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Weihnachten: So feiern Maria und Josef in der Fränkischen

Zwei Paare aus der Region mit geradezu biblischen Namen - 26.12.2019 08:00 Uhr

Maria und Josef Neukam aus Körbeldorf. Die Weihnachtszeit ist für sie besonders wertvoll. Beide genießen die Adventszeit mit klassischer Musik und Kerzenschein.

23.12.2019 © Rosi Thiem


Ein weicher Klingelton ertönt bei Maria (57) und Josef (57) Neukam an der herrlich geschmückten Weihnachtstür. In der gemütlichen Wohnung im ersten Stock brennen die Kerzen am Adventskranz und der grüne Kachelofen spendet wohlige Wärme.

„Mit 17 Jahren haben wir uns kennengelernt“, erzählt Josef Neukam, „das ist schon lange her. Damals, als wir jung waren, hießen viele Maria und Josef. Da haben wir uns selbst als Paar keine Gedanken gemacht.“ Eher andere Menschen erinnerten die beiden hin und wieder an die Heiligkeit ihrer Namen.

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„Ich bin Krankenschwester und wenn ich mich im Zimmer vorstelle und sage ich, ich bin Schwester Maria. Die Patienten fragen dann schon mal: „Ja und wo ist dein Josef?“ Wenn ich dann sage, der ist zu Hause, dann lachen alle, erzählt schmunzelnd Maria Neukam.
„Bei mir hat ein Arbeitskollege mal am Klingelschild gelacht: Maria und Josef – wo sind da die drei Könige? Ich habe ihm dann gesagt, die haben wir ja, wir haben drei Söhne. Ein bisschen schmunzeln ist immer dabei“, bestätigt auch Josef amüsiert.

Seinen Vornamen hat der Allianzmitarbeiter von seinem Taufpaten, der hieß auch Josef. „Wenn ich die Wahl hätte, ich würde wieder den Namen Josef nehmen“, gesteht Josef. Und Maria fügt erleichtert hinzu: „Ich war froh, dass er Josef gerufen wurde und nicht Sepp.“ Bei Maria entschieden die Eltern, dass die Namen von den Großmüttern zusätzlich zu Maria gereiht wurden. „Als Jugendliche war ich eher burschikos und nicht so glücklich über meinen Namen“, erzählt Maria.

Für die Neukams war es wichtig, die Adventszeit ruhig angehen zu lassen. „Am liebsten mit weihnachtlicher, klassischer Musik, die Kerzen brennen lassen und der Besinnlichkeit einen Raum geben“, schwärmt Josef. Er kritisiert, dass es jeder an Weihnachten schön haben will, doch bei den Vorbereitungen und dem Kommerz mit Glitter, Bling Bling und Stress die Zeit nicht genutzt wird und der eine oder andere dann stöhnt. „Die stade Zeit geht oft in der Vorweihnachtszeit verloren, das Kling-Glöckchen-klingeling lässt sich schön verkaufen und der Ursprung wird vergessen“, bedauern beide einstimmig.

Bald wird es ruhiger

Josef muss an das Zitat von Karl Valentin denken: „Wenn die stade Zeit vorbei ist, wird es auch wieder ruhiger.“ Maria erinnert sich, während die wohlige Wärme durch den behaglichen Raum zieht, an ihre Kindheit: „Wir hatten in Trockau zu Hause eine große Krippe. In der Adventszeit durften wir Geschwister uns jeden Tag eine gute Tat überlegen.

Nach getaner Arbeit gab es für jede Tat einen Strohhalm, den wir in die Krippe legen durften. Natürlich waren wir Kinder bemüht, bis zum Heiligabend die Krippe voll mit Stroh zu füllen, denn das Christkind sollte ja weich liegen“, erinnert sich die 57-Jährige gern zurück.
„An Weihnachten freuen wir uns auf den Besuch von den Söhnen“, strahlen beide. Die sind schon seit geraumer Zeit selbständig. Und es gibt Raclette am Heiligabend und Rindsroulade an einem Feiertag - das wurde eingeführt und beibehalten.

Nach der Bescherung geht es in die Christmette nach Büchenbach und dann wird noch mit Oma und den Söhnen im Wohnzimmer lange zusammengesessen – keiner möchte ins Bett.

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„Heiligabend ist etwas ganz Besonderes“, sagt Josef, der den Schnee von früher vermisst. Essen an den Feiertagen gehen sie bewusst nicht. „Das Recht auf Heiligabend hat jeder. Freilich müssen verschiedene Berufe, wie Polizei oder Beschäftigte im Krankenhaus arbeiten“, meint Josef aus Erfahrung, doch auch die Gastronomie hätte sich eine Auszeit verdient.

„An Weihnachten will ich daheim sein.“ Wie sehen beide Maria und Josef in der heutigen Zeit? Da muss Maria nicht lange überlegen: „Die heilige Familie wird immer als Idealbild hingestellt. Man weiß nicht, was im Laufe der Jahrhunderte dazu gedichtet wurde. Der Kernpunkt ist ja – sie haben „Ja“ zu dem Kind gesagt.

Das gelte es auch heute noch, „Ja“ zu einem Kind sagen, es großzuziehen und gemeinsam zu versuchen, die Schwierigkeiten zu meistern. Das Rollenverständnis von früher habe sich geändert“, bemerkt sie und Josef stimmt ihr zu.

