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Waldkindergarten: Freiheit zwischen Wald und Wiese

Frische Luft und viel Raum machen es den Waldkindergärten zu Corona-Zeiten einfacher. - 04.06.2020 12:00 Uhr

In Waldkitas sind Kinder in der Natur. Die Einrichtungen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei den Eltern im Landkreis Forchheim. Während der Corona-Pandemie braucht es aber auch für Draußen ein Hygienekonzept. © Foto: Nina Eichenmüller


"Man merkt extrem, wie sehr den Kindern der Wald gefehlt hat. Alle sind total entspannt und genießen es wieder miteinander spielen zu können", so Sandra Brendel-Balewski, Leitung des Gräfenberger Waldkindergartens. Während die regulären Kindergärten weiterhin nur eine Notbetreuung anbieten dürfen, ist der Waldkindergarten für alle Kinder wieder geöffnet.

Acht Kinder und drei Betreuer sind momentan wieder in dem Waldstück in Gräfenberg. "Wir haben es den Eltern selbst überlassen, ob sie ihre Kinder bringen wollen. Die meisten waren sehr froh, dass es endlich wieder losgeht", sagt Sandra Brendel-Balewski. Christiane Barth‘s beiden Söhne Samuel und Henri sind wieder zurück im Wald: "Die beiden waren Feuer und Flamme, dass sie wieder in den Waldkindergarten dürfen. Ich schicke sie auch mit sehr gutem Gefühl wieder hin, weil die Bedingungen dort einfach sehr gut sind. Sie sind den ganzen Tag draußen, haben genug Platz, um Abstand zu halten und sind in einer kleinen Gruppe. Bisher klappt es wirklich erstaunlich gut und die Kinder wissen, wie sie sich verhalten müssen."

"Exit-Corona-Konzept" entwickelt

 

Die Vorteile, die der Wald in der aktuellen Corona-Krise bietet, liegen auf der Hand: Frische Luft, ausreichend Platz und keine virenbelasteten Türklinken. "Jetzt zeigt sich welche offensichtlichen Vorteile wir hier im Waldkindergarten, neben den pädagogischen Vorteilen, haben. Das rückt den Waldkindergarten nochmal in ein viel positiveres Licht und damit wollen wir verantwortungsvoll umgehen", sagt Sandra Brendel-Balewski.

Gemeinsam mit den Waldkindergärten in Stadt und Landkreis Forchheim haben sie ein "Exit-Corona-Konzept" entwickelt, das die Hygienemaßnahmen erweitert und Schutz vor Infektion bieten soll: Die Hol- und Bringzeiten wurden verändert und die Eltern dürfen aktuell nicht mit in den Wald kommen. Der Morgenkreis wird mit genügend Abstand auf dem Bolzplatz vor dem Kindergarten gehalten und im Wald müssen alle erstmal Hände waschen. Generell sollen die Kinder mehrmals am Tag die Hände waschen und dürfen ihr Essen bei der Brotzeit nicht mehr miteinander teilen.

Der anliegende Bauwagen dient aktuell nur noch als Materiallager und auf der kompostierbaren Toilette, die nach jedem Klogang desinfiziert wird, darf nur noch das große Geschäft verrichtet werden – für das kleine Geschäft gibt es den Pipiwald. Das Hygiene-Konzept erweitert jeder Waldkindergarten individuell auf seine Bedürfnisse.

Bei den Forchheimer "Waldstrolchen" gibt es für die Eltern beispielsweise ein "Einbahnstraßen-System". Am Eingang dürfen maximal zwei Eltern mit Kind den Wald betreten, die dann nach hinten wieder raus müssen. Obwohl in Forchheim bereits 23 Kinder wieder im Wald sind ist die Kinderpflegerin Laura Grimm optimistisch: "Wir haben hier keine vier Wände oder Türklinken an denen sich Viren sammeln können, wir sind dauernd an der frischen Luft und hatten auch in der Vergangenheit beispielsweise keine Magen-Darm-Grippe-Wellen, da sich die Kinder auf viel größerem Raum ausbreiten können."

Daran schließt sich auch der Heilerziehungspfleger Tom Weß an, der im Streitberger Waldkindergarten arbeitet: "Wir sind nicht raumgebunden, wodurch sich die Kinder viel freier bewegen können. Bei uns klappt es mit 23 Kindern super, auch wenn es den Kleinsten natürlich etwas schwerer fällt während des Spiels Abstand zu halten." Bei einer größeren Gruppe wie in Forchheim und Streitberg geht einige Zeit für das Händewaschen drauf, erzählt Tom Weß: "Bis sich 23 Kinder mehrmals täglich die Hände gewaschen haben, sind schon mal eineinhalb Stunden weg, die den Kindern beim Freispiel fehlen."

In Gräfenberg haben sich die Erzieherinnen gegen das Tragen von Masken entschieden: "Für Kinder ist die Mimik und Gestik von uns Erzieherinnen sehr wichtig, deswegen haben wir uns gegen die Masken entschieden. Wir halten Abstand von den Kindern, auch wenn das nicht immer geht", so die Leitung aus Gräfenberg. Verletzt sich ein Kind oder gibt es Streit müssen die Erzieherinnen dazwischen gehen, der Selbstschutz bleibt in solchen Situationen aus. "Es läuft hier trotz aller Maßnahmen sehr entspannt ab, da sowohl Eltern als auch Kinder super mitmachen. Die meisten Kinder haben schon während der Quarantäne zuhause gelernt worauf es ankommt und halten sich an die Regeln. Wir rennen ihnen hier beim Spielen deswegen auch nicht hinterher, dass sie Abstand halten müssen. Wir wollen den Kindern hier einen freien Raum zum Spielen geben und sie nicht dauernd mit dem Thema Corona konfrontieren", erklärt Brendel-Balewski.

Neben dem Klo-Häuschen stehen zwei Wasserkanister, große Waschschüsseln und Seife bereit, die die Erzieherinnen aufgerüstet haben, um die Hygienevorschriften einhalten zu können. "Wir sind einfach froh, dass wir endlich wieder in den Wald dürfen und arbeiten können, da nehmen wir die Maßnahmen gerne in Kauf", so Brendel-Balewski.

Sowohl die Kinder, als auch die Eltern und Erzieher sind sehr froh darüber nach so langer Zeit wieder gemeinsam in den Wald zu können. Die Corona-Schutz-Maßnahmen begleiten sie zwar über den Tag hinweg, doch einschränken lässt sich die Fantasie der Kinder und die Freude am Spielen dadurch nicht.

NINA EICHENMÜLLER

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