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Wegen Corona in Kambodscha gestrandet: Happy End für zwei Franken

Kathrin Hofmann und Patrick Hübschmann sind wohlbehalten Europa gelandet - 26.03.2020 16:04 Uhr

Geschafft und glücklich: Patrick Hübschmann und Kathrin Hofmann am Flughafen in Brüssel. © Patrick Hübschmann und Kathrin Hofmann


Am Dienstag hatten sie sich verzweifelt an die Vorstandschaft des Faschingsvereins „Die heiligen Stadtschnecken“ in Heiligenstadt gewandt und um Unterstützung gebeten: „Wir sitzen hier fest. Bitte sprecht Politiker, Prominenz und die Medien an. Vielleicht kann uns jemand helfen. Wir sind verzweifelt“, war in der Sprachnachricht zu hören. Kathrin Hofmann ist Tänzerin in der Markgrafengarde, deren Trainerin Lydia Weiß ist.

Diese war erschüttert von der Nachricht: „Man hört wohl von solchen Fällen, aber wenn das dann jemanden betrifft, den man kennt, ist das richtig schlimm.“ Die Vorstandschaft wurde sofort tätig und sprach Freunde und Gönner des Vereins an. „Das ist halt das Schöne an unserem Verein: wir halten zusammen“, schwärmt Lydia Weiß. Unter anderem wandten sie sich an den Bamberger CSU-Landtagsabgeordneten Holger Dremel, der sich mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung setzte. Zuerst sah es allerdings nicht gut aus.

Selfie vom Flughafen in Phnom Penh: Franziska Meier, Patrick Hübschmann und Kathrin Hofmann. © Kathrin Hofmann


Dremel schrieb Kathrin Hofmann an, dass Kambodscha nicht auf der Liste für Rückholmaßnahmen stehe. Er machte ihr und ihrem Freund aber Mut und forderte sie auf, dranzubleiben, er wolle sich auch weiter kümmern. Das taten die Beiden auch. „Wir waren jeden Tag am Schalter von Thai Airways, denn wir hatten ja einen neuen Rückflug für Samstag gebucht. Jetzt wissen wir, dass es den nicht geben wird, denn ab Freitag will Thai Airways den Flugbetrieb einstellen“, erzählt Hofmann.

Sie waren am Mittwoch von der Deutschen Botschaft angeschrieben worden, dass sie doch keinen weiteren Labortest für den Rückflug benötigen. „Ich glaube dass die Vorschriften entschärft wurden, weil aus Deutschland Druck gemacht wurde“, meint Hofmann. Deshalb gingen sie mit einem ärztlichen Attest und einem Versicherungsschein wieder zum Schalter der Fluggesellschaft und baten immer wieder, ob es denn keine Möglichkeit für einen Rückflug gebe. Die Aussage war jedoch, dass die Flugzeuge komplett ausgebucht seien. „Wir haben die Angestellte drei Stunden lang bedrängt. Da bot sie uns endlich einen Flug nach Brüssel“, berichtet Hofmann. Sie und ihr Freund riefen erst beim Auswärtigen Amt an, ob es in Ordnung sei, wenn sie nach Brüssel fliegen würden. „Die meinten, dass sie froh seien über jeden Deutschen, der rüber kommt.“
 

Über WhatsApp tauschten sich die Heiligenstädter mit anderen Gestrandeten in Kambodscha aus - über 120 Mitglieder waren es. © Kathrin Hofmann


Am Flughafen in Phnom Penh verabschiedeten sich die Beiden von den restlichen Gestrandeten: „Wir waren froh, dass wir fliegen durften, waren aber auch traurig, dass andere zurückbleiben mussten. Da hoffe ich, dass die Politiker dranbleiben und auch denen helfen.“ An diesem Tag konnten zehn von den 120 gestrandeten Deutschen aus der Gruppe von Kathrin Hofmann und Patrick Hübschmann einen Rückflug ergattern. Entsetzt waren die Beiden, denn im Flugzeug gab es noch leere Plätze.

In Brüssel gelandet, hatten sie noch Sorge, ob sie in Deutschland einreisen dürften. „Doch das war kein Problem. Wir wurden an der Grenze einfach durchgewunken.“

Jetzt sind sie erst einmal glücklich, dass sie wieder zuhause sind. „Vielen ist gar nicht bewusst wie gut wir es hier in Deutschland trotz der Einschränkungen haben. Und wie gut wir auch versorgt sind“, meint Patrick Hübschmann und will sich noch bei allen bedanken, die geholfen haben. „Ich freue mich auch, dass sie gesund wieder daheim sind und ich ein kleines Rädchen bei der Hilfsaktion sein durfte“, sagt Holger Dremel. Er will sich auch weiter für die restlichen Gestrandeten einsetzen. „Es tut sich schon was, denn alleine von vorgestern auf gestern wurden zehn Länder auf die Rückholliste genommen.“ Der Landtagsabgeordnete begleitet mehrere solcher Aktionen und meint: „Wir sind uns nicht zu schade, dass wir ständig beim Auswärtigen Amt nachfragen.“
 

Carmen Schwind

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