Interview zum Hochwassser

Überschwemmungen in Hallerndorf: "Das war eine große Welle"

Martin Regner
Martin Regner

Nordbayerische Nachrichten

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13.7.2021, 07:02 Uhr
Die Feuerwehr Willersdorf-Haid und die Nachbarfeuerwehr Hallerndorf rückten aus und sicherten einen im Hochwasser gestrandeten Lkw mit Stahlseilen, damit er nicht umkippen konnte.

© Mathias Erlwein Die Feuerwehr Willersdorf-Haid und die Nachbarfeuerwehr Hallerndorf rückten aus und sicherten einen im Hochwasser gestrandeten Lkw mit Stahlseilen, damit er nicht umkippen konnte.

Herr Flake, wie war Ihr Wochenende?

Oliver Flake: Stressig. Bei uns ging es schon am Freitag los. Wir hatten die Wasserstandsmeldungen und die Schadensberichte aus dem Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt vorliegen. Wir waren auch in Kontakt mit den dortigen Einsatzleitern und haben schon am Freitagnachmittag unsere Einsatzkräfte informiert. Wir haben dann als erstes unsere Reserven an Sandsäcken aufgefüllt und die Sandsäcke am Samstagvormittag in das erwartete Einsatzgebiet gebracht. Nach Beobachtung der Pegelstände an der Laufer Mühle musste bei uns am Samstag gegen 14.25 Uhr der Alarm für die Gemeinde Hallerndorf ausgelöst werden.


Ausgeliefert aber gelassen: Hallerndorfs Bürgermeister zieht Hochwasserbilanz.


Die Einheimischen haben uns gesagt, dass sie bis jetzt noch kein Hochwasser erlebt haben, das so schnell gekommen ist.

Oliver Flake: Ja, da gab es Prognosen für den zu erwartenden Wasserstand. Aber es war für uns schnell deutlich zu erkennen, dass das dieses Mal weit über die Prognose hinaus gehen würde. Wir haben deswegen am Samstag gleich aus der laufenden Lagebesprechung heraus alarmiert, als wir die tatsächliche Entwicklung der Pegelstände gesehen haben.

Ich wollte dann vom Standort der örtlichen Einsatzleitung am Feuerwehrhaus Schlammersdorf nach Haid fahren, um mir vor Ort ein Bild von der Lage zu verschaffen. Was ich dann erleben musste, habe ich auch noch nicht gesehen: Die Wassermassen sind mir schon auf der Kreisstraße von Willersdorf nach Haid entgegen gekommen. Das war eine große Welle, die auf der Straße auf mich zu gekommen ist. Ich bin in die nächstmögliche Einfahrt hinein gefahren und sofort umgedreht. So schnell wie das Wasser da gekommen ist, das war der Wahnsinn. Und ließ Schlimmes erahnen. Wie ein Dammbruch. Und das wohlgemerkt, ohne dass es in der Region geregnet hat. Das war etwa gegen 14.30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein.

Wie ging es dann in Haid weiter?

Oliver Flake: Haid war zu diesem Zeitpunkt über die offiziellen Straßen nicht mehr erreichbar. Nur noch über einen Feld- und Waldweg bei Stiebarlimbach. Unsere Einsatzkräfte und die Haider Bevölkerung haben begonnen, Sandsäcke zu verbauen und die Keller auszupumpen. Erschwert wurde der Einsatz durch den Stromausfall, da bei der Laufer Mühle eine Trafostation abgeschaltet werden musste und somit die Tauchpumpen der Haider nicht mehr eingesetzt werden konnten. Es war dann von der Einsatzleitung zunächst geplant, das Ortsnetz mit dem Notstrom-Großaggregat des Landkreises Forchheim wieder zu versorgen. Nach Rücksprache mit dem Versorgungsunternehmen haben wir schließlich eine Möglichkeit gefunden, das Ortsnetz unabhängig vom Trafo an der Laufer Mühle wieder ans Stromnetz anzubinden. Das war zwischen 17 und 18 Uhr, also noch bei Tageslicht. Ohne Strom hätte es in Haid später sonst keine Beleuchtung mehr gegeben.

Wie lang dauerte der Einsatz in der Gemeinde Hallerndorf?

Oliver Flake: Bis etwa 23.30 Uhr am Samstag konnten wir die überörtlich alarmierten Kräfte aus Forchheim, Neunkirchen, Ebermannstadt, Gosberg und Wiesenthau sowie das THW und das BRK wieder abziehen. Die Ortswehren aus Hallerndorf selbst waren noch im Einsatz bis Sonntagnachmittag. Am Montagfrüh kam dann nochmal eine Alarmierung, wo Wasser in einen Keller eingetreten ist. In Hallerndorf waren einige Keller betroffen, die das Hochwasser nach Aussage der örtlichen Einsatzkräfte früher noch nicht erreicht hatte. Das macht den Einsatz vom Wochenende – abgesehen von der Geschwindigkeit, mit der das Wasser gekommen ist – schon außergewöhnlich. Weiter flussabwärts in Schlammersdorf haben wir durch die Sandsäcke viel verhindern können, aber auch da mussten wir ein paar Schäden hinnehmen.

Wie viele Einsatzkräfte von Feuerwehr, BRK und THW waren am Wochenende in Hallerndorf unterwegs?

Oliver Flake: Das waren gut 300 Personen. Das Zusammenspiel der Hilfskräfte hat hervorragend funktioniert, dafür gilt allen mein Dank. Das freut einen als Verantwortlichen, wenn man sieht, mit welchem Elan und mit welcher Hilfsbereitschaft alle zugepackt haben. Auch die Kollegen aus dem Landkreis Bamberg, die uns zum Beispiel Sandsäcke zur Verfügung gestellt haben, obwohl sie ein paar Tage vorher selber noch von einer massiven Hochwasserlage betroffen waren. Und obwohl auch für die Helfer der wettermäßig wunderschöne Samstagnachmittag dann natürlich dahin war. Das macht aber das Ehrenamt in einer Hilfsorganisation aus: Jederzeit für den von einer Notlage betroffenen Mitbürger einzustehen.


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