„Erziehungsarbeit ist nicht reine Frauensache. Eine Ehe ist keine Idylle, sondern auch Arbeit. Ehen können erfüllend und anstrengend sein und sie können auch gelingen. Nachdenklich macht auch, dass viele Kinder sich in der Gegenwart wünschen, dass Mama und Papa mehr Zeit haben und mit ihnen zusammen daheim sein können.“

Gern über die Schwelle

Im Neubaugebiet oben auf dem Berg in Pottenstein ist jedes Anwesen weihnachtlich geschmückt. Vor der Haustüre von Maria (58) und Josef (59) Fuchs laden liebevoll arrangierte Zweige mit einer warmen Beleuchtung über der Schwelle ein. Im Hausinneren ist es schön ruhig. „Ich lass mich nicht anstecken vom Weihnachtsstress“, gesteht Maria Fuchs.

Maria und Josef Fuchs aus Pottenstein. Ein Schicksalsschlag hat das Paar noch mehr zusammengeschweißt.

23.12.2019 © Rosi Thiem


„Es ist Zeit, da muss ich nicht hetzen. Auch Plätzchen backen ist kein Stress, wenn ich keine Zeit habe, dann backe ich eben nur zwei Sorten. Ich verstehe die Hektik nicht, die man draußen an den Tag legt“, schüttelt sie den Kopf. „Ich muss an Heiligabend auch nicht einkaufen gehen. Der Sinn von Weihnachten geht im Trubel unter und versinkt in der Hektik.“

Das Paar Josef und Maria hatte sich erst Mitte 30 kennengelernt und beide entwickelten ein gutes Gefühl, ja es passt. Ein Jahr später 1996 wurde geheiratet. Beim Hochzeitladen sagte ein Cousin: „Maria und Josef, da fehlt nur noch das Jesuskind.“ Es kamen Kathrin und Silvia, die beiden Töchter, die heute erwachsen sind.

Am Josefstag geboren

Kathrin findet es toll, dass die Eltern Josef und Maria heißen: „Es passt gut zu ihnen“, sagt sie grinsend. „Ich wurde am 19. März - dem Josefstag - geboren und schon hatte ich meinen Namen“, erzählt Josef, der als technischer Angestellter im Staatlichen Bauamt Bayreuth arbeitet. Maria hat ihre Eltern nie gefragt, doch sie vermutet, dass der Name „Maria“ ihnen gefallen hat.

„Die ersten drei Schuljahre hatte ich an meinem Geburtstag immer frei, denn damals war das noch ein richtiger Feiertag“, erinnert sich Josef, der aus Pfaffenberg stammt. Eine Zeit lang waren die Namen Maria und Josef nicht so beliebt sagen beide, doch jetzt hören sie schon bei Neugeborenen die alten Namen wieder.

Wie feiern sie Weihnachten? „Ganz traditionell“, verrät Maria, die früher als Näherin gearbeitet hat und nun in den letzten zehn Jahren erst die Mutter, dann den Vater und zum Schluss die Tante bis zum Tod gepflegt hat. „Zuerst lesen wir die Weihnachtsgeschichte, die finde ich sehr schön und wir singen. Dann gibt es die Geschenke und die Christmette fehlt nie. An den Feiertagen bekommen wir Besuch. Weihnachten ist nur einmal im Jahr und so schnell vorbei.“

Vor fünf Wochen starb die Tante. „Sie wollte zuhause sterben. Ich habe mein Bestes gegeben und sie konnte ruhig einschlafen“, erzählt Maria Fuchs. Auch als die Eltern noch lebten, luden sie diese immer an Weihnachten ein. „Wir haben die Rollstühle eingepackt und sie zu uns geholt“, sagen beide rückblickend und sind froh darüber.

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Einen Schicksalsschlag mussten das Paar erleben, als Josef 2008 an einer Hirnhautentzündung nach einer Herpesinfektion schwer erkrankte. „Josefs Schicksal war auf der Kippe gestanden. Niemand wusste, ob er es überhaupt schafft. In dieser Zeit habe ich nur funktioniert“, erinnert sich Maria. Nach langer Zeit - Intensivstation bis Reha – holte sie ihn wieder nach Hause.

Es war wie eine Herbergssuche für Josef. „Wo fahren wir jetzt hin, Maria?“, fragte er damals, als sie in die Straße einbogen. Er erkannte den Ort und sein Haus, dass er drei Jahre vorher mitgebaut hatte, nicht mehr wieder. An vieles konnte sich Josef nicht mehr erinnern.

Vieles von vorn beginnen

Nun geht es wieder bergauf. „Es werden andere Dinge wichtig“, sagt Josef „was mich früher gestört hat, sehe ich jetzt gelassen.“ Vieles musste er sich wieder erarbeiten und Maria half ihm – immer an der Seite. „Ich habe mir Eselsbrücken aufgebaut, um mir Namen zu merken, Zettel geschrieben, Sudoku gelöst und konnte nach und nach wieder Fuß fassen“, freut sich Josef.

Für die Töchter war es nicht einfach, sie waren damals 10 und 12 Jahre alt. Das schweißt eine Familie zusammen. „Entweder man hält zusammen, oder ich packe es nicht und gehe“, folgert Maria, vor ihr steht der frischgebundene Adventskranz und ihre Augenstrahlen im Kerzenschein. „Aber wir sind nicht die Typen dazu. Da muss man durch“, fügt sie hinzu und das Paar schaut sich dankbar an.

„Es gibt jedes Jahr viele Menschen — auch an Weihnachten — die sich durchkämpfen und ihren Platz finden müssen.“

Rosi Thiem

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