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Zahlen und Fakten zum Waldsterben in der Fränkischen Schweiz

Die Bäume haben Fieber und sterben - 2018 und 2019 hat dem Bestand zugesetzt - 17.12.2019 14:35 Uhr

Dem Wald geht es nicht gut.


Viel zu heiß und zu trocken waren die Jahre 2018 und 2019. Alleine dieses Jahr sind deshalb ein Prozent der gesamten Waldfläche im Landkreis Forchheim schlicht abgestorben, die Bäume sind verdurstet. Die Fichte wird aussterben in der Fränkischen Schweiz, die Buche trifft es schwer, so Experten.

Im Landkreis gibt es rund 15.100 Waldbesitzer. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 116.000 Einwohnern besitzt statistisch jeder achte Landkreisbürger Wald. Im Schnitt besitzt ein Einzelner zwei Hektar, aufgeteilt auf mehrere Parzellen, die wiederum meist auf mehrere voneinander entfernt liegende Grundstücke verteilt sind.
 
Diese Kleinteiligkeit erschwert Waldbesitzern, mit den Folgen des Klimawandels zurecht zu kommen. Ist beispielsweise ihr Fichtenbestand nach Trockenheit und Hitze vom Borkenkäfer befallen, fehlen ihnen oftmals Zeit und Geräte, um befallene Bäume im Zweifelsfall zu fällen. Hilfe bei der Waldbewirtschaftung bietet unter anderem die Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz. In ihr sind rund 1900 Waldbesitzer zusammengeschlossen. Mehr Informationen im Internet unter www.wbvfs.de
 
Zählte die Buche bisher zu den Baumarten, auf die sich die Förster verlassen konnten und die als klimatolerant galt, hat sie bei einigen Standorten mit Dürre als Folge langanhaltender Trockenheit zu kämpfen.

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2018: Trockenheit im Landkreis Forchheim hinterlässt ihre Spuren

Mai 2018: Seit über drei Wochen fehlt es auch im Landkreis Forchheim an ausreichend Regen. Das hinterlässt Spuren.


Rußrindenkrankheit: Manchmal hilft nur das Verbrennen

Der Ahorn hat dieses Jahr mit einer Rußrindenkrankheit aus Nord-Amerika zu tun. Befallen sind Bäume im Raum Weißenohe und Igensdorf. Eine Folge der Krankheit: Die Rinde platzt auf, die Sporen des Erregers können in der Lunge von Menschen zu allergischen Reaktionen führen. „Wir müssen die Krankheit möglichst schnell ausmerzen“, sagt Michael Kreppel, Abteilungsleiter Forsten vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Entweder müssen befallene Bäume mit dem Bagger vergraben oder in der Müllverbrennungsanlage Bamberg verbrannt werden.
 
Auch die Esche ist von einem hartnäckigen Pilz befallen und stirbt dadurch ab.

"Die Fichte wird sich bei uns verabschieden"

Mit gut der Hälfte aller abgestorbener Bäume trifft es die Fichte dieses Jahr besonders hart. Sie kommt zwar mit weniger Niederschlag aus, „doch nicht auch noch gleichzeitig mit hohen Temperaturen“, sagt Kreppel. Sein Fazit: „Die Fichte wird sich bei uns verabschieden.“
 
Nach der Fichte geht es vor allem der Kiefer an die Wurzel. Michael Kreppel: „Wir müssen damit rechnen, dass wir nicht mehr auf sie zählen können.“ Laut dem Forstexperten bekommen alle Nadelhölzer - die Douglasie ausgenommen - Probleme mit dem Klimawandel. Mit weniger Niederschlag und höheren Temperaturen kommen die Traubeneiche und Elsbeere gut zurecht.

Forscher arbeiten am Wald der Zukunft

Das Projekt „Neue Baumarten“ von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) will dazu beitragen, den Wald im Klimawandel zu erhalten und zu stabilisieren. Es ist Politikern und Waldbesitzern jüngst in Heiligenstadt vorgestellt worden. Auf Teilflächen im Landkreis Bamberg und Forchheim wachsen Bäume, die bisher in Südeuropa zu Hause waren. Wissenschaftler begleiten die Studie, erstellen daraus eine Handlungsempfehlung für Bayerns Wälder. Aus nur neuen Baumarten soll der Forst künftig nicht bestehen. Olaf Schmidt, Präsident der LWF, hält einen Mischwald für die beste Option. 

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