Prozess gegen Heilpraktikerinx

Fränkische Politiker sagen gegen mutmaßliche Rechtsterroristin aus

6.5.2021, 08:56 Uhr
Harald Straßner, Rechtsanwalt von Armin Kroder im Prozess gegen Susanne G., vor der Presse.

Harald Straßner, Rechtsanwalt von Armin Kroder im Prozess gegen Susanne G., vor der Presse. © BR24, NN

Der fränkische Landrat Armin Kroder (Freie Wähler) und Frank Pitterlein (CSU), Bürgermeister der Marktgemeinde Schnaittach (Landkreis Nürnberger Land), treten als Nebenkläger im Prozess gegen Susanne G. auf und sollen von ihr bedroht worden sein. Am Donnerstag sollen die beiden Kommunalpolitiker vor dem Oberlandesgericht München aussagen.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, Grußkarten mit Todesdrohungen und Munition verschickt zu haben. Danach soll sie untergetaucht sein mit dem Ziel, Anschläge zu begehen. Sie soll zudem Kontakt zu den beiden verurteilten Helfern der Terrorzelle NSU, Ralf Wohlleben und André E. gehabt haben.

Nebenklageanwalt Harald Straßner, der den Landrat Kroder wegen der erhaltenen Drohbriefe vertritt, hält ein Netzwerk hinter den Taten für möglich. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Schnaittach in der Nähe von Nürnberg wurde bedroht. Pitterlein hat als "Juden- und Ausländerfreund" üble Drohschreiben samt Pistolenpatronen erhalten, mutmaßlich abgeschickt von der Heilpraktikerin Susanne G. aus Leinburg. Pitterleins Anwalt Maximilian Bär forderte, "insbesondere etwaige Verwicklungen und Verstrickungen zum Nationalsozialistischen Untergrund" aufzuklären. Er befürchte eine "Erweiterung des Neonazistischen Netzwerkes im Bereich des Nürnberger Landes".

Der Umstand, dass die Nebenklage-Anwälte zugelassen worden sind, belegt, wie ernst die Vorwürfe gegen Susanne G. genommen werden. Denn Drohungen alleine sehen die Beiordnung der Anwälte für Geschädigte im Strafverfahren nicht zwingend vor. Die Anklageschrift stammt vom Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof, und er ist überzeugt davon, dass Susanne G. den Worten auf ihren Postkarten einen Terrorakt folgen lassen wollte.