Obstbaumpflege und Tracht vereint

Tradition pflegen: Effeltricher Trachtenverein feiert 100-jähriges Bestehen

5.8.2021, 09:48 Uhr
Von links: Georg Schmidtlein, Hans Pinzel und Alfred Kotz, Claudia Munker, Bürgermeister Peter Lepper, Pfarrer Albert Löhr und Inge Kropf.

Von links: Georg Schmidtlein, Hans Pinzel und Alfred Kotz, Claudia Munker, Bürgermeister Peter Lepper, Pfarrer Albert Löhr und Inge Kropf. © Karl Heinz Wirth, NN

Der Trachtenverein Effeltrich hat sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. "Eigentlich wollten wir unser Jubiläum mit einer Trachtenwallfahrt feiern, doch Corona hat uns ausgebremst", sagt Hans Pinzel.

Bei der Suche, wie das Jubiläum gefeiert werden kann, ist die Idee aufgekommen Birnbäume zu pflanzen und als kleinen Festakt unter freiem Himmel den Trachtenverein zu feiern, so Pinzel. "Wir haben dann 50 Birnbäume gepflanzt." Mit den Bäumen und Sorten kenne sich am besten Alfred (Freddy) Kotz aus.

Alte Birnbaum-Sorten im Landkreis Forchheim

"Wir haben auf unsere Fahne geschrieben: Sitte und Tracht wollen wir erhalten. Mit der Tracht haut das ganz gut hin, aber bei den Obstbäumen wird es schon schwieriger, denn kaum einer kennt die alten Sorten und kann sie noch benennen." Lauter unbekannte Sorten aus der Region seien um den Hetzleser Berg gepflanzt worden.

"Dazu sind wir seit vier Jahren im Landkreis herumgefahren und haben von sehr alten Birnbäumen Reiser geschnitten, die Bäume veredelt und im Frühjahr hier mit Blick zum Hetzles gepflanzt", erzählt Alfred Kotz. "Wir dachten, zum Hundertjährigen wäre dies ein schöner Anlass mit allen Mitgliedern den Birnengarten zu eröffnen." Als Sorten gebe es hier die Dörrbirne, Julibirne, römische Schmalzbirn. "Alles Sorten, die es früher gegeben hat zur Sommerzeit", sagt Alfred Kotz. Sorten, die fast in Vergessenheit geraten sind.

Schwer, alle alten Sorten zu benennen

„Das Problem ist, da tun wir uns selbst schwer, die alle benennen zu können“, meint Kotz. Mit einem Pomologen wurde zusammengearbeitet, der den Sorten, wenn keiner weiter wusste einen Arbeitstitel gegeben hat. Wie die „Kleine Feine von Hundsboden“, weil der Reiser von dort war, oder die „Schützbirn von Hetzles“, die dort wächst. "Wir wollen den Birnengarten der Öffentlichkeit zugänglich machen, damit sie jeder die Birnen probieren kann." Es soll wieder alles eine Funktion haben, sonst werde es vergessen. Sinn und Zweck dieser Aktion ist, die alten Sorten zu erhalten erklärt er.

Inge Kropf ist nicht nur Schriftführerin im Trachtenverein, verwaltet das Trachtenarchiv und kümmert sich mit Herzblut um den Erhalt der Traditionsmode. "Wir pflegen die Tracht, da sie aus dem Alltag verschwunden ist." Die letzte Trachtenträgerin war Margarete Distler die von Kindesbeinen bis zu ihrem Tod die Tracht getragen hat. Sie habe sie auf Reisen angezogen, bei Arztbesuchen und, wenn sie nach Erlangen fuhr. Die Trachten werden heute zur Kirchweih, Fosanacht, Erntedank und Fronleichnam getragen. Jeder kann sich eine Tracht ausleihen, der eine tragen möchte.

Trachten machen Franken aus

„Trachten sind das, was Franken ausmacht und das Trachtenland, das die vielfältigste Tracht hat,“ sagt Inge Kropf. Claudia Munker vom Landschaftspflegeverband und ist zuständig für das Streuobst. Mancher fragt sich, was hat die Birne mit der Tracht zu tun? Effeltrich hat eine sehr lange Tradition in beidem. Das heißt die Tracht ist sehr alt und erhalten geblieben und dasselbe gilt für die Obstbaumzucht. "Diese Kombination ist zum 100-jährigen Jubiläum sehr gelungen", sagt Claudia Munker.

Bürgermeister Peter Lepper, erstmals in Tracht, erinnerte in seiner Laudatio, dass der Trachtenverein schon viele schwere Zeiten überstanden hat und allen Modeerscheinungen trotzte. In den sechziger Jahren habe man gesagt, Tradition sei nicht wichtig. Man habe weggeworfen und neu gemacht. "Doch der Verein hat diese Tendenzen überdauert und ist jetzt hier, um die Tradition von Effeltrich weiter zu erhalten."

Trachtentag eingeführt

Der Trachtenverein zieht an den Feiertagen wie Georgiritt, Fronleichnam, Kirchweih und Prozessionen viele Besucher nach Effeltrich, um die farbenprächtigen Trachten und Brautkronen zu bewundern, die hier mit Stolz getragen werden.

Ein Sinnbild für Effeltrich, dass man die Tradition bewahrt und pflegt. Pfarrer Albert Löhr, der jahrzehntelang selbst Tracht trug, führte während seiner Zeit als Pfarrer in Effeltrich einen Trachtentag ein. Er wünschte dem Trachtenverein, dem er immer noch sehr verbunden ist, weiterhin den Mut, das Brauchtum in Effeltrich zu pflegen. Abschließend enthüllten Claudia Munker und Inge Kropf die Informationsschilder zum Birnengarten.

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