11. und 12. September

Wenn der Löwe aus der Leinwand brüllt: Offene Ateliers im Landkreis Forchheim

Rudolf Meier in seinem Atelier.

Rudolf Meier in seinem Atelier. © Udo Güldner, NN

„Ich hatte immer ein Faible fürs Land. Als ich aus Nürnberg in diese Ecke gefahren bin und die Landschaft zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: Wow! Das schaut aus wie im Urlaub." Seither lebt Meier in den Rüsselbacher Ortsteilen. Fast vier Jahrzehnte sind es nun schon. Seither hat sich viel getan. Sowohl künstlerisch, als auch beruflich. Wer sein Atelier betritt, den empfängt ein überlebensgroßer Löwe. So realistisch hat Meier das Tier mit dem feinen Pinsel und Ölfarben auf die Leinwand geworfen, dass man erst einmal zurückzuckt. Jedes einzelne Barthaar springt den Betrachter förmlich an. Dann ist man irritiert. Erst beim zweiten Blick wird klar, warum: Er hat blaue Augen.

Kleinste Details lassen den Löwen lebendig wirken. 

Kleinste Details lassen den Löwen lebendig wirken.  © Udo Güldner, NN

„Ich male konkret. Aber ich zeige auch, dass jeder seine Umgebung anders wahrnimmt. Diese Unterschied macht die Malerei kenntlich." Gegenüber an der Wand lehnt das Porträt eines Massai. Dort hat Meier die farbige Oberfläche mit Schmiergelpapier abgeschliffen, dann Farbe neu aufgetragen und wieder mit der Hand entfernt... Überhaupt hat Meier eine Affinität zu Afrika, obwohl er selbst leibhaftig noch nie dort war. Dennoch faszinieren ihn die Landschaften, die Tier- und Pflanzenwelt, und nicht zuletzt die Menschen dort. „Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kind Wildhüter werden wollte oder zu viel Daktari gesehen habe."

Verpackungen für Lebkuchen Schmidt in Nürnberg gestaltet

Malen, zeichnen und gestalten in jedem Bereich sind seine großen Leidenschaften. Auch wenn ihm ein Akademie-Studium verwährt bleibt. Dafür profitiert er noch heute von seiner Lehre als Farb-Lithograf. Viele Jahre arbeitete Meier als Grafik-Designer für Höpfner-Druck Nürnberg, gestaltete etwa Verpackungen für Lebkuchen Schmidt Nürnberg. Doch solch lukrative Aufträge für die Industrie macht Meier nicht mehr. Dafür sind ihm seine Freiheit, das Ohne Druck-Sein, ja, das Eigene Ding-Machen viel zu wichtig. Das zeigt sich auch an seinen Bildern, in denen Licht und Schatten um die Vorherrschaft kämpfen.

Ein Löwe mit blauen Augen. 

Ein Löwe mit blauen Augen.  © Udo Güldner, NN

„Mit jedem Pinselstrich wird das Bild dunkler“. Hier sind dann auch die Pinselspuren zu sehen, die der „schnellen und rabiaten Technik“ geschuldet sind. Es sind Werke, die sich, lange vor der Flüchtlingskrise 2015 mit dem Schicksal heimatloser Menschen befassen. Es sind aber auch weibliche Akte, in denen nackte, lesbische Frauen einander berühren.

Seine ehemaligen Schüler arbeiten bei BMW oder als Landschaftsarchitekt

Ein Blick auf die Arbeitsgeräte und Materialien im Atelier.

Ein Blick auf die Arbeitsgeräte und Materialien im Atelier. © Udo Güldner, NN

Seit 21 Jahren gibt Meier seine Kenntnisse und Fähigkeiten in einer Malschule an Schüler aller Altersklassen weiter. „Derzeit sind es etwa 40 Menschen aus der ganzen Region“. Umgekehrt lernt Meier auch von ihnen, die wie Adrian Lupo aus Weißenohe oder Stefan Pieger ein untrügliches Gespür für die Farbe haben. Ehemalige Schüler wie Julian Weber aus Pettensiedel oder das frühere Model Elisabeth Schuhmann aus Rüsselbach haben in München ihren Weg als Designer für BMW-Motorräder und Landschaftsarchitektin und Künstlerin gemacht. Großen Erfolg hat Meier auch damit, jungen Leuten bei der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung der Fachoberschule für Gestaltung in Nürnberg zu helfen. Dabei liegen die Anfänge der „Ein Mann-Akademie“ in einem Gefallen für den örtlichen Kindergarten.

