Atomenergie

Fränkisches Kernkraftwerk wird schon viel früher gesprengt

7.5.2021, 16:35 Uhr
Zwar steigt aus den beiden Kühltürmen des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld kein Dampf mehr auf wie noch auf diesem Foto aus der aktiven Zeit, doch weithin zu sehen sind die 143 Meter hohen Beton-Giganten noch immer. 

Zwar steigt aus den beiden Kühltürmen des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld kein Dampf mehr auf wie noch auf diesem Foto aus der aktiven Zeit, doch weithin zu sehen sind die 143 Meter hohen Beton-Giganten noch immer.  © Foto: dpa

Seit dem 28. Juni 2015 steigt kein Dampf mehr auf aus den beiden Kühltürmen des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld. Seit jenem Tag ist die Anlage stillgelegt. Doch die zwei 143 Meter hohen Türme sind noch immer weithin zu sehen als Wahrzeichen einer vergangenen Ära. Sogar von der Rhön aus sind die beiden Giganten bei gutem Wetter zu erkennen.

Viele Einheimische vor Ort stört das, sie wollen die markanten Monumente endlich aus dem Sichtfeld haben und auch optisch erkennen können, dass der Rückbau des Kernkraftwerks voll im Gange ist. Denn bisher konzentriert sich der Betreiber PreussenElektra auf den nuklearen Rückbau. Seit Ende 2020 ist die Anlage brennstofffrei, alle übrigen radioaktiven Komponenten sollen aber erst bis zum Jahr 2033 komplett entfernt sein. Bis 2035 sollen dann alle Gebäude und auch die Kühltürme abgerissen werden. Das Zwischenlager vor Ort wird dann wohl noch bleiben, die Genehmigung läuft bis zum Jahr 2046.

Vorbild Philippsburg

Doch bei den Kühltürmen schwenkt das Unternehmen nun um und reagiert auf das öffentliche Interesse, das insbesondere der Schweinfurter Landrat Florian Töpper (SPD) und der Schweinfurter Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) immer wieder vorgebracht hatten. PreussenElektra hat jetzt ein Projektteam eingesetzt, das die Sprengung der beiden Kühltürme planen soll. Aufbauen will man dabei auf den Erfahrungen aus dem Kernkraftwerk Philippsburg, wo vor etwa einem Jahr die Türme gesprengt wurden.

Vier Jahre lang hat man das Projekt dort geplant. In Grafenrheinfeld soll es aber schneller gehen. Die spektakuläre Sprengung der Betonkolosse könnte also zumindest schon im Jahr 2023 oder 2024 statt erst 2033 oder 2035 über die Bühne gehen.


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"Betriebswirtschaftlich ist der Abriss nach dem nuklearen Rückbau eigentlich sinnvoller", erklärt Kraftwerkssprecherin Evamaria König die ursprünglich geplante Vorgehensweise. Ist der nukleare Rückbau abgeschlossen, gibt es viel weniger Auflagen durch die Aufsichtsbehörden, der konventionelle Abriss wird einfacher. "Außerdem muss man da ja eine Großbaustelle einrichten. Da ist es einfacher, alle Gebäude abzureißen als da mal eins und da mal eins."

Auswirkungen auf das Zwischenlager?

Trotzdem hat man sich nun entschieden, die Sprengung der Kühltürme vorzuziehen. Zuvor muss ausgerechnet werden, welche Auswirkungen die Aktion auf das Kraftwerk und das Zwischenlager mit seinen 54 Castor-Behältern hätte. Auch welche Folgen der Staub hat, der sich nach der Sprengung auf die Stromleitungen des nahen Umspannwerkes Bergrheinfeld von Tennet legen würde, muss eruiert werden.

Auch im Kraftwerk selbst wird der Rückbau immer sichtbarer: 2021 soll mit der Zerlegung der Reaktordruckbehälter-Einbauten begonnen werden. Um Lager-, Montage-, Zerlege- und Verpackungsflächen zu schaffen, werden auch die Brennelemente-Lagergestelle demontiert. Innerhalb des Kontrollbereichs werden weitere Öffnungen zwischen den einzelnen Gebäuden geschaffen. So können größere Teile schneller transportiert werden.

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