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FSME-Virus: Zecken sind zäh und weiter gefährlich

Sind Corona und Klimawandel schuld an vielen FSME-Fällen? - 07.03.2021 10:33 Uhr

Die Wahrscheinlichkeit, sich durch einen Zeckenstich mit FSME zu infizieren, ist gering. Wer aber daran erkrankt, erlebt zuweilen ein gesundheitliches Martyrium.

10.06.2020 © Holger Hollemann/dpa


Sicher: Die Wahrscheinlichkeit, sich durch einen Zeckenstich mit FSME zu infizieren, ist gering. Wer aber daran erkrankt, erlebt zuweilen ein gesundheitliches Martyrium. Was zunächst mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht, kann auch für eine Entzündung des Gehirns beziehungsweise der Hirnhäute sorgen.

Laut bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurden bis Ende Oktober 2020 insgesamt 257 Fälle der Viruserkrankung gemeldet - das waren 73 mehr als im Vorjahreszeitraum. Also deutlich mehr als 2019.

 Der Nürnberger Neurologe Prof. Frank Erbguth rät zur Impfung.

10.03.2019 © Klinikum Nürnberg


Professor Frank Erbguth, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Nürnberg, spricht dennoch nicht von Zahlen, die einen panisch werden lassen müssten. "Es gibt immer wieder Schwankungen. Das ist normal. So hatten wir 2006 insgesamt 546 FSME-Fälle, 2012 waren es lediglich 195."


Erste Hilfe: So schafft man sich Zecken vom Leib


Dennoch gibt er zu bedenken, dass sich die Zahlen mittlerweile auf hohem Niveau verstärkt haben. Dass die zunehmenden Temperaturen hierfür ein Grund sein könnten, hält er nur bedingt für ursächlich. "Zecken mögen es ja auch feucht." Dennoch: Die milden Winter sorgen dafür, dass die Tiere inzwischen annähernd das ganze Jahr Saison haben.

Viel an der frischen Luft

Eine weitere mögliche Ursache für den starken Anstieg der Zahlen könnte in den Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 liegen. Da kaum Freizeitaktivitäten möglich waren – und auch weiterhin sind - haben sich viele Menschen im vergangenen Jahr häufiger im Freien oder im eigenen Garten aufgehalten. Dadurch erhöht sich selbstredend das Risiko, gestochen zu werden. Denn Zecken beißen nicht, sie stechen.

Auch fallen Zecken nicht von den Bäumen, sondern hängen an Gräsern. Und sie sind echte Überlebenskünstler: "Zecken sind ausgesprochen zäh", wie Erbguth sagt. Dennoch brauchen sie die Natur, einen Wirt, um dauerhaft überleben zu können.

Ein wirksamer Schutz gegen die kleinen Tiere ist die richtige Kleidung, wenn man sich draußen aufhält. Diese sollte am besten hell sein. Dass Zecken, wie Mücken, vor allem auf bestimmte Körpergerüche reagieren und dann bei dem einen zustechen und beim anderen eben nicht, ist bisher nicht systematisch untersucht worden, so Erbguth.

Impfung ist die wirksamste Waffe

Eine Impfung gegen FSME, die der Mediziner seit vielen Jahren immer wieder empfiehlt, ist somit die wirksamste Waffe. Auch die Ständige Impfkommission empfiehlt sie für Personen, die in Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen könnten. Im Freistaat gelten laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 91 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte als FSME-Risikogebiet – also fast ganz Bayern und hier auch Nürnberg.

Doch die Impf-Quoten stagnieren seit Jahren. Bei Schülern lag sie im vergangenen Jahr gerade einmal bei etwa 30 Prozent und nimmt danach drastisch ab. Ältere Menschen sind zu 60 bis 80 Prozent nicht geimpft – obwohl das Risiko, zu erkranken, ab 40 Jahren deutlich zunimmt. "Eine Impfung nach einem Zecken-Stich kommt zu spät", so Erbguth. Zumal man den vollen Effekt erst nach drei Impfungen hat. Diese drei Stufen mögen auch ein Grund dafür sein, dass so mancher sich aus Bequemlichkeit nicht impfen lässt.

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Am liebsten mögen Zecken ein warmes, gemütliches und geschütztes Plätzchen, und jedes Jahr aufs Neue werden die spinnenförmigen Parasiten als gesundheitsschädliche Ausflugs-Souvenirs mit nach Hause genommen. Nach wie vor kursieren viele Irrtümer über die kleinen Blutsauger. Hier erfahren Sie, was wirklich stimmt — und was eben nicht.


Einen Impfstoff gegen Lyme-Borreliose, die ebenfalls durch einen Zeckenstich übertragen werden kann, gibt es hingegen in Deutschland nicht. Denn hierzulande kommen verschiedene Arten von Borrelien vor. Bislang wurde kein Stoff gefunden, der bei allen Variablen greift. Dennoch kann Borreliose – sofern sie frühzeitig erkannt wird – medikamentös bekämpft werden.


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