Mittwoch, 03.03.2021

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Was wichtig für die Lehre ist: Azubis im Kreis Forchheim starten

Im Gespräch mit Azubis, Gesellen und Meistern über die Ausbildung in Corona-Zeiten - 04.09.2020 17:02 Uhr

Vier Auszubildende starten bei Malermeister Erwin Held in ihr erstes Lehrjahr, trotz der Pandemie gab es ausreichend Bewerbungen. „Die Freude am Malern steht im Vordergrund“, sagt zum Beispiel Lukas Meth.

04.09.2020 © Foto: Berny Meyer


Der Malerbetrieb Held im Stadtsüden ist einer der vielen handwerklichen Betriebe, die selbst ausbilden. Seit 1994 steht Erwin Held dem Familienunternehmen vor und hält große Stücke auf seine Azubis.

Trotz Corona und erschwerten Bedingungen habe er – anders als in früheren Jahren – erfreulichen Zulauf verspürt und sogar den ein oder anderen Bewerber abweisen müssen.

"Seitdem wir vor zwei Jahren an unseren neuen Standort gezogen sind, ist die Nachfrage nach unseren Ausbildungsplätzen merklich gestiegen", resümiert Held. Vier Azubis starten ihre Lehre in diesem Jahr.

Schulpraktika als guter Einstieg

Drei von ihnen kamen über ein Schulpraktikum auf die Idee, sich im Betrieb vorstellig zu machen. "Die Firma Held hat unsere Aula gestrichen, dabei ist der Kontakt entstanden", berichtet Lukas Meth, Lehrling aus Forchheim. Anschließend sei der Weg zur Bewerbung nicht mehr weit gewesen und nun starte er mit Zuversicht in seine Berufslaufbahn. "Die Freude am Malern steht für mich im Vordergrund", so der 15-Jährige.

Michael Burghardt (37) ist ein Sonderfall unter den Auszubildenden. Burghardt hat bereits einige Erfahrung bei verschiedenen Malerbetrieben im Umland sammeln können, weist jedoch noch keinen Berufsabschluss vor. Diesen möchte er nun nachholen und stützt sich dabei auf das Vertrauen seines Meisters. "Gute Übernahmechancen, langfristige Entwicklungsmöglichkeiten nach Ausbildungsende und ein faires Gehalt" erhofft er sich. Außerdem will er seinen zwei Kindern ein gutes Vorbild sein und beweisen, dass man auch mit etwas Verspätung noch seine Gesellenprüfung ablegen kann. 

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Zum Stichtag 28. August hat die Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken 1655 Ausbildungsverträge registriert. Das ist im Vergleich zum August des Vorjahres ein Minus von 12,76 Prozent. Im Juni 2020 lag man noch 17 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.

"Wir sind froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist" 

"Wir sind aber schon froh darüber, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist", so HWK-Geschäftsführer Bernd Sauer, "denn Corona hat auch in den Handwerksbetrieben einiges durcheinander gebracht". Durch den Wegfall von Ausbildungsmessen, direkten Kontakten in den Schulen und persönlichen Gesprächen mit den HWK-Ausbildungsberatern habe sich die Zuordnung von Betrieben und Auszubildenden enorm erschwert und zeitlich nach hinten verschoben. "Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir bis zum Ende des Jahres noch etwas aufholen können", so Sauer weiter. "Die Botschaft für Jugendliche und ihre Eltern lautet: Das Handwerk bildet weiter aus."

Auch in den Behörden von Stadt und Landkreis beginnt zum 1. September das neue Lehrjahr. Paula Obenauf, Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten im dritten Lehrjahr bei der Stadtverwaltung Forchheim absolvierte ebenfalls ein Schulpraktikum im Ordnungsamt. Die 18-Jährige begeisterte sich dabei für die Aufgaben der Verwaltung: "Der direkte Kontakt mit den Bürgern und die Vielfalt der Tätigkeiten in den verschiedenen Fachbereichen wie Ordnungsamt, Kämmerei oder Gartenamt gefallen mir besonders", so Obenauf.

Jetzt rotiert sie

Nach Ablegen des sogenannten Beamtentests beim Landespersonalausschuss Bayern startete sie 2018 mit ihrer Ausbildung. Dieser Test überprüft die Eignung der Anwärter auf eine Beamtenlaufbahn und ist für alle Bewerber im Freistaat Bayern verpflichtend.

