Serie "Mitten unter uns"

Tradition: Warum in Effeltrich Bären geschlagen werden

13.11.2021, 07:54 Uhr
Die Burschen in farbenfroher Tracht, vertreiben den Winter in Form von Strohbären beim Fosaleggn.

Die Burschen in farbenfroher Tracht, vertreiben den Winter in Form von Strohbären beim Fosaleggn. © Archivfoto: Reinhard Löwisch

Erreicht der Besucher die Ortsmitte von Effeltrich, dann geraten alle Baumschulen in Vergessenheit. Die imposante, dem hl. Georg geweihte Wehrkirche aus dem 15. Jahrhundert mit der sie umfassenden Wehranlage samt Mauer und vier Türmen prägt das Ortszentrum genauso wie die gegenüberstehende, vielfach abgestützte 1000-jährige Linde mit ihrem knapp 60 Meter wuchtigen Kronenumfang. Beide Sehenswürdigkeiten sind Zeugen einer längst vergangenen Zeit, die aber in Effeltrich auf spezielle Weise lebendig geblieben ist.

Das Dorf gilt als Hochburg alter Bräuche und Gepflogenheiten und wird auch als Trachtendorf bezeichnet. So steht es auf einer älteren Chronik, deren Abdruck auf einer Tafel neben der Linde zu sehen ist. Alte Bräuche werden das ganze Jahr über zu verschiedenen Anlässen hochgehalten und gelebt und sorgen damit dafür, dass das gemeinschaftliche Dorfleben sehr ausgeprägt ist.

"Von Mitte Mai bis in den September hinein gibt es kaum ein Wochenende, an dem bei uns in Effeltrich von den zahlreichen Vereinen nicht irgendwo ein Fest abgehalten wird", sagt Bürgermeister Peter Lepper (FW). Gefeiert wird aber nicht nur im Sommer.

Fosaleggn ist der Höhepunkt

Ein herausragendes Ereignis im Effeltricher Festkalender ist das Fosaleggn, alljährlich am Faschingssonntag. Veranstalter ist der Burschenverein "Zufriedenheit" einer der beiden Effeltricher Burschenvereine, der an diesem Tag den Winter austreibt. Dabei lassen sich mehrere Burschen in Stroh einwickeln und werden dann gemeinsam mit ihren Vereinskameraden nach Baiersdorf gebracht.

Dort treibt ein Teil der Burschen mit Peitschen die Bären, die den Winter symbolisieren in einem bunten Festzug vor sich her, ehe dann die Burschen vom Stroh befreit werden und dieses auf einem zentralen Platz verbrannt wird.

Bedeutendstes Fest im Sinne des christlichen Brauchtums ist der Georgi Ritt, mit dem an jedem Ostermontag der Kirchenpatron geehrt wird. "Hier nehmen teilweise deutlich über 100 Pferde an einem farbenträchtigen Umzug teil, der stets vom Pfarrer hoch zu Ross angeführt wird.

Etwas mulmig ist es Peter Lepper, der das Bürgermeisteramt 2020 angetreten hatte, vor seiner ersten Teilnahme in Amt und Würde durchaus, "denn bis dahin muss ich reiten lernen." 2021 fiel der Georgi Ritt, ebenso wie zahlreiche andere Feste pandemiebedingt aus.

Zwei Gasthäuser als Treffpunkt in Effeltrich

Steht einmal gerade kein Fest in Effeltrich an, dann treffen sich die Bürger unter anderem in zwei fränkischen Gastwirtschaften. Keine Gäste mehr werden hingegen im ehemaligen Gasthaus "Waldeslust" empfangen.

Der Georgi-Ritt ist ein weiteres Highlight im Effeltricher Kalender.

Der Georgi-Ritt ist ein weiteres Highlight im Effeltricher Kalender. © Archivfoto: Ralf Rödel

"Hier, beim ‚Merkel‘ haben sich einst zahlreiche Effeltricher Vereine gegründet. Leider ist es seit einiger Zeit geschlossen", bedauert der Bürgermeister, der aber für das symbolträchtige Gebäude weitergehende Pläne hat.

"Die Gemeinde hat eine Bauvoranfrage gestartet. Eventuell können wir hier ein Haus der Vereine einrichten", so Peter Lepper.

Keine Kommentare