußen


Bis zum 8. November hat der Campingplatz Bärenschlucht in Pottenstein geöffnet. "Bis dahin haben wir auch noch Reservierungen", sagt Betreiberin Christine Bayer. Bis zur vergangenen Woche war es sehr voll, viele Neu-Camper kamen zum Wandern, Radfahren und besuchten die Erlebnismeile.

"Im Sommer waren viele da, die sonst in Kroatien Urlaub gemacht haben", so Bayer, die dennoch davon ausgeht, dass sich das, was im Frühjahr weggebrochen ist, übers Jahr nicht aufholen lässt. Kurz vor Weihnachten bis zum 6. Januar hat ihr Campingplatz dann erneut für die Wintercamper geöffnet.

Große Gewinner und Verlierer

Die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz verzeichnet in diesem Jahr mehr Buchungen als im Vorjahr – trotz der fehlenden drei Monate. "Die Nachfrage war irre", sagt Matthias Helldörfer, der seit zwei Wochen offiziell neuer Leiter und damit Nachfolger von Sandra Schneider ist.

Die Fränkische Schweiz habe klar von dem Trend "Reisen in Deutschland" profitiert und sei in den vergangenen Monaten besser besucht gewesen als die anderen Tourismusregionen Frankens. "Man wird den Ausfall, den man im März, April, Mai hatte, nicht wieder reinbekommen", so Helldörfer. Vor allem Hotels und Pensionen seien anfangs noch etwas zögerlich nachgefragt worden. Die großen Gewinner waren Ferienwohnungen und -häuser.

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"Die Online-Buchungen sind nach oben geschnellt und wir konnten viele neue Gäste gewinnen, die hoffentlich wieder kommen." Er sieht das etwas verstaubte Image der Fränkischen Schweiz spätestens durch diese Saison begraben. "Der Outdoor-Bereich wächst, es zeigt sich, dass vermehrt auch jüngeres Publikum zum Wandern, Mountainbiken und Klettern zu uns kommt." Gastronomen, so schätzt er, werden allerdings erst Anfang der nächsten Saison ein echtes Fazit ziehen können.

"Ohne Reservierung geht bei uns nichts mehr"

Die Gaststätten sind aktuell immer noch sehr gut besucht. "Bei uns geht am Wochenende ohne Reservierung gar nichts mehr", sagt Julia Kellner vom Gasthof zur Post, der vor einem knappen Jahr wieder eröffnet hat. Teilweise werden die Tische drei- bis fünffach belegt. Deutlich mehr Urlaubsgäste seien spürbar.

Auch vor Anfragen für die Doppelzimmer kann sich "die Post" kaum retten. "Wir haben sehr viele kurzfristige Buchungen, meist spontane Kurzaufenthalte", sagt Kellner. Aktuell sind vier Zimmer renoviert, die jede Woche voll sind. "Es ist aber schwer planbar, weil die Buchungen maximal eine Woche vorher kommen." Das Team sowie der neue Besitzer arbeiten derzeit an den Renovierungen der restlichen Zimmer. "Wir hoffen, dass wir bis zum Frühjahr fertig sind." Denn ein Ende des Trends lässt sich nicht erkennen. 

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ANNIKA FALK-CLAUßEN

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