Wagner will mehr Konkurrenz

13.5.2004, 00:00 Uhr
Engagiert an der Seitenlinie: Gunter Wagner gibt auch in der nächsten Saison dem VfB-Team die taktischen Anweisungen.

Engagiert an der Seitenlinie: Gunter Wagner gibt auch in der nächsten Saison dem VfB-Team die taktischen Anweisungen. © Erich Malter

Herr Wagner, vor sieben Monaten sind Sie vom Spielfeld auf die Trainerbank gewechselt. Was überwiegt, Frust oder Lust?

Gunter Wagner: Es war doch alles in allem beschwerlicher als ich mir gedacht hatte. Privatleben gibt es praktisch nicht mehr. Mindestens drei Mal pro Woche Training, dazu Spielvorbereitung, Videoanalyse, . . . und dann auch noch die nervliche Belastung.

Ich bin davon ausgegangen, dass taktische Anweisungen schneller umgesetzt werden würden, dass die physische Verfassung besser ist und die handballerischen Grundfertigkeiten besser ausgebildet sind. Uns fehlte auch eine Führungsfigur auf dem Spielfeld, die ein Vorbild für die Mannschaft hätte sein können, vor allem für die jüngeren Spieler,

Das sind ja ziemlich vernichtende Worte über ihre Mannschaft. Warum werfen Sie nicht gleich das Handtuch hin?

Gunter Wagner: Es gab auch positive Überraschungen. Zum Beispiel die Trainingsbeteiligung. Außerdem ist die Motivation meinerseits vorhanden. Ich habe Lust, eine eigene Mannschaft zu formen und mit diesen Spielern etwas zu erreichen.

Das wird, so wie Sie das Team beurteilen, mit dem alten Kader nicht klappen. Was tut sich in Sachen Personalentscheidung?

Gunter Wagner: Drei neue Spieler haben bereits ihren Vertrag unterschrieben: Imre Szabo, 23 Jahre alt, ungarischer Jugendnationaltorhüter. Dann der 26-jährige Christian Graubner, Rechtsaußen, der schon in der Zweiten Bundesliga in Suhl gespielt hat und letzte Saison in Sonneberg aktiv war. Und Volker Schwab-Zettel aus Erlangen für die Position Rückraum-Mitte. Er soll mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld sein.

Hat Volker Schwab-Zettel nicht jüngst noch versichert, trotz Abstieg dem HC Erlangen treu bleiben zu wollen?

Gunter Wagner: Das ist mir ganz egal. Er hat bei uns unterschrieben, Punkt.

Der HCE wird in der kommenden Saison auch auf den VfB treffen. Da werden die Emotionen hoch kochen. Ihre auch?

Gunter Wagner: Ich habe keine Verbindung mehr zum HC Erlangen. Über die aktuelle Entwicklung des HCE möchte ich mich nicht äußern, da fehlen mir auch die genaueren Kenntnisse. Allerdings: Ein Derby ist natürlich etwas Besonderes, die Atmosphäre ist aufgeheizt, die Zuschauerzahl ist auch höher. Das ist durchaus positiv. Wir werden versuchen, sportlich klare Zeichen zu setzen.

Klare Zeichen erfordern eine klare Struktur, was wird sich nächste Saison noch ändern?

Gunter Wagner: Durch die neuen Spieler — einen vierten neuen Mann für den Rückraum haben wir noch eingeplant — ist das Team verjüngt. Carsten Henrici und George Abu-Bonsrah werden die Mannschaft verlassen. Ein, zwei andere Spieler vielleicht auch. Insgesamt wird der Kader dann 16 Mann umfassen. Gesetzte Spieler wird es nicht mehr geben, ich will mehr Konkurrenz, mehr Biss und Einsatz. Auf jeden Fall wird die Vorbereitung um einiges härter und intensiver als in den vergangenen Jahren. Am 8. Juni geht es los. Die heiße Phase beginnt ab 1. August: sechseinhalb Wochen täglich Training. Die Physis wie auch das taktische Konzept muss verbessert und dem modernen, schnellen Handball angepasst werden.

Die handballerischen Grundfertigkeiten, die Sie bemängelt haben, lassen die sich in ein paar Wochen antrainieren?

Gunter Wagner: Wenn man einige sehr gute Spieler hat, kann man solche Defizite bei anderen kompensieren. Das Problem muss tiefer angepackt werden, in der Nachwuchsarbeit. Statt Konditionsbolzen muss mehr auf technisch-taktische Schulung Wert gelegt werden. Moderner Handball lebt auch von Überraschungen, von Kreativität.

Ihr Ziel für die kommende Saison?

Gunter Wagner: Ein einstelliger Tabellenplatz im vorderen Drittel, sprich Rang eins bis sechs.

Interview: BEKE MAISCH