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Unterwegs auf dem Marienweg durch die Fränkische Schweiz

Ein Pilgerweg der besonderen Art - 22.06.2020 16:23 Uhr

Der Fränkische Marienweg ist mit mehr als 2000 Kilometern Länge der längste Wanderweg Deutschlands. Dabei führt er unter anderem durch 90 Wallfahrtsorte und vorbei an unzähligen Marterln, Flurkreuzen und Bildstöcken.

© Ordinariat Bamberg


Der Fränkische Marienweg ist der längste Wanderweg Deutschlands, noch vor dem Goldsteigwanderweg zwischen Marktredwitz und Passau mit rund 700 Kilometern. „Da der Marienweg keine Zubringerwege hat, ist er mit großem Abstand der längste markierte Wanderweg in Deutschland“, sagt Pfarrer Josef Treutlein aus Würzburg, Initiator und „Vater“ des Pilgerwegs. Der Fränkische Marienweg besteht seit 2002 im Bistum Würzburg und sollte am 25. März von Erzbischof Ludwig Schick für den Bamberger Teil geweiht werden.

„Das war wegen der Coronakrise nicht möglich, wird jedoch zu gegebener Zeit nachgeholt“, verspricht Treutlein und dankt dem Förderverein, der Projektgruppe des Erzbistums Bamberg, den Wandervereinen und den öffentlichen Stellen für die geleistete Arbeit.

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Atemberaubende Schönheiten: Die Fränkische Schweiz von oben

Aus bis zu 2.500 Metern Höhe blickte Tom Schneider, Fotograf aus Ebermannstadt, bei einer Fahrt mit einem Heißluftballon auf Dörfer, Natur und wunderschöne Ecken der Fränkischen Schweiz und des Landkreises Forchheim.


„Ich freue mich auf die Zeit, in der wieder Wallfahrten möglich sind“, sagt Treutlein, der auch Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Fränkischen Marienwegs ist. Offiziell sind zwar wegen Corona derzeit Wallfahrten verboten, doch Einzelpilger und kleinere Gruppen dürfen jederzeit jetzt schon auf dem Weg pilgern, der durch ein Logo mit Muttergottes in rotem Gewand mit Kind in blauem Kleid auf dunkelblauem Grund gekennzeichnet ist. „Dieser Weg ist für alle geeignet. Auch Naturfreunde, Wanderer, Radfahrer oder Jogger sind natürlich willkommen“, sagt Josef Treutlein. Er weiß, dass Pilgern spätestens seit dem Jakobsweg „in“ ist und sich auch immer mehr junge Menschen dafür begeisterten.

Einer, der den Pilgerweg zumindest teilweise schon abgefahren hat, ist Jürgen Fenster aus einem kleinen Dorf bei Forchheim. Der 38-Jährige ist sowohl begeisterter Radfahrer als auch gläubiger Katholik, war unter anderem schon 20 Mal bei der wohl bekanntesten Wallfahrt in Bayern von Regensburg nach Altötting dabei. 111 Kilometer werden dort immer vor Pfingsten in drei Etappen auf Schusters Rappen zurückgelegt. Seit das Knie zwickt, hat sich Fenster aufs Radeln verlegt und das komme ihm auf dem Marienweg zugute. Gut 500 Kilometer ist er auf diesem in den vergangenen Wochen geradelt und habe dabei „immer wieder Neues und Beeindruckendes“ erlebt. „Mich fasziniert dieses Zusammenspiel von sportlicher Betätigung und spiritueller Anregung.“ Er wolle auf jeden Fall in den nächsten Jahren den kompletten Weg von Alzenau bis nach Wendelbach in Etappen zurücklegen.

Die Pilger folgen dem ausgeschilderten Weg. Große Wallfahrten sind noch nicht erlaubt, aber in kleinen Gruppen darf man sich schon auf den Weg machen.

© Ordinariat Bamberg


Die Ost-Erweiterung des Fränkischen Marienwegs ins Erzbistum Bamberg durch Ober- und Mittelfranken hat ein Projektteam unter der Leitung des Bamberger Domkapitulars Norbert Jung in Zusammenarbeit mit regionalen Wandervereinen und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club erarbeitet. Der über 1000 Kilometer lange Ostteil wird in zwei großen Schleifen mit Bamberg als Mittelpunkt durch Main-, Regnitz- und Pegnitztal, Frankenwald, Fränkische Schweiz, Fränkische Alb, Nürnberger Land, Steigerwald und Haßberge führen.

Die Anbindung an den unterfränkischen Teil erfolgt am Zeiler Käppele sowie bei Dimbach über den Schwanberg. Pilger und Wanderer können dann Höhepunkte wie Vierzehnheiligen, Kloster Banz, Gößweinstein, die Nürnberger Frauenkirche oder die Creglinger Herrgottskirche erleben, aber ebenso die kleinen Perlen am Weg – wie zum Beispiel Marienweiher am Nordende oder Veitsbronn, das mit seiner „Wallfahrt zur verlassenen Muttergottes“ eine ganz besondere Geschichte erzählt.

Ein "Dankprojekt"

Pfarrer Josef Treutlein ist schon immer ein begeisterter Marienverehrer und Pilger. Dennoch war die Idee, vor mehr als 18 Jahren einen Fränkischen Marienweg zu initiieren, einem einschneidenden persönlichen Erlebnis geschuldet. Der heutige Wallfahrtsrektor am Würzburger Käppele war schwer erkrankt und lernte damals so richtig zu schätzen, wenn man „ohne körperliche Beeinträchtigung wandern und pilgern kann. Die Realisierung des Pilgerwegs war auch so etwas wie ein Dankprojekt.“ So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der pilgernde Priester längst auch ein begehrter Referent für Vorträge mit dem Thema Pilgern und Wallfahrten ist.

Schließlich hat Josef Treutlein noch einen Wunsch den Fränkischen Marienweg betreffend: Dass sich so viele Menschen wie möglich auf den Weg machen, den Dreiklang des Pilgerwegs zu erfahren: Die herrliche Landschaft zu erleben, Marias Weg durch die Bibel zu erfahren und die eigene Seelenlandschaft mit allen Höhen und Tiefen einer Wallfahrt zu erkunden und für das eigene Herz zu entdecken.

Udo Fürst

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