"Nicht das letzte Problem"

Umstrittener Hausbau am Kellerwald: Stadträte sagen Nein zu Stützwänden

21.7.2021, 08:03 Uhr
Hier im Bereich der künftigen Zufahrt zur Wohnanlage und entlang der Carports schwebt dem Investor eine massive Stützmauer vor. Das wurde nun abgelehnt.
 

Hier im Bereich der künftigen Zufahrt zur Wohnanlage und entlang der Carports schwebt dem Investor eine massive Stützmauer vor. Das wurde nun abgelehnt.   © a-nn-eig-20210720_131859-3.jpg, NNZ

Oberhalb des ehemaligen Gottla-Kellers entsteht derzeit ein Mehrfamilienhaus, fünf Wohneinheiten und sieben Carports sind vom Investor, der Erlanger Niersberger 365 GmbH, geplant. Die Firma kaufte das Gelände 2020 vom Voreigentümer Haldun Yildirim, der bereits 2017 auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus plante, es aber nicht verwirklichte.

Damit ist ihm, wie sich unlängst herausgestellt hat, viel Ärger erspart geblieben: Wie berichtet, wurde unter der Baustelle ein Ast des benachbarten, schon lange nicht mehr bewirtschafteten Bauernkellers entdeckt - für den Investor offenbar ebenso überraschend wie für das städtische Bauamt. Und dieser denkmalgeschützte Stollen droht unter der Last des Neubaus einzustürzen. Weswegen eine Verfüllung des unterirdischen Ganges vonnöten war.

In diese rechtlich wie planerisch ohnehin unübersichtliche Lage (ganz zu schweigen von der schwierigen Hanglage am Rande des Kellerwaldes mit seinen zahlreichen tiefen, teils nicht kartierten Stollen), sorgten nun zwei neue Anträge im Bauausschuss des Stadtrates für weiteren Unmut.

Der erste Antrag kommt von der Niersberger GmbH: Zur Sicherung der Zufahrt am Hang will sie eine Stützmauer bauen. "Das an sich wäre aus unserer Sicht kein Problem", meinte Stefan Kindler, Chef des Bauordnungsamtes. Sehr wohl ein Problem sah er aber in den Ausmaßen und dem Verlauf der Wand: Der Investor plant eine rund 45 Meter lange Winkelstützmauer im Bereich der künftigen Zufahrt zur Wohnanlage im nördlichen Teil des Baugrundstücks sowie im Zufahrtsbereich zu den bereits gebauten Carports, die Richtung Süden, bis an die Grenze des Nachbarhauses (das ehemalige Gottla-Gebäude), fortgesetzt werden soll.

Das Ausmaß des neuen Wohngebäudes ist durch den Blick von oben gut zu erkennen. 

Das Ausmaß des neuen Wohngebäudes ist durch den Blick von oben gut zu erkennen.  © a-nn-eig-20210720_131859-6.jpg, NNZ

"Diese Mauer würde das Grundstück nahezu in voller Tiefe von Nord nach Süd durchziehen", so Kindler. Mit der erforderlichen Absturzsicherung käme sie auf eine Höhe von rund 3,30 Metern, auch wenn ein Teil ins Erdreich eingelassen werden soll. Im Bauamt ist man sich einig: So nicht. Allenfalls die Stützmauer im Bereich der Zufahrt könne befürwortet werden, sagte Kindler, nicht aber die Mauer im südlichen Bereich auf Höhe der Carports. Hier fordere die Verwaltung eine andere Lösung, "die möglichst ohne Stützwand auskommt und sich gestalterisch besser in die Umgebung einfügt".

Und freilich musste Kindler auch auf die unterirdischen Schwierigkeiten zu sprechen kommen - befindet sich die geplante Stützmauer doch in teils unmittelbarer Nähe zu den Stollen des Bauernkellers, deren tatsächlichen gesamten Verlauf keiner so genau kennt. "Es muss gewährleistet sein, dass es da zu keinerlei Schäden kommt."

Den zweiten Antrag stellte ein Privatmann - und als Bewohner im rückwärtigen Teil (beziehungsweise "in zweiter Reihe") des Liebessteig künftig ein direkter, etwas höher gelegener Nachbar des neuen Mehrfamilienhauses. Auch er möchte eine Stützwand errichten, im nördlichen und westlichen Teil seines Grundstücks: Rund 18 Meter lang und inklusive Absturzsicherung mit einer Endhöhe von knapp 4,50 Metern. Der Grund ist offensichtlich: Die benachbarte Baugrube des Mehrfamilienhauses, die an der Grundstückgrenze steil abfällt.

Kindler erzählte, dass er vor Ort mit dem Eigentümer gesprochen habe, und "er ist gar nicht so darauf erpicht, dass die Mauer genauso massiv ausgeführt wird - es geht ihm vor allem um die Sicherung seines Grundstücks und Sicherheit für seine Kinder". Der Antragsteller suche schlichtweg eine "akzeptable Lösung" und zeige sich "sehr kompromissbereit", sollte der Bauausschuss die Planung ablehnen. Denn auch hier spielt der Bauernkeller eine gewichtige Rolle, vermute man doch unter der geplanten Stützmauer die äußere Kante eines Stollens, erläuterte Kindler.

"Erstaunlicherweise", so der Bauordnungsamtsleiter, "kommen beide Anträge vom selben Planer". Und "leider sind beide Anträge nicht vorab mit uns abgestimmt gewesen, wir haben sie einfach auf den Tisch bekommen". Das sei unvorteilhaft verlaufen, angesichts des "sensiblen, schwierigen und auch in der Öffentlichkeit vieldiskutierten" Bauvorhabens.

Am Ende lehnten die Stadträte erwartungsgemäß und einstimmig beide Anträge in ihrer jetzigen Form ab. Auf allzu viel Kritik an der Verwaltung verzichtete das Gremium - dass hier vieles unglücklich verlief, ist bekannt.

Deutlich vernehmbarer war der Wunsch der Stadträte, dass sich insbesondere der Investor der neuen Wohnanlage im weiteren Vorgehen frühzeitiger mit Kindler austauscht. Denn der machte klar: "Ich sehe da noch viele weitere Probleme auf uns zukommen, beispielsweise mit den Außenanlagen und Treppen" - allesamt in unmittelbarer Nähe über den historischen Bauernkeller-Gängen. "Sie glauben ja nicht", so Kindler zum Gremium und mit Blick auf das schon jetzt personell am Anschlag arbeitende Bauamt , "was für ein Verwaltungsakt diese Baustelle für uns ist".

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