Öffnung

Freude und Skepsis: Einige Biergärten und Außengastronomien öffnen wieder

10.5.2021, 18:26 Uhr
Die Außengastronomie durfte im Mai 2021 nach dem Lockdown wieder öffnen. Hier auf dem Entlas-Keller.

Die Außengastronomie durfte im Mai 2021 nach dem Lockdown wieder öffnen. Hier auf dem Entlas-Keller. © Klaus-Dieter Schreiter

„Das ist eine Freude, endlich, endlich wieder auf“, sagt der Gastronom Holger Stark vom "Areal Burgersgarten" in Schwabach. Seit Montag dürfen die Gäste in seinem Biergarten wieder Platz nehmen. In einem Zelt können sie zuvor einen Schnelltest machen.

Wolfgang Erdel ist seinem Burgersgarten während des Lockdowns treu geblieben. Er hat die To-Go-Angebote genutzt. Klar, dass er es eingerichtet hat, bei der Eröffnung des Biergartens dabei zu sein. Sven Rösner und Nicole Koller können sich nicht mehr an den letzten Stammtisch erinnern. Wie es der Zufall wollte, hat Koller heute frei.

An einem anderen Tisch hat der älteste Stammgast Platz genommen. Karl Gößwein (83) und seine Gefährtin kommen seit zehn Jahren. „Jeden Freitag um 18.30 Uhr“, sagt Holger Stark im Vorbeigehen. „Da kannst du deine Uhr danach stellen.“ Während die beiden auf ihre Brotzeit warten, zeigt Karl Gößwein seine Eintrittskarte: Ein Impfpass mit zwei Einträgen.

Patrick Halbert und seine Frau Monika kommen eigentlich aus Coburg. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 200. Als sie am Wochenende lasen, dass in Erlangen die Außengastronomie und die Biergärten wieder öffnen, hat sich das Paar entschlossen, in die Hugenottenstadt zu fahren. Nun genießen sie ein Mittagessen in der Brasserie in der Nürnberger Straße.

„Natürlich freuen wir uns über die Gäste“, sagt Brasserie-Chef Milenko Lukic. „Aber ich bin ehrlich: Nach sechs Monaten haben wir uns als Gastronomen die erste Öffnung anders vorgestellt.“ Per SMS erhielt Lukic am Samstag die Mitteilung von seinem Geschäftspartner: Ab Montag könne wieder geöffnet werden. Erst am Mittwoch hatten beide mehrere tausend Euro investiert. „Wir mussten pokern, es gab noch keine Gewissheit: Bleiben wir auf dem Essen sitzen oder können wir es verkaufen?“

Lukic spricht von einem Ritt auf der Rasierklinge. „Wer weiß denn, wie es morgen ist? Und wie übermorgen?“ Es wäre ihm lieber gewesen, noch abzuwarten und auf mehr Stabilität zu hoffen: noch mehr Geimpfte, eine noch niedrigere Inzidenz.

Bei Christoph Gewalt klingelte am Sonntag im Erlanger „Steinbach Bräu“ rund um die Uhr das Telefon: Was braucht man, um in den Biergarten zu dürfen? Kann man reservieren? Für mehr als Bratwürste und Steaks ging es mit der Öffnung letztlich zu schnell: „Ich bin seit langem mal wieder richtig aufgeregt“, sagt der Chef, „jetzt hoffen wir, dass die Zahlen nicht gleich wieder hochgehen. Das wäre ein Desaster.“ Im Steinbach müssen die Kunden durch eine Art Schleuse in den Hof, zwei Mitarbeiter nehmen die Personalien auf, kontrollieren die Tests. „Das Bier immerhin, das wird uns nicht ausgehen."


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Das meint auch Vincenz Schiller vom Entlas Keller in Erlangen. Zum ersten Mal in diesem Jahr schenkte er das Selbstgebraute in Krüge. Schon um 10 Uhr, eine Stunde vor Öffnung, herrschte reges Treiben: In der Küche dampften die Klöße.

Corona hat dem Entlas Keller die Aushilfen weggespült. Von den 30 Bediensteten ist nur die Hälfte verfügbar. Nur wenige Studenten sind in der Stadt. Die bewährten Kräfte arbeiten nach sechs Monaten Stillstand unter anderem in Schnelltestcentern.

In Bamberg sahen viele Gastronomen die Öffnung skeptisch - besonders im Hinblick auf die wieder gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz von 85,3. In der Bamberger Sandstraße haben einige Lokale und Kneipen die Möglichkeit zur Öffnung genutzt. „Das ist fast wie Urlaub“, schwärmt eine Frau, die sich mit ihren Freunden in einer Wirtschaft in der Sandstraße niedergelassen hat. Sie habe sich wegen des guten Wetters und der Öffnung der Gastronomie extra frei genommen. Ihre Freunde und sie seien spontan vorbeigekommen und mussten lediglich einen negativen Corona-Test vorweisen.

Auch in der Austraße haben viele Cafés ihren Außenbereich bereits geöffnet. „Wir empfinden große Erleichterung und riesige Freude“, schwärmen Herbert und Christine Schneider. Vor der Pandemie hätten sie sich einmal die Woche mit Freunden in ihrem Stammcafè getroffen. Nun sei das endlich wieder möglich. „Wir haben Hoffnung, dass wieder Normalität einkehrt und wir Konzerte, Theater und Kinos besuchen können“, meint Christine Schneider. „Hoffen wir, dass es mit dem Impfen schnell voran geht“, fügt Herbert Schneider hinzu.