Namensvetter

Willkommen in Forchheim - aber nicht in Oberfranken

19.6.2021, 06:00 Uhr
Nanu? So sieht unser Forchheimer Bahnhof aber nicht aus! Hier halten Züge auf ihrem Weg von Karlsruhe nach Baden-Baden. 

Nanu? So sieht unser Forchheimer Bahnhof aber nicht aus! Hier halten Züge auf ihrem Weg von Karlsruhe nach Baden-Baden.  © Julian Hörndlein

Stopp 1: Forchheim & der Kaiser

Wer sich vom Bahnhof Forchheim auf macht, um den Ort zu erkunden, ist tatsächlich zwei Kilometer vom Ortskern entfernt. Der Bahnhof befindet sich nämlich im Ortsteil Silberstreifen. Der Ort entstand 1874 aufgrund des nahe gelegenen Exerzierplatzes, bei dem Kaiser Wilhelm II. mehrfach die Kaiserparade veranstalten ließ. Nicht zuletzt deshalb hieß der Forchheimer Bahnhof ursprünglich Staats-Bahnhof. Der kaiserliche Hintergrund eint die beiden Forchheims, auch wenn weder Kaiser, die Zeit noch die Staatsform übereinstimmen.

Stopp 2: Forchheim & die Natur

Auf dem Weg von Silberstreifen in den Hauptort führt kein Weg am Epplesee vorbei. Der Baggersee liegt direkt an der Verbindungsstraße und ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Region Karlsruhe. Aus dem Baggersee wird aus einer Tiefe von 60 Metern Kies abgebaut, das Nordufer ist für den Badetourismus freigegeben.

„Durch den Kiesabbau hat der Epplesee seit Jahren die beste Wasserqualität in der Region“, erklärt Axel Neureuther, Chef des Biergartens „Seegugger“, der oberhalb der Sees liegt. Der Epplesee zieht Wassersportler aller Art an, aufgrund der guten Windsituation eignet er sich zum Surfen und Segeln. Für Neureuther, der selbst lange am Epplesee surfte, trägt das zur Beliebtheit des Sees bei: „Wir haben Besucher aus Pforzheim, Stuttgart und dem Elsass“, weiß er. Wenn im Sommer die Temperaturen die 30-Grad-Marke knacken, wird es deshalb schnell voll.

Stopp 3: Forchheim & die Freizeit

Auch die Forchheimer selbst entspannen sich gerne an ihrem heimischen Gewässer. „Der Epplesee ist ein Alleinstellungsmerkmal von Forchheim“, sagt Anton Jäger, Sprecher der Forchheimer Vereine. Jäger kennt die Stadt und ihre Einwohner, weiß, wie sie ticken. „Die Forchheimerinnen und Forchheimer engagieren sich“, so Jäger. Der Austausch mit den anderen Stadtteilen Mörsch und Neuburgweier ist eng. Forchheim profitiert von seiner Nähe zu Karlsruhe und der französischen Grenze: „Man ist schnell in der Stadt, aber auch in Straßburg und im Elsass“, sagt Jäger. Denn Frankreich ist gleich um die Ecke, die Grenze verläuft im Rhein, der etwa drei Kilometer von Forchheim entlang fließt und damit zumindest größentechnisch die Wiesent in den Schatten stellt.

Stopp 4: Forchheim & die Kirche

Auch wenn die Wasserverbundenheit im badischen Forchheim groß ist, weder Forellen noch Bier prägen den Ort. Das Forchheimer Wappen zieren zwei goldene Krummstäbe. Kirchlich scheinen Franken und Baden sehr nah beieinander zu sein: Die Kirche im Zentrum ist dem heiligen Martin geweiht.

Stopp 5: Forchheim & Geschichte

Das Fehlen der Forellen ersparte den Badenern eine Diskussion über den Namensursprung. Dort ist man sich sicher, dass sich Forchheim vom „Heim unter den Föhren“ ableitet. Die Geschichte des Ortes geht auf die Schenkung der Grafschaft „Vorchheim“ durch Kaiser Heinrich IV. im Jahr 1086 zurück, bereits davor hatte Forchheim durch rheinnahe Lage an einer römischen Heerstraße eine militärische Bedeutung. Forchheim ist eines von mehreren in Deutschland. Die lokale Feuerwehr unterhält Kontakte ins sächsische Forchheim im Erzgebirge. „Im fränkischen Forchheim war ich hingegen noch nie“, sagt Anton Jäger. Generell scheint die Königsstadt im Badischen nur wenig bekannt zu sein.

Stopp 6: Forchheim & Industrie

Das badische Forchheim ist stark durch seine Wohnbebauung geprägt. Große Unternehmen aus der Medizintechnik sucht man vergebens. Stattdessen beherbergt Forchheim mit dem Messezentrum der Stadt Karlsruhe und der benachbarten dm-Arena ein Veranstaltungszentrum, in dem außerhalb der Corona-Zeit internationale Fach- und Publikumsmessen stattfinden.

Letzter Stopp: Am Bahnhof

Von Silberstreifen über den Epplesee in den Hauptort und über die Messe zurück. Forchheim hat einiges zu bieten und zieht daraus offenbar auch Selbstvertrauen: Im badischen Forchheim muss am Bahnhof nicht erwähnt werden, um welches Forchheim es sich handelt. Eine Kampfansage in Richtung Oberfranken?

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