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Bezirk verwehrt einem Mädchen mit Behinderung die nötige Schulbegleitung - 22.12.2020 06:58 Uhr

Erst musste sie ein Korsett tragen, inzwischen haben Ärzte der kleinen Sonja Metallstäbe zur Korrektur der Wirbelsäulen- und Muskelschäden eingesetzt. Und weitere schwere Operationen stehen dem Mädchen voraussichtlich noch bevor.

21.12.2020 © Asklepios Kath.-Schroth-Klinik


Die kleine Sonja (Name geändert) muss mit verschiedenen Missbildungen leben, Ursache ist ein Gendefekt. Betroffen sind Skelett, Muskulatur und Nervensystem. Um die durch Skoliose geschwächte Wirbelsäule zu stützen, haben Ärzte dem Mädchen in einer aufwändigen Operation Titanstäbe eingesetzt. Das größte Problem im Alltag ist aber der Ausfall des Schließmuskels. Die Folge: Urin und Stuhl müssen über einen Katheter entsorgt werden - nötig ist das bis zu acht Mal am Tag.


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Auch in der Schule. Dabei konnte das Mädchen lange - vor Corona - den Unterricht gar nicht besuchen, weil die nötigen Hilfen fehlten. Dabei bescheinigten Ärzte in Gutachten und Attesten, dass Sonja sehr wohl zur Schule gehen konnte und sollte. Dennoch hat der Bezirk Oberfranken, in dessen Zuständigkeit die Schule liegt, eine pädagogische Schulbegleitung für das Mädchen bisher abgelehnt.

Gut dokumentiert

So jedenfalls schildern es die pädagogischen Fachkräfte eines großen diakonischen Trägers, die der Familie von ihrer Außenstelle in Forchheim aus mit ambulanten erzieherischen Hilfen zur Seite stehen. Sie haben sich auch mit der Bitte um Hilfe an "Freude für alle" gewandt und können dabei auf einen ganzen Stapel von Berichten, Anträgen und Ablehnungen verweisen - das Tauziehen um Sonjas Versorgung ist hinreichend dokumentiert.

Nach ihren Schilderungen reichen die Probleme aber noch viel weiter: So übernimmt die Pflegekasse zwar bestimmte Leistungen, so etwa dreimaliges Kathetern an Schultagen, aber zum Beispiel keine Windelversorgung und unterstützende Hilfen. Allerdings sei es bisher unmöglich gewesen, einen Pflegedienst zu finden, der das übernimmt. Da eine geschulte Fachkraft benötigt werde, sei zwar die häusliche Versorgung, nicht aber die in der Schule zu leisten, bekam die Familie mehrfach zu hören. Genauer gesagt: Die entstehenden Kosten wären durch die Kassentarife nicht gedeckt.

Hoher Aufwand

Die Folge: Nun muss die Großmutter selbst in der Schule anrücken, bis zu dreimal an jedem Vormittag, um das Katheterisieren der Enkelin zu übernehmen. Auf den Fahrtkosten bleibt sie sitzen, ebenso wie bei den häufigen Fahrten zu Ärzten und Kliniken. Dabei muss die über 70-Jährige alles mit einer schmalen Rente, etwas Pflegegeld und dem Kindergeld stemmen. Natürlich kann die Weihnachtsaktion die unzureichende Unterstützung durch die öffentlichen Instanzen nicht ausgleichen - allen voran nicht für die Schulbegleitung sorgen.

Doch fehlt es auch im Privaten an ganz elementarer Ausstattung und an Pflegematerialien, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Die Sozialpädagogen schildern die Lebensumstände der Familie - Sonja hat noch Geschwister - denn auch als ausgesprochen prekär: Es fehlt an vielem, vom eigenen Zimmer über Schreibtische für die Hausaufgaben und auch ausreichender Kleidung. Und auch an ein altersgemäßes Taschengeld für die Kinder ist nicht zu denken.

Die „Freude für alle“-Spendenkonten:

Spk. Nürnberg: DE63 7605 0101 0001 1011 11;

Spk. Fürth: DE96 7625 0000 0000 2777 72;

Spk. Erlangen: DE28 7635 0000 0000 0639 99;

Postbank Nürnberg: DE83 7601 0085 0400 0948 54.

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