Sonntag, 29.11.2020

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Freiwilligenzentrum Neustadt muss Finanzierungslücken schließen

Suche nach starken Partnern - 17.07.2019 17:41 Uhr

Die Leiterin des Freiwilligenzentrums Dorothea Hübner hofft mit Agatha Ludwig, Fürths Caritas-Geschäftsführer Michael Bischoff und der weiteren Koordinatorin Veronika Polok (v. r.) auf Partner für eine gesicherte Finanzierung.

17.07.2019 © Harald Munzinger


"Was ist Euch die Arbeit wert", die im "Freiwilligenzentrum" mit großer Leidenschaft und "messbarem wie erlebbaren Effekt für die Sozialräume" geleistet wird, ist die zentrale Frage insbesondere an den Kreis sowie die Städte und Gemeinden sein, die um eine Solidaritätsabgabe von zehn bis zwanzig Cent je Bürger gebeten werden. Ein gutes Dutzend hat sich dazu schon entschlossen, ließ FWZ-Leiterin Dorothea Hübner wissen, bislang nur eine "per Dauerauftrag". Der aber sei für eine gesicherte Finanzierung wichtig, stimmt ihr der Fürther Caritas-Geschäftsführer Michael Bischoff zu, der aktuell in Neustadt wertvolle administrative Hilfen leistet, bis hier die seit längerem vakante Geschäftsführerstelle wieder besetzt ist. Das soll zum 1. Januar 2020 der Fall sein.

Hat man mit dieser Vakanz schon einige Probleme zu meistern, sind Dorothea Hübner sowie die Koordinatorinnen Agatha Ludwig und Veronika Polok verunsichert, ob sie ihre Arbeit fortsetzen können, wenn bis zum Jahresende keine ausreichende Finanzierung erreicht wird. Denn die Caritas hat deutlich gemacht, dass sie die aktuell hohen Eigenmittel von 67.500 Euro nicht halten kann und auf 40.000 Euro reduzieren muss. Außerdem enden befristete Förderprogramme, kürzt die Bundesagentur für Arbeit ihre Zuwendungen um über 10.000 Euro. Mit ihrer Forderung der Zertifizierung der Caritas als örtlicher Träger des "Freiwilligen Sozialen Schuljahres" baut sie zudem eine unüberwindbare Hürde auf und stellt – findet sich kein zertifizierter anderer Träger – das erfolgreiche FSSJ in Frage.

"Multitasking hat hier einen Namen"

Was insgesamt ohne gesicherte Finanzierung auf dem Spiel steht, macht FWZ-Leiterin Dorothea Hübner bei einem Blick auf das Leistungsspektrum des Freiwilligenzentrums bewusst, "das seit 18 Jahren Positives für die Bürger in unserem Landkreis bewirkt", damit einen beachtlichen Teil der "Mehrregion" ausmacht. Hier habe "Multitasking einen Namen", bewundert Michael Bischoff die im "FWZ" geleistete Arbeit, spricht von "einem Schatz, den es zu pflegen gilt" und unterstreicht die "hohe und soziale Wertschöpfung". Jetzt gelte es, diese kompetente und engagierte Arbeit zu sichern, wozu man optimistisch die Gespräche mit Kommunal- und Landespolitikern aufnehme.

Der Kreis, in dem das Freiwilligenzentrum seine Leistungskatalog von der Bücherbörse bis zum Reparatur-Café, vom "Bunten Kulturtreff" über Leihgroßeltern, Mobilen Seniorenkino, KleiderTauschParty oder "NeuStadtGarten" bis zum FSSJ und dem "WunschSternenBaum" auffächert, ist für Bischoff "ein Glücksrad". Dieses wurde mit der Aufnahme immer neuen Ideen – wie aktuell den Nachbarschaftshilfen – vom "FWZ" als "kompetenter Engagement-Experte" in Schwung gebracht, "um die Nachhaltigkeit des Engagements im Landkreis zu sichern".

"Drei quirlige Frauen"

Menschen zu beraten, zu ermutigen und zu begeistern, "sich mit ihren vielfältigen Fähigkeiten zu engagieren", stellt sich Dorothea Hübner mit ihrem kleinen engagierten Team – "drei quirlige Frauen" (Bischoff) - der zentralen "mit Herzensgeschichten" verbundenen Aufgabe des Freiwilligenzentrums, dem es "um den Menschen und das Seelenleben" geht. Es unterstützt gemeinnützige Organisationen, Verwaltung und Wirtschaft, sich Engagierten zu öffnen, deren Potenziale besser zu nutzen und geeignete Rahmenbedingungen für deren Engagement zu schaffen, ist mit "versteckten und sichtbaren Bewegern" tätig. Firmen unterstützten mit dem "FWZ" letztlich ihre eigenen Mitarbeiter, die bei Bedarf in den Genuss ehrenamtlicher Hilfen kämen, hofft Hübner auch hier auf längerfristige Partnerschaften. So wie sie der Sparkasse die Förderung des "FSSJ" seit Jahren mit einem festen Betrag dankt, Marketingleiter Manuela Hofmann die sich zuspitzenden Finanzierungsprobleme notierte.

"Bürgerschaftliches Engagement auf ein solides Fundament zu stellen", eine Anlaufstelle für Begegnung, Nähe und Kommunikation zu sein, beschreibt Dorothea Hübner das Wirken des Freiwilligenzentrums mit und 100 Vermittlungen im Jahr (ohne Flüchtlingshilfe) und der Betreuung von 350 Einrichtungen sowie 470 Engagements. Dazu kommen die jährlich etwa 300 Jugendlichen im Freiwilligen Sozialem Schuljahr. Mit der Zeit habe sich das "FWZ" von der Vermittlungs- zur Entwicklungsagentur gewandelt. Dafür stehen beispielhaft das stabil geknüpfte, aktive Helfernetzwerk "über Zaun und Grenze" für neue und alte Nachbarn und die geförderte Bildung von Nachbarschaftshilfen sowie die Koordination der Integrationslotsinnen.

"Eine tolle Einrichtung"

Wie das "FWZ" von außen gesehen wird, wollte es in einer Online-Umfrage an Kommunen, Netzwerkpartner, Ehrenamtliche und Bürger im Landkreis wissen. "Das Freiwilligenzentrum ist eine ganz tolle Einrichtung mit einem sehr breiten sozialen und integrativen Betätigungsfeld" zitiert Hübner aus gut 50 aussagekräftigen Kommentaren, aus denen an die Adresse der dringend gesuchten Kooperationspartnern die Feststellung gerichtet sein könnte: "Ohne das Freiwilligenzentrum wäre der Landkreis, wären wir alle sehr viel ärmer". Oder: "Der Landkreis profitiert von den vielen aktiven Menschen jeden Alters!". Dass es viele Lücken im sozialen Miteinander schließt, "die anderweitig nicht finanzierbar wären und es immer um den einzelnen Menschen geht, der sonst leicht übersehen wird", ist weiter zu lesen, oder dass ohne die Projekte "der Landkreis nicht so gut aufgestellt" wäre.

Dass dies "den Politikern leider nicht wichtig genug" sei, wird in den Online-Kommentaren beklagt. Mit der aktiven Werbung um Kooperationspartner soll nun vermieden werden, dass dieser Absender mit der Sorge um "die Basisfinanzierung auf wackligen Füßen" irrt: "Sie wachen erst auf, wenn es das 'FWZ' nicht mehr gibt!"

Harald J. Munzinger

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