Donnerstag, 21.01.2021

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Wegen Corona ohne Adventsmarkt und Dorfaktivitäten: Stimmen aus Weilersbach

Weihnachtsbaum vor Alt-St. Anna soll "Licht der Hoffnung" sein - 27.11.2020 08:57 Uhr

Auf Budenzauber, Glühweinduft und festliche Musik müssen die Weilersbacher im Coronajahr 2020 verzichten.

26.11.2020 © Foto: Heidi Amon


Nichts ist mehr so wie vorher. Corona stellt das bisherige Leben, wie wir es kannten, auf den Kopf. Man bekommt das Gefühl, in einer völlig unbekannten Situation zu leben mit diesem "Nichts" das auch das Dorfleben in Weilersbach lahmlegt. Eigentlich hätte am ersten Advents-Samstag der "Adventsmarkt mit Herz" am Kirchplatz von St. Anna stattgefunden.

Eigentlich. Zum sechsten Mal hätte der Markt 2020 stattgefunden. Doch wegen der Coronazahlen muss der Adventsmarkt ausfallen. Also keine weihnachtliche Atmosphäre, kein Glühwein- und Bratwurstduft in der Luft, kein Lichterglanz, keine leuchtenden Kinderaugen und kein Bummel durch die kleine Budenstadt. Es wäre wieder so schön gewesen, doch heuer bleibt der Platz leer.

Licht am Ende des Tunnels

Trotzdem wird sich der Platz vor der Kirche in einem weihnachtlichen Glanz zeigen. Auf einen Baum vor Alt-St. Anna wird nicht verzichtet. "Gerade jetzt erst recht – denn jedes Licht, das an Weihnachten brennt, ist ein Licht der Hoffnung", da ist der Bürgermeister sicher. Marco Friepes hatte vor fünf Jahren die Idee für den Adventsmarkt. Doch was bedeutet dieses "Nichts" 2020 für die Bürger von Weilersbach und Reifenberg und vor allem auch für die vielen Marktbeteiligten, die immer mit Begeisterung zum Gelingen des Adventsmarktes dazu geholfen haben?

Die Absage wird von vielen im Ort mit "schade" bedauert. Denn für den Adventsmarkt gibt es ja auch ein "Davor", in dem im Dorf so einiges los ist, was eben jetzt nicht los ist. Wie die zahlreichen Vorbereitungen, die sonst auf den Weg gebracht werden mussten. Den Anfang machte alljährlich der Kulturausschuss der Gemeinde. Sein Vorsitzender, Dritter Bürgermeister Michael Henkel, der erstmals den Markt organisiert hätte, erzählt im Gespräch: Schon im Sommer und im Herbst werde damit begonnen.

Die Stände müssen an die Mitwirkenden aus den verschiedensten Bereichen vergeben werden. Mit den Dorfvereinen wird festgelegt mit welchem Zutun sie zum Gelingen des Marktes beitragen. Zum Beispiel, wer steht am Grill, wer macht den Getränkeausschank. Auch kam heuer die Idee auf, dass der Musikverein adventliche Lieder vor St. Anna spielt oder der Gesangverein Weihnachtsgebäck anbietet. Genehmigungen werden eingeholt für die Flucht- und Rettungswege.

Wenn alles steht, werden in der Woche vor dem Adventsmarkt die Buden von den Bediensteten des Bauhofs aufgebaut, die dann mit Tannenzweigen und Lichterketten von den Beteiligten geschmückt werden. Was leider auch wegfällt, so Henkel, ist der Erlös aus dem Bratwurst- und Getränkeverkauf, der gewöhnlich für einen guten Zweck gespendet wird.

