Donnerstag, 21.01.2021

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Wiesenthaus Pfarrer verschickt während Corona Impulse per WhatsApp

Pfarrer Michael Gehret berichtet über positive und negative Erfahrungen im Lockdown - 24.11.2020 18:49 Uhr

Die St. Matthäus Kirche in Wiesenthau.

20.03.2014 © Franz Galster


Er glaubt an einen Ort, an dem es keinen Tod, keine Krankheit, keine Angst und keine Sorgen gibt. Statt einem "Nichts" gibt es Leben in Fülle. Pfarrer Gehret zitiert dabei aus dem Johannes-Evangelium: "Ich bin gekommen, damit sie Leben und Überfluss haben." Doch er weist auch gleich darauf hin, dass Christen bereits in diesem Leben den Auftrag haben, ein Leben in Fülle zu gestalten: "Damit zum Beispiel jeder eine Chance hat, oder dass die Güter gleichmäßig verteilt werden." Ein Prinzip, das gerade in der aktuellen Zeit sehr wichtig ist.

Auch auf diese geht Michael Gehret ein. Denn trotz Pandemie kann man nicht sagen, dass "nichts" geschieht. "Es ist jetzt einfach anders. Wir erleben den Gottesdienst eher zentriert." Die Menschen müssen sich anmelden, müssen disziplinierter sein. "Doch sie können dem lebendigen Gott in der Eucharistie begegnen. Das gibt den Menschen Kraft und Trost. Deshalb wäre es verheerend Gottesdienste zu verbieten", sagt Gehret.

Impulse per WhatsApp

Statt nichts, passiert viel. Der Pfarrer verschickt zum Beispiel jeden Tag per WhatsApp Impulssprüche. "Die gehen an 150 Handynummern, erreichen aber weitaus mehr Menschen. Das sehe ich an den Rückmeldungen." Er sieht, dass jeder einzelne gefordert ist, neue Wege zu gehen – auch die Kirche. "Vor einem Jahr hätte ich noch nicht an solche WhatsApp-Nachrichten gedacht", gibt Gehret zu und sagt weiter: "Das ist eine andere Form der Kommunikation. Aber eine verarmte Form."

Pfarrer Michael Gehret sagt, ein Nichts gibt es nicht.

24.11.2020 © Foto: St. Matthäus Wiesenthau


Im Gottesdienst sind wohl weniger Menschen anwesend, dafür führt der Priester mehr persönliche Gespräche am Telefon oder bei seinen Spaziergängen: "Die Menschen wollen reden, auch Jugendliche." Die Themen Angst, Quarantäne oder Einsamkeit werden dabei häufig angesprochen.

Michael Gehret erinnert sich an einen Sonntagnachmittag während des ersten Lockdowns. Er war nur kurz auf seinem Spazierweg unterwegs, als ihn eine Frau ansprach, die den Kontakt zu ihren Kindern, Freunden und Verwandten vermisste und sich einsam fühlte. Ihr fehlten auch die Gottesdienste, denn hier hatte sie immer Trost und Kraft gefunden. Als der Pfarrer wieder zum Pfarrhaus zurückkam, wartete ein Obdachloser auf ihn. "Er meinte: Ihr alle habt Häuser, könnt euch die Hände waschen und findet Schutz vor dem Virus. Auf der Straße hat man das nicht."

Michael Gehret hält es für den falschen Ansatz, dass die Regierung aus seiner Sicht so viel Angst schürt: "Man müsste den Menschen mehr Hoffnung geben, denn das sind keine Maschinen, die man programmieren kann." Er weist darauf hin, dass die Menschheit schon viele Pandemien hinter sich gebracht hat – und es immer weiter ging.

"Jugendliche vereinsamen"

Deshalb versucht der Pfarrer Hoffnung und Mut zu verbreiten: "Ich versuche, den Blick auf Gutes zu wenden und den Menschen zu sagen, dass Gott uns nicht im Stich lässt." Er verweist auf die Heilsgeschichte. "Menschen haben immer wieder Krisen erleben müssen, aber Gott war bei ihnen", erklärt der Priester und macht deutlich: "Das Virus kommt nicht von Gott, um uns zu strafen. Gott ist Liebe."

Außerdem fiel ihm in Gesprächen auf, dass gerade Jugendliche sehr vereinsamen: "Die ganzen Social Medias ersetzen nicht den persönlichen Kontakt. Der Mensch ist ein Sozialwesen. Ein Mensch, der alleine ist, verkommt."

CARMEN SCHWIND

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