Serie "Mitten unter uns"

Was Touristen an Gößweinstein lieben: Spektakulärer Skywalk geplant

Lea-Verena Meingast
Lea-Verena Meingast

Redakteurin Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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23.11.2021, 16:12 Uhr
Geplant ist ein 50 Meter langer Skywalk (links) auf der Burg.

Geplant ist ein 50 Meter langer Skywalk (links) auf der Burg. © Foto: Thomas Pleiner

Das idyllisch gelegene Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz zieht als Wallfahrts-, Luftkur- und Genussort Ausflügler, Wanderer und Touristen an. Die Tourismus-Chefin sieht noch weiteres Potenzial. Geplant ist unter anderem ein 50 Meter langer spektakulärer Skywalk auf der Burg Gößweinstein. Wo könnte die Reise für Gößweinstein noch hingehen? Das wollten wir im Rahmen unserer Serie "Mitten unter uns" herausfinden.

Die Burg Gößweinstein, etwa 1000 n. Chr. von Graf Gozwin vom Grabfeldgau erbaut, thront 100 Meter oberhalb des Ortes - auf einem steil abfallenden Jurafelsen. Die Gipfelburg hat einen Staffelgiebel, also Dachgiebel in Stufen-/Treppenform, ist umgeben von einer Ringmauer und einem 17 Meter hohen Turm. Das Tor zur Kernburg liegt versteckt: abgewandt von der Angriffsseite in einer Ecke der äußeren Ringmauer. Durch diese Lage war es nicht einsehbar - und geschützt.

Vorbild für Wagners Parsifal

In das sieben Meter tiefe und fünf Meter breite Burgverlies wurden Gefangene nur durch einen schmalen Durchlass an der Decke hinuntergelassen.

Der Legende nach diente die Burg Richard Wagner als Vorbild für die Gralsburg in seiner Oper Parsifal. Kein Wunder, denn die über dem Tal thronende Burg hat besonderen mittelalterlichen Charme, dass Besucher sich direkt vorstellen können, wie damals Adler um die Burg kreisten, Schätze in dunklen Gewölben gehütet wurden und starke Ritter sie gegen ruchlose Räuber verteidigten. Kemenate, Burgkapelle und Burgverlies können besichtigt werden.

Einst Gefangene beherbergt und Getreidelager gewesen

1076 wird die Burg das erste Mal urkundlich erwähnt, als Bischof Burkhard von Halberstadt Gefangener auf der Burg war. 1102 ging die Burg an das Hochstift Bamberg. 1430 ereignet sich die erste Zerstörung im Hussitenkrieg, 1525 wird sie niedergebrannt nach einem Aufstand im Bauernkrieg. 1532 erfolgt die Wiederherstellung durch die Gößweinsteiner.

1694 bis 1697 wird ein schlanker Schneckenturm errichtet. Ab 1731 dient die Burg als Jägerwohnung und Getreidelager. 1875 findet der Verkauf vom Königreich Bamberg an Edgar Freiherr von Sohlern statt. 1890 erfolgt die Restaurierung im Sinn der Burgenromantik im heutigen neogotischen Stil.

1973 findet eine gundlegende Sanierung statt. 2013 verstirbt Burgherr Michael Freiherr von Sohlern. Sein letzter Wunsch wird erfüllt: Die Burg geht an die bürgerliche Familie Layritz aus Gößweinstein, die sich für ihren Erhalt einsetzt.

Mit 50 Meter langem Skywalk soll Burg Gößweinstein eine Touristen-Attraktion werden

Der Förderverein wurde 2015 gegründet. Er hat das Ziel, die Burg ganzheitlich zu öffnen und setzt sich für die Instandhaltung ein, die bei der über 1000 Jahre alten Höhenburg mit einigem Sanierungsaufwand und Kosten verbunden ist. In den letzten Jahren wurden die Eingangsmauer mit Treppenanlage und die Dächer saniert, Absturzsicherungen angebracht, der Außenbereich mit unterem Biergarten neu angelegt und ein Kiosk errichtet.

Mitten unter uns: Diesmal haben wir im Rahmen unserer Serie Gößweinstein besucht, berühmt für seine Burg (links) und Basilika (rechts). Nach der Winterpause geht es mit unserer Serie am 2. Februar weiter.