Kinder studieren sonst Lied ein und sind stolz auf Auftritt

Wer das "Nichts" besonders spürt, das sind die Dorfjüngsten im Kindergarten. "Die Kinder sind so stolz und begeistert, wenn sie ihre Sachen eingeübt haben und vorführen dürfen", war von den Kindergarten-Leiterinnen Sabrina Hack und Monika Ulbricht-Amon zu erfahren. Schon Wochen vor dem Markt wird mit den Kindern ihr Bühnenauftritt und ein Eröffnungslied einstudiert. "Wann ist es so weit, bis Weihnachten, bis Weihnachten ist eine lange Zeit" – dieses Lied hätten die Kids am ersten Adventswochenende gezwitschert. Die Vorschulkinder hätten ein Adventsgedicht spielerisch aufgeführt. "Die Kinder waren schon traurig, als man ihnen sagte, dass wegen Corona der Adventsmarkt ausfällt", so Hack und Ulbricht-Amon, von denen es sehr bedauert wird, dass den Kleinen die vorweihnachtlichen Eindrücke genommen werden wie weihnachtliche Musik oder die Öffnung eines Fensters durch das Christkind.

"Es fehlt einfach etwas im Dorf" bestätigten auch Geschäftsführer Wolfgang Badura und Mitarbeiterin Steffi Peinkofer von der Weilersbacher Lebenshilfe, die ein Bestandteil der Gemeinde ist. "Wenn man an voriges Jahr denkt, dann war um diese Zeit bereits eine rege Betriebsamkeit in unserer Einrichtung. Plätzchen wurden in der Großküche gebacken und verpackt, wunderschöne Produkte im Forchheimer Werkstattladen für den Markt ausgesucht wie Vogelhäuschen und Holzspielzeug."

"Immer sehr schöne Nachmittage"

Florian Seiler und Thomas Henkel halfen beim Bus-Beladen, das Werkstattpersonal stellte den Stand auf und bestückte ihn, Flyer mussten ausgelegt werden. Den jährlichen Markt vermisst auch Birgit Amon, die mit ihrem Frauenteam kreativ gestaltete Advents- und Weihnachtsdeko anbot: "Für mich waren die Vorbereitungen mit der kleinen Frauengruppe immer sehr schöne Nachmittage. Zweige und Wurzeln sammeln, stecken und mit Dekorationsmaterial und Lichtergirlanden schmücken, dazu das gemeinsame Plaudern und eine Tasse Kaffee. Es war auch ein Abschalten vom oft stressigen Alltag". Ob durch das "Nichts" auch Einnahmen wegfallen? "Nein" meint die "Birgit". Was ihr allerdings leid tut, ist, dass sie an die Ortsvereine keine Spende weiterleiten könne, vor allem aber die Spende an die Kinderkrebsklinik in Erlangen.

Fragt man Stefanie Seiler vom gleichnamigen Hofladen in Weilersbach fehlt ihr in gewisser Weise schon etwas. Ihr Stand mit selbstgebackenem Brot sowie Wurst- und Räucherwaren war immer gut besucht, was heuer nicht sein kann. Deshalb gibt es heuer auch keine Vorarbeiten, wie Fleisch einsalzen, räuchern und kurz vor Marktbeginn das Bauernbrot in den Ofen schieben: "Die ganze Familie war bei uns auf den Beinen". Doch für den Familienbetrieb bedeutet das "Nichts" außerdem eine finanzielle Einbuße: "Das fehlt freilich", sagt Seiler.

Bürgermeister Friepes und sein Stellvertreter und Kulturausschuss-Vorsitzender Henkel fassten die Atmosphäre in Weilersbach durch das Nichts während Corona so zusammen: Was fehlt sei die Geselligkeit, der Austausch und die Gemütlichkeit. Keine Weihnachtsfeiern im Dorf, die ja auch eine Einnahmequelle für die Vereine sind und die die Einnahmen wieder der Allgemeinheit zugänglich machen, etwa in Form von Anschaffungen oder der Jugendarbeit. "Ja", meinen die beiden, "es herrscht natürlich eine gewisse Ratlosigkeit und Unsicherheit wie überall. Wie lange geht das noch so, was ist danach, wann gibt es überhaupt ein danach"?

Jeder, den man im Dorf trifft, sage "Mein Gott, wie lange geht das noch so?" Er sei sich jedoch sicher, so der Gemeindechef, es gebe ein Licht am Ende des Tunnels: "Es werden wieder bessere Zeiten kommen!"

HEIDI AMON

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