Sachstand

Unverhofft: Die Forchheimer Pyramide hat noch Mängel

10.5.2021, 06:03 Uhr
Der Blick von der Pyramide in den Innenhof der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Dahinter ist der Turm des Herder-Gymnasiums zu erkennen.

Der Blick von der Pyramide in den Innenhof der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Dahinter ist der Turm des Herder-Gymnasiums zu erkennen. © Foto: Sylvia Kiesewetter

"Bereits 2019 haben wir uns die Wohnung im obersten Stockwerk mit Sicht über die Dächer von Forchheim bis zum Walberla gesichert", erzählt Wolfgang Bossmann. Für die zweite Wohnung, die sie vermieten wollen, habe nun schon der dritte Mietinteressent wegen der Dauerbaustelle abgesagt. Ingrid und Wolfgang Bossmann selbst wohnen nach dem Verkauf ihres Hauses seit Januar in der Pyramide.

Nadja und Michael Spudat haben die Wohnung im Erdgeschoss gemietet. Seit ihrem Einzug Ende Februar sind sie umgeben von Bauschutt, Gerüststangen und Schüttgut. "Wir hatten uns so auf die Terrasse für den Sommer gefreut", bedauert Michael Spudat. Aber: "Das wird wohl nichts."

Hohe Steuervorteile

"Der ursprüngliche Fertigstellungstermin war Mitte 2020 angesetzt", sagt Diana Bachus, die technische Projektassistentin. Sowohl in der Pyramide (CityTerrassen) als auch in der alten Landwirtschaftsschule (CityDenkmal) waren die angebotenen Wohnungen schnell verkauft, zumal es für Denkmäler hohe Steuervorteile gibt.

Das Architekturbüro Gräßel Architekten aus Erlangen entwarf das außergewöhnliche Projekt für Bauwerke Liebe & Partner. "Die Idee war", erklärt Ulrich Liebe, "ein Ensemble in der Form einer Dreiseitanlage zu gestalten, bestehend aus der alten Landwirtschaftsschule in ihrem klassisch blockhaften Erscheinungsbild in Winkelform und einem modernen Bau, der die Blockform spielerisch aufnimmt und sie verjüngend elegant nach oben stapelt, eine Stufenpyramide. Maße und Größe des Baus sollten sich an der bestehenden Bebauung orientieren. Die Abtreppung macht Loggien für jede Wohnung möglich, die Anordnung der Gebäude einen begrünten Innenhof mit privaten und gemeinschaftlichen Flächen."

Christian Teichgräber, Leiter der technischen Projektentwicklung, erklärt: "Ausführungsplanung, Bau- und Projektleitung haben wir wie in der Branche üblich an ein Architekturbüro vergeben, obwohl wir das sonst intern erledigen." Das sei der "unvorhersehbare Fehler" gewesen.

Die Pyramide war bereits fix und fertig gedämmt. Dann stellte sich heraus, dass die Dämmung aus Sicht des Bauträgers Mängel hatte, also wurde sie wieder abgenommen. Daher ist nun wieder der Beton zu sehen.

Die Pyramide war bereits fix und fertig gedämmt. Dann stellte sich heraus, dass die Dämmung aus Sicht des Bauträgers Mängel hatte, also wurde sie wieder abgenommen. Daher ist nun wieder der Beton zu sehen. © Foto: Sylvia Kiesewetter

Nach einer Qualitätssicherungsmaßnahme Ende August 2020 wurden Defizite in der Ausführung der Gebäudehülle der Pyramide und eine mangelnde Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde beim CityDenkmal festgestellt, so Teichgräbers Darstellung. Das externe Architekturbüro wurde gekündigt, ein Bausachverständiger eingeschaltet und ab Oktober übernahm Liebe & Partner die Projekt- und Bauleitung wieder selbst. Für das CityDenkmal wurden die Anforderungen der Denkmalschutzbehörde in die Planung eingearbeitet und neue Fachfirmen beauftragt. Im November wurde schließlich ein Bauleiter von Bauwerke beauftragt, Wolfgang Kalb, und die Arbeiten am Denkmal konnten fortgeführt werden. "Für die CityTerrassen war das nicht so einfach", sagt Christian Teichgräber.

Nach der Mängeldokumentation durch den Sachverständigen wurde ein neues Planungskonzept erstellt. Die Verhandlungen mit der ehemals beauftragten Firma über die Beseitigung der Mängel scheiterten, die Nachfristen verstrichen. Am Montag, 26. April, wurde ein neuer Vertrag mit einer Fachfirma abgeschlossen. "Wir sind überzeugt von der Kapazität und Leistungsbereitschaft dieser Firma", ergänzt Diana Bachus.

Die Arbeiten wurden am 27. April wieder aufgenommen. Die Fertigstellung ist nun für das dritte Quartal 2021 angesetzt. "Die aktuelle Gesetzgebung über einzuhaltende Kündigungs- und Nachbesserungsfristen begrenzt den Handlungsspielraum eines Bauträgers und bindet ihm die Hände", sagt Christian Teichgräber. "Nun fokussieren wir uns auf die Wiederherstellung der Kundenzufriedenheit. Das interne Qualitätsmanagement von Bauwerke ist auf hochwertiges Bauen ausgerichtet. Wenn alles fertig ist, werden alle das bestätigen können."

Provisorische Terrasse

Nadja und Michael Spudat haben sich inzwischen eine provisorische Terrasse aus Paletten gebaut für Grill, Campingtisch und Kinderwagen. "Sehr spannend, was an jedem Tag passiert oder wieder nicht", lachen die beiden: "Wir lassen uns nicht unterkriegen."

Wolfgang Bossmann genießt derweil den Ausblick zum Walberla. "Die Wohnungen sind wirklich sehr modern und großzügig gestaltet", bestätigt er. "Man ahnt, dass alles sehr schön wird. Irgendwann einmal." Und dann gibt es da noch den momentanen Mangel an Baustoffen auf dem Markt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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