Mitten unter uns: Diesmal haben wir im Rahmen unserer Serie Gößweinstein besucht, berühmt für seine Burg (links) und Basilika (rechts). Nach der Winterpause geht es mit unserer Serie am 2. Februar weiter. © Giulia Iannicelli, NN

Die Burg soll zu einer wahren Touristenattraktion werden: Geplant ist ein 50 Meter langer Skywalk auf einem Glasfeld über dem steil abfallenden Untergrund mit spektakulärem Blick über das Wiesenttal. "Ich begrüße das sehr, weil es eine Attraktivitätssteigerung für den ganzen Ort ist. Davon werden alle Geschäfte und Gastronomiebetriebe profitieren", sagte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann bei der Vorstellung der Pläne im Dezember 2020.

290 Kilometer Wanderwege im Markt Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz

Gößweinstein ist Wallfahrts- und Luftkurort und einer von 100 Genussorten in Bayern, ausgezeichnet vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau.

Das Haus des Gastes in Gößweinstein.

Das Haus des Gastes in Gößweinstein. © Giulia Iannicelli, NN

Häufig ist der Ort Startpunkt für Ausflüge in die Natur. "Der Markt Gößweinstein bietet 290 Kilometer markierte Wanderwege", schwärmt Monika Merz, die das Haus des Gastes seit einem Jahr leitet.

"Manche Gäste überrascht, dass es hier hügelig oder bergig ist"

Aus Nah und Fern reisen die Gäste an. "Manche von weiter weg sind oft überrascht, dass es hier so hügelig oder bergig ist. Damit rechnen sie irgendwie nicht", sagt die Tourismuschefin. Viele Besucher kommen aus den alten Bundesländern und zuletzt verstärkt aus dem südlichen Bayern. "Das ist ja auch eine sehr schöne, touristische Gegend. Vielleicht kommt das durch Corona, dass sich viele in ihrem eigenen Bundesland nach schönen Zielen umgesehen haben."

Monika Merz leitet das Haus des Gastes in Gößweinstein.

Monika Merz leitet das Haus des Gastes in Gößweinstein. © Foto: Giulia Iannicelli

Was Touristen nach Gößweinstein zieht: die Burg, die Basilika, das Höhenschwimmbad und die traumhafte Lage in der Fränkischen Schweiz. Neben Wanderern lieben auch Kletterer die Region. Der Ort hält einen Rekord: "Wir haben die höchste Dichte an Gasthöfen in der Fränkischen Schweiz." Kein Wunder also, dass 40 Prozent aller Besucher wiederkommen, wie eine Auswertung vor zwei Jahren zeigte.

"Unsere Aussichtspunkte rund um Gößweinstein sind eine Besonderheit." Bei Familien besonders beliebt ist der Walli-Maus-Weg mit 15 Stationen. "Da können Kinder in Eigenregie die Welt entdecken", erklärt sie. Gerade während Corona "war der Weg der Renner", weil man die Stationen kontaktlos absolvieren kann.

6000 Pakete im Jahr für beliebten Familien-Wanderweg gepackt

Das Haus des Gastes gibt die Starterpakete dafür aus: 5000 bis 6000 Stück im Jahr - und die werden ehrenamtlich gepackt, oft von älteren Gößweinsteinerinnen. "Falls jemand Lust hat, Stoffe zu schneiden und Tüten zu packen: wir freuen uns immer über Unterstützer", sagt Monika Merz.

Touristische Geheimtipps? "Der Eibenwald unterhalb der Burg, das Felsentor und die Karsthöhlenruine Esperhöhle." Nachholbedarf sieht Monika Merz bei Radwegen in der Fränkischen Schweiz. "E-Bikes sind ein großes Thema und weiter im Trend. Die Fränkische ist bei Radwegen aber nicht so prickelnd aufgestellt. In vielen Orten geht es eng zu und die Straßenführung ist auch schwierig."

Luft nach oben: Radwege und Digitalisierung

Seit 2019 ist der gesamte Markt Gößweinstein Luftkurort. "Inzwischen wird es stärker vermarktet, da erhoffen wir uns noch einen Effekt", erklärt Merz. Und sie hat einen Wunsch: "Dass die Gäste und Urlauber ruhig länger bleiben. Tagesgäste haben wir mehr als genug, aber mehr längere Urlauber wären toll."

In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung das Haus des Gastes beschäftigen: "Wir wollen mit dem Trend der Zeit gehen, QRCodes in den Katalog integrieren und die Abwicklung digitaler gestalten."

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