12°

Montag, 10.05.2021

|

Vereister Radweg: Warum auf Forchheims Seite, aber ab Hausen nicht geräumt wurde

Eigentlich soll es ein schneller Radweg sein, doch der Winter behindert die Fahrt - 10.12.2020 19:34 Uhr

Freie und sichere Fahrt? Nicht überall. Warum der eigentlich geräumte Radweg plötzlich unter einer rutschigen Decke aus Schnee und Eis verschwindet.

10.12.2020 © Foto: Berny Meyer


Schnee und Eis machen das Unsichtbare sichtbar: die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Forchheim. Von der Grenze hat die Forchheimerin Andrea Höhn bisher nichts geahnt. Doch der Winter hat das geändert. Die ersten Flocken waren vom Himmel gefallen und blieben sogar liegen. Auch auf dem Fahrradweg auf der rechten Kanalseite in Richtung Baiersdorf, wo am Kanal ein schneller Radweg entsteht. Es ist Andrea Höhns täglicher Fahrradweg zur Arbeit.

Bilderstrecke zum Thema

Gefährliche Stellen in Forchheim: Hier müssen Fahrradfahrer aufpassen

Schmale Radstreifen, holprige Übergänge oder zugeparkte Fahrradwege: Auf Forchheims Straßen gibt es einige Gefahrenstellen für Fahrradfahrer. Gemeinsam mit dem ADFC Forchheim haben wir Standorte zusammengetragen, an denen Verbesserungsbedarf besteht.


"Der Weg von Forchheim ab ist bis zur neuen roten Brücke super geräumt und gesalzen worden", schildert Höhn der Redaktion. Doch dann plötzlich, mitten auf dem Asphalt, am Beginn der Abzweigung, die hinauf zur roten Brücke über die Franz-Josef-Strauss-Straße in Forchheims Süden führt: alles vereist. Ein paar Meter weiter, oben auf der Brücke, ist der Weg wieder frei.

Viele Radpendler auf dieser Strecke

Andrea Höhn spricht nicht nur für sich, sondern auch für die vielen Schüler, Siemens-Mitarbeiter und anderen Radpendler, die täglich auf der Strecke unterwegs sind. "Die wichtigsten Straßen für Autos und Busse sind frei und auch die Fahrradwege innerhalb Forchheims lassen sich gut befahren", sagt sie und wünscht sich eine sichere und eisfreie Fahrt auch zur roten Brücke hin.

Auf Nachfrage erklärt die Stadt, nicht für das Teilstück zuständig zu sein. Die Abzweigung, die zur Brücke führt, gehöre zum Gemeindegebiet Hausen. Klappt es da also mit dem Anschluss nicht? Am Telefon ist Hausens Bürgermeister Bernd Ruppert (CSU) verwundert, dass die Stadt überhaupt auf der Kanalseite bis zur roten Brücke geräumt hat. "Eigentlich beginnt das Hausener Gemeindegebiet schon ab der ehemaligen Eisenbahnbrücke." Die steht gut 200 Meter vor der roten. "Aber wir können das gerne so beibehalten", sagt Ruppert und lacht.

Zu viel geräumt?

Räumt also Forchheim gut 200 Meter zu viel? Der Internetkartendienst Google gibt jedenfalls Forchheim recht. Demnach endet Forchheims Grenze erst auf Höhe der Franz-Josef-Strauss-Straße. Rupperts Blick in die offiziellen Daten der Gemarkungsgrenzen geben wiederum ihm recht. Wie dem auch sei: Was ist jetzt mit der Auffahrt zur Brücke? Auf diesem Abschnitt befahren Radfahrer das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik. Zuständig dafür ist demnach das Staatliche Bauamt Bamberg, sagt Ruppert. Ein Anruf dort bewirkt Wunder. Der Weg ist kurz danach geräumt und gestreut. Freie Fahrt für Fahrradfahrer? "In Zukunft räumen sie das Teilstück mit", sagt Ruppert.

Sorg- und schneeloses Winter-Radeln garantiert das aber nicht. Hausen beispielsweise könne nicht garantieren, dass jeder Meter Radweg gestreut sei. Mit den vorhandenen Gerätschaften sei das nicht möglich, so Ruppert. Doch im Ort selbst und auf den Verbindungswegen zwischen Hausen und Heroldsbach setzt die Gemeinde auf freie Radwege. Zumal hier noch ein Dritter seine Finger mit im Spiel hat: das Wasser- und Schifffahrtsamt. Zu dem gehört der Weg entlang des Kanals, der auf Hausener Gemeindegebiet verläuft. Und dieser Weg sei bisher nie gestreut oder geräumt worden.

Lösung für Engstellen gesucht

Fahrradfahrern empfiehlt er die Umleitung über Hausen zu nehmen. Über die geräumte Kaimstraße und Industriestraße und schließlich wieder zurück auf den Weg in Richtung Baiersdorf. In Zukunft soll dieser Zustand ohnehin der Vergangenheit angehören. Geplant ist ein "schneller Radweg" entlang des Kanals zwischen Bamberg und Nürnberg. "Dieser muss durchgängig befahrbar sein", fordert Ruppert. Also ohne winterbedingte Unterbrechung.

Bilderstrecke zum Thema

Hunde, Feuerwehr, Babys, Straftaten: Forchheim in Zahlen

Wie hoch ist das Durchschnittseinkommen in Forchheim? Was zieht die meisten Besucher an? Wie viele Fehlalarme gibt es im Jahr? Und wie viele Neugeborene erblicken das Licht der Welt in Forchheim? Wir haben Daten zum Stadtleben gesammelt und graphisch aufbereitet.


Für das Projekt zuständig am Landratsamt ist Klimaschutzmanager Dominik Bigge. "Es ist klar, dass der Radweg kommt. Die Frage ist nur, in welcher technischen Ausbaustufe. Wir möchten einen schnellen Radweg, der Kreuzungen zulässt." Für Fußgänger oder landwirtschaftlichen Verkehr. Wie genau der Radweg aussehen soll, ist offen. Es gilt beispielsweise eine Lösung für die Engstellen über den Kanal bei Neuses, beim Yachthafen in Forchheim oder der Schleuse in Hausen zu finden. Der Weg werde Thema im Mobilitätskonzept des Landkreises sein. 2022 soll es fertig sein und nachhaltige und klimaschonende Mobilität umsetzen. Ein Ziel ist es, den Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln einfach und schnell zu gestalten.

PATRICK SCHROLL

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim