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Zehnter Tennis-Winter unter weißer Kuppel

Forchheimer Traglufthalle hat sich bewährt, ist aber kein Gewinn-Geschäft - 16.01.2019 10:44 Uhr

Ein Blick ins Innere der Tennistraglufthalle Forchheim auf dem Gelände der Tennisabteilung SpVgg Jahn an der Käsröthe.

© Ralf Rödel


Trotz steter Frischluft-Zufuhr herrscht ein feuchteres Klima, das sich bei Sportlern in zunächst ungewohnter Schweißproduktion bemerkbar macht. Das unter der Decke versammelte Kondenswasser stellt, wenn es anfriert, wiederum eine potentielle Gefahr für die Stabilität der dreilagigen Plastik-Hülle dar.

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Darum sorgt Tennislehrer und Mit-Geschäftsführer Harald Payrleitner nach besonders frostigen Nächten schon von zu Hause aus per digitaler Fernsteuerung dafür, dass die an eine Zeitschalt-Uhr gekoppelte Heizung die auf zwei bis drei Grad abgekühlte Halle wieder schneller auf die konstante Tages-Temperatur von 14 Grad Celsius bringt. Die jüngsten Schneefälle, berichtet Payrleitner, habe er dagegen relativ entspannt begleiten können. "Die einzelnen Draht-Träger sind so angeordnet, dass der angetaute Schnee automatisch seitlich abrutscht." Mehr Aufmerksamkeit ist hingegen bei Sturm und Wind gefordert. Um das Material vor einer Zerreißprobe zu schützen, wird die Frischluft-Klappe geschlossen und der Innendruck erhöht. "Das fühlt sich dann in den Ohren wie im Flugzeug an. Aber damit hält das Dach das Gewicht eines Panzers aus", erklärt Payrleitner. Zwischenfälle habe es in den bisherigen zehn Betriebsjahren tatsächlich kaum gegeben, bei einem Stromausfall hält ein zugeschaltetes Diesel-Notaggregat das futuristische Zelt unter Spannung.

Der futuristische Plastik-Mantel aus fünf Abschniten wiegt fünf Tonnen.

© Ralf Rödel


Allein die Energiekosten — der Aufwand steigt mit Kälte und Wind — von 40 bis 50 000 Euro für 30 Wochen markiert einen kleinen Schönheitsfehler in der positiven Bilanz. Als günstigeres Wunsch-Szenario für die Zukunft gilt eine eigene Hackschnitzelanlage, doch die Rechnung steht und fällt mit der Realisierung des Jahn-Umzugs. Die Tragluft-Arena soll am neuen Standort im Stadtnorden wieder über vier Plätzen errichtet werden, firmiert allerdings seit der Gründung 2009 als Gemeinschaftsprojekt. Die SpVgg und der TC Forchheim als Ganzes sowie je vier Köpfe aus beiden Klubs fungieren als Gesellschafter. Dabei bezeichnet Payrleitner die Geburt als "Notlösung". Nachdem durch den Wegfall zweier Hallen-Flächen in der zum Fußball-Territorium umgerüsteten Spielstätte von Ulrich Pechtold "der Zusammenbruch des gesamten Winterbetriebes" der Forchheimer Vereine sowie der Tennisschule drohte, sei "innerhalb weniger Wochen ein Konzept" zusammengestrickt worden. Eine Spezialfirma aus Westfalen wurde mit der Errichtung beauftragt, die Kosten beliefen sich auf rund 300 000 Euro. Zum unvergesslichen Ereignis geriet 2012 der Trainings-Besuch der argentinischen Nationalmannschaft um David Nalbandian vor dem Davis-Cup in Bamberg.

Tennislehrer und Arena-Geschäftsführer Harald Payrleitner hat seine Technik, egal ob Licht oder Heizung im Griff.

© Ralf Rödel


Heute ist es für die Verantwortlichen um den Verwaltungs-Beauftragten Stefan Wild ein "Kampf um die schwarze Null". Die Auslastung durch knapp 400 Abonnenten stimmt unter dem Strich zufrieden. Um dennoch die Ausgaben zu senken, geht der Betrieb von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 15 Uhr in die Mittagspause. "Die Senioren als sichere Bank am Vormittag werden weniger", konstatiert Payrleitner, der zudem seine Kundschaft vom TSV Ebermannstadt verloren hat, die inzwischen eine eigene Ein-Feld-Halle zur Verfügung hat.

Zur bewährten Strategie der Forchheimer Arena, deren Konkurrenz zwischen Erlangen und Bamberg mitunter aus kleineren Nachbarn wie Neunkirchen, Möhrendorf und Adelsdorf besteht, gehören bis zu 25 Turniere pro Jahr. Die Veranstaltungen sichern nicht nur einmalige Einnahmen, sondern sollen langfristig Schläger-Asse aus dem umliegenden Einzugsgebiet binden. Gerade der Anteil von externen Nicht-Vereinsmitgliedern sei allerdings ausbaufähig. "Eigentlich liegen wir total im Trend. Sand ist gelenkschonender und der gleiche Untergrund, auf dem im Sommer die meisten Amateure spielen", bekräftigt Payrleitner. In der Hallen-Branche allgemein hat er in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Kapazitäten ausgemacht. "Die Nachfrage wäre da, aber kommerziellen Anbietern ist die Gewinnspanne zu niedrig."

Kevin Gudd Nordbayerische Nachrichten Forchheim und Ebermannstadt E-Mail

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