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Zurück ins Klassenzimmer: Forchheimer Grundschüler freuen sich auf die Schule

Schüler der Adalbert-Stifter-Schule haben vor allem ihre Freunde vermisst - 10.05.2021 18:00 Uhr

Endlich wieder in die Schule: Die Schülerinnen der Klasse 2b der Adalbert-Stifter-Schule haben sich am meisten darauf gefreut, ihre Freunde und ihre Lehrerin wieder zu sehen.

10.05.2021 © Foto: Jana Schneeberg


Endlich kann ich meine Freunde wieder sehen", sagt Emilia. Die Achtjährige geht in die Klasse 2a und ist nicht so besonders auf das Homeschooling zu sprechen. "Es war nicht so schlimm, aber auch nicht so gut", sagt sie. Grund Nummer eins: Ihre Freunde fehlten ihr. "In meiner Nähe wohnt eine Freundin, mit der habe ich mich oft nachmittags getroffen, aber mit den anderen ging das nicht." Grund Nummer zwei: Manchmal war es in den Videokonferenzen nicht so leicht. "Dann ging mal das Mikro nicht und ich konnte keine Fragen stellen." Oder die Kinder haben nicht gehört, dass andere schon etwas sagen und reingequatscht.

Zum ersten Mal seit fast einem Monat sieht Emilia nun alle ihrer 18 Mitschülerinnen und Mitschüler nicht nur am Bildschirm, sondern wieder im Klassenzimmer. Weil die Räume groß sind und die Zahl der Kinder pro Klasse gering ist, kann die AST auf den Wechselunterricht verzichten. Alle Grundschüler sind ab jetzt wieder jeden Tag da – unter der Voraussetzung, dass die Infektionszahlen unterhalb der 165er-Marke bleiben.

Zum ersten Mal seit fast vier Wochen kann Emilia aus der Klasse 2a wieder ihr Klassenzimmer betreten.

10.05.2021 © Foto: Jana Schneeberg


In der 2a steht am Montagmorgen Deutsch auf dem Stundenplan. Im Homeschooling haben die Kinder gelernt, wie man eine Einladung schreibt, als Hausaufgabe sollten sie Sätze dazu verfassen. Nun wird der Stoff noch einmal gefestigt. Klassenleiterin Jane Wächter lässt einige Schüler ihre Sätze vorlesen. An die Tafel hat sie Zettel mit den wichtigsten Bestandteilen einer Einladung geheftet: Anrede, Anlass, Datum, Uhrzeit und so weiter. Diese Teile sollen die Zweitklässler nun aus den Sätzen ihrer Mitschüler heraushören.

Jedes Kind sitzt an einem Einzeltisch, im Hintergrund brummt der kühlschrankgroße Raumlüfter leise vor sich hin. Weil es draußen warm ist, kann die Lehrerin eines der Fenster komplett geöffnet lassen.

Unterhalb der Tafel, auf ein A4-Blatt, auf dem jedem Schüler ein Rechteck zugeordnet wurde, hat sie die Schnelltests gelegt, die die Kinder zu Beginn des Unterrichts gemacht haben. Nach 20 Minuten steht fest: Alle sind negativ. "Bitte komme am Samstag, 22. Mai, um 16 Uhr zu mir nach Hause", liest ein Mädchen gerade vor. Während die anderen kurze Zeit zum Nachdenken haben, geht die Lehrerin zu einem Mädchen und erklärt ihr, dass man im Deutschen manchmal unterschiedliche Formulierungen verwenden kann, um das Gleiche auszudrücken. Sie lernt die Sprache noch. Ihre Lehrerin kann ihr nun wieder besser helfen.

Es kribbelt im Bauch

Im Nachbarzimmer hat Lehrerin Ulrike Weber ihre Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 2b ebenfalls willkommen geheißen. Nach den Schnelltests hat sie ihnen erst einmal Zeit gegeben, sich etwas zu unterhalten.

"Ich war heute morgen schon ein bisschen aufgeregt", berichtet Hanna und erzählt, dass es sogar ein wenig im Bauch gekribbelt hat. Auch sie freut sich am allermeisten, ihre Freunde und auch ihre Lehrerin wieder zu sehen. Ganz ähnlich geht es Esma und Tshitshak.

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Doch die drei Mädchen erzählen auch, dass ihnen der Online-Unterricht Spaß gemacht hat. "Wir haben mehrmals am Tag Videokonferenzen gehabt", erklärt Tshitshak. Erst 20 Minuten mit allen Kindern zusammen, dann noch einmal 40 Minuten in Fünfer-Gruppen. Und einmal pro Woche nahm sich Lehrerin Ulrike Weber auch Zeit, jedes Kind einzeln per Video zu besuchen und individuell auf dessen Fragen einzugehen. Auch sie ist nach dieser Zeit stolz, dass ihre Klasse das Homeschooling so gut gemeistert hat. Natürlich sei Online-Unterricht ganz was anderes als der im Klassenzimmer, aber vom Stoff in den Hauptfächern habe sie alles abarbeiten können, was sie sich vorgenommen hatte. "Ich muss die Kinder wahnsinnig loben, dass sie so gut mitgemacht haben", sagt sie.

Darauf sind die beiden Erstklässlerinnen Helena und Nora auch stolz. "Ich bin schon richtig gut in Mathe", sagt Nora und fügt an: "Manchmal, wenn ich mit meiner Mama auf dem Spielplatz war und mir ein bisschen langweilig war, habe ich sie gefragt, ob sie mir ein paar Rechenaufgaben stellen kann. Jetzt kann ich sogar schon Mal-Aufgaben."

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Helena freut sich am meisten auf Mathe und Sport, Nora würde gern mal wieder Religions-Unterricht haben. Dass der noch nicht wieder stattfindet, findet sie schade. Und dass sie nicht singen dürfen. "Wir haben ein Lied, das wir immer zum Schulbeginn im Homeschooling gesungen haben", erzählt Helena. Das geht so: "Guten Morgen, Hey, Servus, Hallo, Mensch, dass ihr da seid, da bin ich ganz froh...." Jetzt, im Klassenzimmer dürften sie es nur noch als Spruch aufsagen. Wegen Corona. Die beiden zucken mit den Schultern – und sagen dann: "Aber Hauptsache wir dürfen wieder in die Schule."


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