„Immer freundlich bleiben“, sagt Azubi Paula Obenauf.

04.09.2020 © Foto: privat


Nun rotiert Obenauf zwischen der Berufsschule in Bamberg, der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) und dem Dienst vor Ort. Mit den Dozenten an der BVS, die oftmals selbst in Kommunen tätig sind, einem persönlichen Ansprechpartner bei der Stadt und hilfsbereiten Vorgesetzten fühlt sie sich bestens betreut.

Ihre Zwischenprüfung ist wegen Corona von Mitte März auf August verschoben worden, trotzdem ist sie ob ihrer Resultate positiv gestimmt: "Immer freundlich und souverän bleiben, auch wenn es mal stressig wird", ist ihr Rat an angehende Auszubildende im öffentlichen Dienst.

Was das Wichtigste während der Lehre ist

Ein ähnliches Zwischenfazit zieht Johannes Distler. Der gebürtige Moggaster ist ebenfalls in der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, allerdings im Landratsamt Forchheim. Auch hier sei der Facettenreichtum zwischen Öffentlicher Sicherheit, Jagdrecht, Schulangelegenheiten oder dem ÖPNV spannend: "Eigeninitiative zeigen und immer gesprächsbereit sein, das ist das Wichtigste während der Lehre", so der 18-Jährige. "Ich konnte viel aus meiner Schulzeit für die Berufsschule mitnehmen, vor allem im Rechnungswesen und der Betriebswirtschaftslehre", ergänzt er. Da die Verwaltungsschulen in ganz Bayern verteilt sind, unterstützt der Freistaat seine Auszubildenden mit der Bereitstellung von Unterkunft und Verpflegung während des Blockunterrichtes.

„Die Anforderungen an den Beruf haben sich stark verändert“: Kfz-Meister Markus Schuster liest gemeinsam mit seinen neuen Lehrlingen eine Fehlermeldung am Fahrzeug aus.

04.09.2020 © Foto: Berny Meyer


Im Autohaus Thurn in der Bamberger Straße traten 2020 drei Azubis ihre Lehre zum Kfz-Mechatroniker an. "Der Beruf hat sich sehr verändert", blickt Meister Markus Schuster auf seine eigene Ausbildungszeit zurück. Während früher noch der Schweißerkurs und andere mechanische Fertigkeiten im Zentrum standen, sei die Rolle des Kfz-Mechatronikers heutzutage zunehmend elektronisch und digital angelegt. Nach wie vor gelte aber: "Wer in der Berufsschule dranbleibt und in der Werkstatt auch einmal über die eigenen Aufgaben hinaus Initiative ergreift, kann sehr weit kommen", so der Erlanger.

Normalerweise absolvieren viele angehende Lehrlinge vorher ein Praktikum im Betrieb, dies sei allerdings durch die Verwerfungen rund um Covid-19 dieses Jahr nicht möglich gewesen. Trotzdem bleibt der Kfz-Mechatroniker laut der Handwerkskammer Oberfranken der beliebteste Ausbildungsberuf für Männer im Jahrgang 2020. Bei den Frauen nimmt die Friseurin den Spitzenplatz ein, gefolgt von der Kauffrau für Büromanagement.

Der Ausbildungsmarkt: Aktuell 477 offene Lehrstellen

Auch wenn der 1. September als offizieller Start für das Ausbildungsjahr gilt, haben Jugendliche auch darüber hinaus noch die Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Ein Ausbildungsverhältnis kann im Prinzip an jedem Tag des Jahres begonnen werden. Auch wenn man zum Beispiel erst im November seine Lehrstelle gefunden hat, bedeutet dies nicht gleichzeitig, dass man deswegen ein ganzes Jahr verliert.

Wer noch unschlüssig ist, welchen Beruf er ergreifen möchte, sollte einen Blick in die Lehrstellenbörse auf der Website der HWK für Oberfranken werfen unter der Adresse www.hwk-oberfranken.de/lehrstellenbörse.

Sie gibt einen schnellen Überblick, wo in Oberfranken noch Ausbildungsstellen unbesetzt sind und welche Berufe dabei zur Auswahl stehen. Hier sind aktuell 477 offene Lehrstellen enthalten.

LUKAS KOSCHYK lko

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