Wiesent: Boote dürfen erst ab Mitte Mai fahren

6.5.2021, 17:59 Uhr
Stau an der Einstiegsstelle bei Muggendorf: Der enorme Andrang der Bootsfahrer an der Wiesent soll mit dem neuen Konzept eingedämmt werden.

Stau an der Einstiegsstelle bei Muggendorf: Der enorme Andrang der Bootsfahrer an der Wiesent soll mit dem neuen Konzept eingedämmt werden. © Foto: Pauline Lindner

"Die Genehmigungen für die drei gewerblichen Bootsverleiher werden künftig erst ab 15. Mai erteilt und nicht wie bisher zum 1. Mai. Sie gelten bis jeweils 30. September und sie sind befristet auf zwei Jahre." Grundsätzlich seien die Schifffahrtsgenehmigung "immer widerruflich", nämlich dann, wenn sich etwas Wichtiges im Umfeld der Wiesent oder am Fluss selbst ändert, betont Göller.

Zudem werden die Bootsfahrten auf den verschiedenen Teilabschnitten der Wiesent deutlich reduziert: So dürfen von Mai bis September künftig in den oberen Flussabschnitten der Wiesent nur 40, im weiteren Verlauf 90 und auf dem "kritischsten Abschnitt von Behringersmühle nach Muggendorf" 101 Boote pro Tag fahren, im weiteren Verlauf sind es 90 und schließlich nur noch 50 Boote am Tag. Gar nicht mehr befahren werden darf der Wiesentabschnitt unterhalb von Rothenbühl Richtung Ebermannstadt.

Mehr Schutz fürs Flachwasser

Zudem soll es eine Niedrigwasserregelung zum Schutz der Flachwasserbereiche geben und die soll Abfluss abhängig sein, erläutert Göller, also abhängig von der Menge des abfließenden Wassers. Dazu werde vorläufig noch der Pegelstand bei Muggendorf einbezogen, der aber immer umstritten sei, weil er keine Aussage treffe über den Zustand der Flachwasserbereiche, so Göller. Doch solange man keine bessere Lösung habe, greife man auf diesen Pegelstand zurück.

Geregelt wird ferner, welche Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ergriffen werden sollen: Das sind unter anderem Nistplätze für den Eisvogel, Gehölzpflanzungen, Einbringen von Totholz als Hindernisse für Bootsfahrer, die Beschränkung der Gehölzentnahme während der Brutzeit sowie die Optimierung der Infrastruktur der gewerblichen Bootsverleihs. An diesen Maßnahmen sollen sich die örtlichen Bootsverleiher mit jeweils 500 Euro pro Jahr beteiligen, zudem hätten diese selbst angeboten, jährlich 50 Arbeitsstunden zu leisten.

Im Vorfeld dieser Entscheidungsfindung hat (wie mehrfach berichtet) das Umweltbüro Anuva eine Verträglichkeitsstudie für das Vogelschutzgebiet und ein Gutachten für das Wiesenttal mit Seitentälern erstellt. Das von der Fischereifachberatung in Auftrag gegebene Gutachten des Umweltbüros SJE, das die Beeinträchtigung der Fischhabitate untersuchte, liege in seiner endgültigen Fassung noch nicht vor, erläuterte Göller. Dennoch habe man aus den vorliegenden Gutachten und Stellungnahmen so viele Erkenntnisse gewonnen, dass man eine Entscheidung über die künftige Nutzung der Wiesent treffen könne. Man habe das erarbeitete Konzept nun den drei örtlichen Bootsverleihern, der Fischereifachberatung und dem Bund Naturschutz zukommen lassen, die jetzt abermals eine Stellungnahme abgeben könnten. Dann erst werde die endgültige Entscheidung getroffen.

Komplexe Zusammenhänge

"Die vielfältigen Wirkungszusammenhänge sind hier sehr komplex, das macht eine Beurteilung so schwer", verdeutlicht Göller die besondere Problematik. Zudem stehe man als Behörde im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Fischereirechten und dem Anspruch der Bootsverleiher. "Wir sind allen drei Seiten verpflichtet." Mit dem vorliegenden Konzept habe man versucht, hier einen gangbaren Weg zu finden.

Klar sei aber auch, dass mit diesem Konzept nur eine Regelung für die drei örtlichen Bootsverleiher gefunden ist. Für die sogenannten Gemeingebräuchler, also private Kanu- und Kajakfahrer, und für die Bootsverleiher, die von außerhalb des Landkreises kommen, gelten diese Fahrtbeschränkungen nicht. Das sei ein Problem, gibt Göller zu, das rechtlich schwierig zu regeln sei. "Das ist unsere nächste Aufgabenstellung", kündigt er hier an. Dennoch zeigt sich Landrat Ulm erst einmal erleichtert: "Das Thema Wiesent ist jetzt aufgearbeitet."

MARIA DÄUMLER

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