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Freitag, 06.12.2019

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Übler Geruch der Bioerdgasanlage stört Eggolsheimer nach wie vor

365 Tage Silagegestank - "Rieche es im Bürgermeisterbüro" - 14.11.2019 08:26 Uhr

In die Bioerdgasanlage der Stadtwerke Forchheim waren geruchgeplagte Anwohner gekommen und tauschten sich mit dem Marktgemeinderat aus. Seit dem Treffen vor einem Jahr hat sich nichts verbessert. © Foto: Marquard Och


Vor über einem Jahr waren der Marktgemeinderat und geruchsbelästigte Anwohner aus dem 800 Meter entfernten Eggolsheim schon einmal mit 400 Unterschriften zum Protest in die Bioerdgasanlage der Stadtwerke Forchheim gekommen. Verbessert hat sich nach den Forderungen einer luftdichten Abdeckung der Silage und Einhaltung der sonstigen Genehmigungsauflagen des Landratsamts aus dem Jahr 2010 nichts.

Nach weiteren Einsprüchen der von Franz Lehnert angeführten "Interessengemeinschaft geruchsfreie Umgebungsluft" hat Bürgermeister Claus Schwarzmann (Bürgerbund) den Bauausschuss, Vertreter der IG und Stadtwerkeleiter Christian Sponsel zu einem Treffen in die Biogasanlage des Landwirtsehepaars Martin und Maria Müller im benachbarten Altendorf eingeladen. "Da ist kein Geruch", stellten die Teilnehmer ausnahmslos fest.

"Wir wohnen mit unseren Kindern nebenan, es ist unser ureigenes Interesse, dass hier keine Gärgase austreten", machte Martin Müller deutlich. Seit 2009 betreibt das Paar die von 250 auf 440 Kilowatt elektrische Leistung aufgestockte Anlage. Jährlich werden aus Mais, Gras und Gülle 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, bis zu 1200 Haushalte könnten versorgt werden.

Krähen sind schuld an Löchern in den Planen

Mit drei Folien und Altreifen deckten die Müllers ihre Erntevorräte ab. Jedoch sei es nicht zu verhindern, dass Krähen die Planen löchern. Eine Oberschicht aus Mais helfe, "das macht die Silos dicht wie Lehm", erklärte Martin Müller.

Mit dem Eintreffen von Christian Sponsel packte Franz Lehnert, ehemals Geschäftsleiter der Marktgemeinde, aus: "Ich hab heute schon eine Geruchsstunde hinter mir – in ihrer Genehmigung steht eine Silagehäufung von maximal 3,5 Meter, wissen Sie das nicht?" Er habe das nicht gefunden, sagte Sponsel.

Lehnert fuhr fort: Das Landesamt für Umwelt, den TÜV Nord-Umweltschutz, die Bezirksregierung und das Landratsamt – das die Betreiber schon im Mai 2015 zur konsequenten Einhaltung der Auflagen aufgefordert hatte – habe er alle angerufen. Alle hätten das Gleiche gesagt, "die Abdeckung der Silage ist das A und O" für eine geruchsfreie Bewirtschaftung.

"Betreiberfirma sagt nicht die Wahrheit"

Es gäbe von IG-Mitstreitern Aufzeichnungen über Gerüche – am Kirchweihsamstag "ekelhaft" – und Augenzeugen, die laut Lehnert bestätigten: An 365 Tagen, rund um die Uhr seien die Silos aufgedeckt. Lehnert wurde noch deutlicher: "Die Schwandorfer Betreiberfirma sagt Ihnen nicht die Wahrheit über die Befüllungszeiten der Silos, die verarschen Sie." Laut Christian Sponsel sei in den letzten Monaten viel getan worden.

"Wir versuchen zu lernen, um die Probleme in den Griff zu kriegen." Demnächst werde er sich eine Biogasanlage ansehen, bei der eine Mechanik den Rückzug der Abdeckplanen bewerkstelligt. "Wenn geeignet, werden wir das adaptieren".

"Rieche es im Bürgermeisterbüro"

Vor der Übergabe der Forderungen des Marktrats zur Verbesserung der Situation konnte sich der Gemeindechef eines nicht verkneifen – eine unschöne Erinnerung zu erwähnen: "Im letzten Jahr in Ihrem Büro haben wir uns gesagt, wir wollen Freunde werden."

Zur Feststellung von Arnulf Koy (CSU) – selbst Großbauer – "nur wenn sauberes, trockenes Grüngut in die Anlage kommt, ist die Geruchsbelästigung zu vermeiden, aber die Lieferanten fahren ja bei jedem Wetter – da muss sich was ändern." Christian Sponsel entgegnete: "Die Verträge mit den Landwirten seien geändert – bei schlechtem Wetter werde nicht mehr gefahren." Auseinander gingen die Interessenvertreter mit folgendem Schlusswort von Schwarzmann: "Ich rieche es in meinem Bürgermeisterbüro, geruchsmäßig muss 2020 anders werden."

MARQUARD OCH

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