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Samstag, 28.11.2020

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Wie Blumengeschäfte um Forchheim es schaffen, sich gut auf dem Markt zu halten

Wir haben uns umgehört, was das Erfolgsgeheimnis ist - 21.11.2020 06:52 Uhr

So manches Blumengeschäft in Forchheim hat geschlossen. Wir haben uns umgesehen, wer sich erfolgreich am Markt hält.

20.11.2020 © Foto: Udo Güldner


Blumen Betz in Forchheim hat seine Innenstadt-Filiale geschlossen und konzentriert sich auf seinen Hauptsitz im Süden der Stadt. Blumen Lösel in Reuth hat die Floristik aufgegeben und betreibt nur noch die Gärtnerei. Andere wie Merklein in Forchheim oder das Gießkännla in Schlaifhausen sind ganz verschwunden. Wir haben uns in zwei Geschäften umgesehen, die sich erfolgreich am Markt behaupten und gefragt, woran das liegt.

Monika Kraus betreibt „Naturnah“ in Kirchehrenbach.

20.11.2020 © Foto: Udo Güldner


Die Floristmeisterin Monika Kraus (43) ist viel herumgekommen. Auch in München und London hat sie gearbeitet, große Ausstellungen organisiert und Lehrlinge ausgebildet. Vor sechs Jahren reift der Entschluss, zurückzukehren in ihren Heimatort Kirchehrenbach. "Ich wollte zu Hause sein, bei meinen Eltern, die meine Hilfe brauchen".

Eine alte Scheune im Ortskern wird umgebaut. Nun kann sie nicht nur Schnittblumen anbieten, wie es Geschäfte in Metropolen machen, die sich auf einen Bereich spezialisieren. "Wir haben alles". Sogar wer seine Dekoration selbst basteln möchte, kann dafür alle Zutaten einzeln bekommen.

Fair gehandelt, Verpackung ohne Folien, Beleuchtung mit Ökostrom

Der Name "Naturnah" ist dabei Programm. Ihre Pflanzen bezieht Monika Kraus hauptsächlich aus Unterfranken, aber auch aus dem Landkreis Forchheim. Ergänzt wird mit holländischer und dänischer Ware. Ihr Gießwasser kommt aus einer Regenwasser-Zisterne, geheizt wird mit Holz, beleuchtet mit Ökostrom.

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Als Verpackung dienen keine Folien, sondern Papier und alte Zeitungen. Großen Wert legt sie darauf, dass ihre Ware fair gehandelt und ohne Kinderarbeit produziert wird. "Das hat seinen Preis". Aus den Naturstoffen, etwa Agavenblättern, Baumscheiben und Tannenzapfen werden kleine Kunstwerke und Objekte gefertigt. "Die hat niemand anders".

Ein Selbstbedienungs-Tisch vor dem Laden läuft sehr gut. "Wir haben lange überlegt, aber die Leute sind ehrlich und legen das Geld in die Kasse". Nun kann man wie bei Kürbisbauern oder Blumen zum Selberpflücken üblich, rund um die Uhr Saisonpflanzen und Deko-Artikel mitnehmen. In Corona-Zeiten nutzen viele diesen kontaktlosen Einkauf.

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Andere können noch nach Ladenschluss ein schönes Geschenk mitnehmen. Die klassische Adventsausstellung wird in diesem Jahr durch die mehrtägigen "Adventsträume" im Laden und einer vergrößerten Freifläche ersetzt. Dafür wurden sogar die Öffnungszeiten verlängert.

Das Erfolgsgeheimnis

Petra Erlwein ist die Inhaberin von "Landart Ehrenbürg".

20.11.2020 © Udo Güldner


Das Erfolgsgeheimnis von "Naturnah" liegt in einer großen Auswahl, im Service und in der Qualität. Um die finanziellen Einbußen durch die Corona-Einschränkungen abzumildern, wurde ein regionaler Lieferdienst eingeführt. Kraus und ihre sechs Mitarbeiterinnen hatten alle Hände voll zu tun. "Wir verkauften viel Gemüse, Salat- oder Gurkenpflanzen". Corona habe auch das Garteln zur Selbstversorgung wieder attraktiver gemacht. Und dann sind da noch die Kunden, die es im Lockdown zu Hause schön haben wollen. "Dank unserer Kunden konnten wir diese Herausforderung gut meistern."

Angefangen hat Petra Erlwein (57) mit einem kleineren Geschäft an der Hauptstraße in Kirchehrenbach, als sie gerade 21 Jahre alt war. Parallel absolviert die bei Blumen Kraus in Forchheim ausgebildete Floristin ihre IHK-Ausbildereignungsprüfung bei der Firma Neubert in Hirschaid. "Damals hatte ich kein Startkapitel und musste einen Kredit für Jungunternehmer aufnehmen". Vor sechs Jahren aber zieht sie um ins heimatliche Leutenbach. "Seither hält uns das Dorf die Treue".

Großes Sortiment auf zwei Etagen

Wo einst ihr Großvater Josef Roth eine Schreinerei betrieb, verwirklicht sie ihren Traum. Den großzügigen Laden auf zwei Etagen nennt sie "Landart Ehrenbürg". Die Auswahl auf den 120 Quadratmetern reicht von Schnittblumen und Topfpflanzen über Dekorationsartikel im Trend der Jahreszeiten bis zu italienischer Mode. Die Unternehmerin lässt sich gerne auf den großen internationalen Messen sowie in den Niederlanden inspirieren. "Florales Wohnambiente – Schönes für drinnen und draußen".

Viele ihrer früheren Kunden aus Kirchehrenbach nahmen bis vor wenigen Tagen den Umweg über Wiesenthau und Dietzhof. Der direkte Weg nach Leutenbach war durch eine Vollsperrung stillgelegt. Das Abgeschnittensein hat dem Familienbetrieb beinahe so zugesetzt wie die Corona-Einschränkungen. Die haben die Laufkundschaft ferngehalten, wie Ausflügler und Touristen.

Homepage, Facebook und Instagram

Aufgrund der ländlichen Lage sehen viele Großhändler von Belieferungen ab, sodass Erlwein selbst zum Großhandel fährt. Das sei von großer Bedeutung, um ein ausgewähltes Sortiment zu haben, das sich von Supermärkten absetzt. Ihr Sohn Andreas Geck (25) kümmert sich neben seinem Master-Studium der Betriebswirtschaft um den Social-Media-Auftritt. Neben der Homepage gibt es Seiten auf Facebook und Instagram.

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Bei "Landart Ehrenbürg" hat man wegen der Absagen vieler Hochzeiten oder Familienfeiern und der Schließung der Gastronomie kaum mehr Umsätze in diesem Bereich. Bei Trauerfeiern macht sich ein schon zuvor erkennbarer Trend deutlich bemerkbar: Die Beerdigungsinstitute bieten Komplett-Pakete samt Trauerfloristik an. Hier konnte man bislang keinen passenden Geschäftspartner finden.

Dass Petra Erlwein und ihre vier Mitarbeiterinnen trotz allem mit der Auftragslage zufrieden sind, liegt ihrer Meinung nach an der handwerklichen Qualität, die sie mit "Liebe zum Detail" beschreibt, der persönlichen Ansprache und Beratung sowie den Parkplätzen direkt vor dem Eingang. "Blumen und Teelichter bekommen sie überall, nicht aber individuelle Anfertigungen, die mit künstlerischer Qualität punkten können".

UDO GÜLDNER

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