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Wechselvolle Geschichte: Schloss Wiesenthau hat heute viele Gesichter

3.6.2021, 08:58 Uhr
Schloss Wiesenthau, idyllisch unterhalb des Walberla gelegen - kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Schloss Wiesenthau, idyllisch unterhalb des Walberla gelegen - kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. © Berny Meyer

"Genau jetzt zu Beginn des Sommers ist Schloss Wiesenthau unterhalb des Walberla am schönsten: wenn alles blüht, wenn Wein und Efeu an der Fassade wachsen", sagt Daniel Weber. Und sein Vater Helmar: "Wenn die Leute im Biergarten sitzen, eine gute Zeit haben und abends noch die Sonne herscheint, dann ist das hier herrlich, wie in der fränkischen Toskana."

Schloss Wiesenthau ist ein Hotel mit zehn Zimmern, Restaurant, Biergarten und Eventlocation – und hat sich im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt. Seit 2015 ist es im Besitz, der Familie, die ursprünglich aus Hersbruck stammt.

Helmar Weber

Helmar Weber © Foto: Berny Meyer

Der 66-jährige Helmar Weber, Meisterkoch, hat hier seit 1997 gearbeitet. "Die früheste Erinnerung sind meine Kindergeburtstage mit Ritter-Thematik auf dem Schloss, das war eine tolle Sache", sagt der 35-jährige Hotelkaufmann Daniel Weber.

Kultur-Veranstaltungen und Event-Säle im Schloss

Die Corona-Pandemie stellt einen Umbruch dar, aber auch zuvor gab es immer wieder Veränderung im Schloss und auf dem Gelände. Ab etwa 2009 sollten mit verschiedenen Kultur-Veranstaltung mehr Menschen aus der Umgebung das Schloss für sich entdecken. "Das hatte leider nicht so viel Erfolg, wie wir uns gewünscht hätten. Wir hoffen aber, dass das in Zukunft wieder leichter ist, Menschen für die Kulturveranstaltungen zu begeistern", sagt er.

Helmar und Daniel Weber.

Helmar und Daniel Weber. © Berny Meyer

"Die Räumlichkeiten haben wir so umstrukturiert, dass die Aufteilung ideal ist." Neben dem Barock-, Renaissance-, Kristall- und Raubrittersaal gibt es noch den Gourmetsaal und das Fürstenstüberl, um kleinere und größere Feiern und Events auszurichten, privat oder auch für Firmen. Der gastronomische Betrieb hat gewechselt. Im Sommer 2020 hat das Restaurant "I Ragazzi" im Schloss neu eröffnet. "Wir haben auch den Biergarten vergrößert und erneuert", berichtet Daniel Weber.

Kunsthandwerk- und Weihnachtsmarkt - und viele Hochzeiten

Im Innenhof des Schlosses findet traditionell im November der Kunsthandwerk- und Weihnachtsmarkt statt. "Da ist die Beteiligung immer groß. Wir haben viele Künstler und Bastler im Ort", sagt der 35-Jährige. Beim Markt kämen alle zusammen: "Vor dem Eingang bilden sich Schlangen, alle schauen sich gern um und unterhalten sich."

Daniel Weber

Daniel Weber © Foto: Berny Meyer

Mit dem Sommer steigt die Hoffnung, dass vieles trotz Corona wieder möglich sein wird: "Sonst hatten wir fast jede Woche freie Trauungen im Garten." Auch das Standesamt befindet sich hier. "Die Gemeinde und der Bürgermeister sind da sehr engagiert, da sind wir froh."

Mehr für den Tourismus tun

Das Schloss sei mit seinem Ambiente sehr beliebt für Hochzeiten. "Einmal hatten wir eine ganz beeindruckende, etwa 2008. Das Paar war unglaublich herzlich und hat damals hier einen Baum gepflanzt. Der hat inzwischen fast Schlosshöhe erreicht."

In puncto Tourismus, zum Beispiel bei den Rad- und Wanderwegen, könnte der Ort noch mehr tun, findet der 35-Jährige. "Der Weiher mit dem Steg unterhalb des Schlosses ist ein toller Fotopunkt, den könnte man noch mehr hervorheben."

Die Geschichte von Schloss Wiesenthau: Von der Burg zum Barock-Schloss

1062 wurde die Gemeinde Wiesenthau erstmals urkundlich erwähnt. Das Geschlecht von und zu Wiesenthau hatte ab 1128 die Ortsherrschaft inne. 1379 wurde ein Teil der Stammburg Wiesenthau an das Hochstift Bamberg verkauft.

Etwa 1440 wurde die Burg bei einem Brand völlig zerstört, danach aber wieder aufgebaut. 1525 folgte im Bauernkrieg erneut völlige Zerstörung. Ab 1566 brach ein neues Zeitalter an: Es erfolgte ein schlossähnlicher Wiederaufbau.

Im Jahr 1814 starb die Familie von Wiesenthau schließlich aus. Das Hochstift Bamberg wurde Alleineigentümer des Schlosses. Nach wechselnden privaten Eigentümern wurde es von 1985 bis 1992 restauriert, bevor Helmar Weber und sein Sohn Daniel Weber den gastronomischen Betrieb übernahmen. Heute werden Schloss und Anlage als Hotel, Restaurant und Eventlocation genutzt.

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