Weitere Werke in der Werkstatt des Künstlers.

 

Weitere Werke in der Werkstatt des Künstlers.   © Udo Güldner, NN

„Ich sollte ein Wandbild mit über 150 Tieren malen. Dabei haben mir die Kinder mit großer Faszination zugesehen. Das hat die Eltern dazu gebracht, mich nach Malkursen für Kinder zu fragen." Anfangs habe er nicht gedacht, dass er das könne. Dann aber habe er großen Spaß daran entwickelt. Das „Offene Atelier“ ist eine seltene Gelegenheit, etwas von Meiers Werk zu erblicken. Denn Ausstellungen macht der sehr zurückhaltende Künstler kaum. „Ich kann mich so schlecht von meinen Bildern trennen." Er gebe sie nur aus der Hand, wenn sie in gute Hände kämen. Man meint beinahe, Meier spräche von Kindern, wenn er seine Kunstwerke erwähnt. Für sie baut er derzeit sogar ein eigenes „Bilderhaus“, damit sie sich wohlfühlen.

Alle Offenen Ateliers im Überblick:

  • Wolfram von BIEREN, Bildhauer, Effeltrich, Hauptstr. 21 (mit Gast Bildhauerin Anke Oltscher)
  • Heike FLÜGEL, Malerin, Effeltrich, Lärchenstr. 2 (mit Gästen Bildhauerin Friedel Neupauer und Porzellandesignerin Sabine Weissbrich)
  • Sigrid FREY, Keramikerin, Igensdorf-Pettensiedel, Klingerweg 2 (mit Gast Porzellankünstlerin Veronika Riedl)
  • Guido & Johannes HÄFNER, Skulptur-Grafik-Buchkunst, Wiesenthau, Schlaifhausen 17
  • Bernhard HIRSCHBECK, Bildhauer, Eggolsheim-Weigelshofen, Mühlwiesenweg 1
  • Heike-Christina HOMMEL, Keramik - Ton - Malerei, Kunreuth, Hintere Pfaffenleite 11
  • Kerstin KASSEL, Malerin-Graphikerin-Objektkünstlerin, Igensdorf-Oberrüsselbach, Am Rosenberg 12 (mit Gast Bildhauer Stefan Atzl)
  • Iris LÖHR, Malerin, Forchheim, Schlresierstr. 23a
  • Wolfgang MAGES, Maler-Grafiker-Kunstlehrer, Gräfenberg, Bahnhofstr. 50
  • Rudolf G. MEIER, Farbenlithograph-Grafiker-Maler-Mal- und Zeichenlehrer, Igensdorf, Oberrüselbach 18
  • Irmtraud NORBERG, Bildhauerin, Egloffstein, Hundshaupten 26 (mit Gast Grafiker und Maler Heiner Peter Norberg)
  • Tilman OEHLER, Maler – Keramiker, Igensdorf-Oberrüsselbach, Am Geisberg 8 (mit Gast Illustratorin Katja Hogh)
  • Wolfgang SCHMIDT, Maler-Grafiker, Heroldsbach, Hauptstr. 32
  • Michaela SCHWARZMANN, Malerin-Objektkünstlerin, Eggolsheim, Hartmannstr. 5
  • Bettina SPECHT, Kunsterzieherin-Malerin-Objektkünstlerin, Forchheim-Kersbach, Poststr. 10 (mit Gast Textilkünstlerin Claudia Hölzel)
  • Petra von STROMBERG, Malerin, Poxdorf, Waldstr. 28 (mit Gast Bildhauerin Doris Kabutke)
  • TAMAHARA, Maler-Bildhauer-Restaurator, Egloffstein, Mostviel 5
  • Milada WEBER, Malerin-Kunstpädagogin, Hausen-Wimmelbach, Burker Str. 5

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