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110 Jahre Ronhof: Nach dem Krieg im Aufwind

Nicht nur die Tribüne war verloren - Der sportliche Erfolg brachte das ersehnte Geld - 15.05.2020 16:15 Uhr

Eines der wenigen Farbbilder aus der Nachkriegszeit: Die Anzeigetafel in der Südkurve des Ronhofs im Jahr 1950 als Kaleidoskop der damaligen Fürther Geschäftswelt.

© Foto: Archiv SpVgg Greuther Fürth


An Sport war nicht zu denken. Die Amerikaner beschlagnahmten in ihrer Besatzungszone alle Sportstätten. In Fürth begann ein Ringen um den Ronhof, der durch den Brand nach einem Bombentreffer am 21. Februar 1945 seine Tribüne und sein Funktionsgebäude verloren hatte.

Während die Kleeblättler unter Federführung von Handball-Funktionär Willy Kett – den man auswählte, da der Verhandlungsführer der US-Army ein Schulfreund von Ketts Vater gewesen war – versuchten, schnell ihren Sportplatz zurückzubekommen, gab es auch andere "interessierte Kreise", wie Quellen berichten: Offenbar hatten Funktionäre aus der von den Nazis verbotenen Arbeitersportbewegung ein Auge auf den Ronhof geworfen.


110 Jahre Ronhof: Der Schock nach Fürths Meisterschaft


Schließlich gelang es unter strengen Auflagen, das Gelände wieder für den Verein zu gewinnen. Wettkämpfe waren verboten, Training war nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit möglich. Da der Nürnberger Zabo beschlagnahmt blieb, trainierten die Spieler des 1. FCN monatelang auf dem Gelände am Laubenweg. Kein Wunder, dass das erste Spiel nach dem Krieg in Fürth ein Derby war. Am 23. September 1945 (andere Quellen geben den 29. an) gewann der FCN 3:2, rund 9000 Besucher fanden den Weg in den Ronhof.

Nachdem der Spielbetrieb in der neuen Oberliga Süd alsbald begann, befasste sich die SpVgg mit dem Neubau einer Tribüne. "Das Betriebskapital ist verschwunden und zu einem kleinen Teil vorläufig eingefroren", berichtete das Präsidium über die Folgen der Währungsreform 1948. Zudem brachte der Abstieg 1948 in die zweitklassige Regionalliga die Pläne ins Stocken. Zum Bauen, berichtete Vereinsschriftführer Geo Strässner im Mitgliedsheft "Kleeblatt-Nachrichten", gehörten drei Dinge: "Geld, Geld und nochmals Geld." Doch das war knapp, und so baten die Verantwortlichen darum, die 1948 bereits in Reichsmark bezahlten Mitgliedsbeiträge freiwillig noch einmal in der neuen D-Mark einzuzahlen.

Wieder war es der sportliche Erfolg und die mit ihm stark zunehmenden Zuschauerzahlen, die das ersehnte Geld brachten. Es gelang der sofortige Wiederaufstieg, und in der Oberliga-Saison 1949/50 sorgte die SpVgg für Furore. Noch einmal darf man sich bei William Townley bedanken: Die vom Engländer eingeführte Jugendförderung hatte sein gelehriger Schüler Hans Hagen, ehemaliger Meisterspieler und Kapitän, in den 30er Jahren fortgeführt. Hagen manövrierte den Verein als sportlich Verantwortlicher durch den Krieg und achtete auf den Nachwuchs. So hatten die Fürther plötzlich ein Reservoir talentierter Akteure. Das führte 1950 als Aufsteiger zur sensationellen Meisterschaft der Oberliga Süd, erst im DM-Halbfinale gegen den VfB Stuttgart war Endstation.

Mehr als 20.000 Zuschauer bei den Spitzenspielen

Die Zuschauerzahlen stiegen in den Spitzenspielen auf über 20.000, und so hatte man die Mittel, eine repräsentative und funktionelle Tribüne zu bauen. 30.000 D-Mark Anschubfinanzierung kamen von der Stadt, eine namhafte Summe stellte der Rundfunkunternehmer Max Grundig zur Verfügung. Am 11. Februar 1951 erlebte die Tribüne in einem Spiel gegen 1860 München ihre Premiere. Rund 2000 Menschen fanden auf dem Bau Platz, der für rund sechs Jahrzehnte das Bild des Sportparks Ronhof prägen sollte. Parallel wurde die Gegengrade mit einer über 100 Meter langen Stützmauer versehen, die heute noch ihren Dienst tut; die Umzäunung und die Kassenhäuschen wurden ausgebessert oder neu errichtet.

Kampf gegen die Bundesliga

Während man im Ronhof Erfolge feierte, gewann mit der Wiedergründung des DFB 1950 eine Entwicklung an Fahrt, die den deutschen Fußball umkrempeln und manchen Verein vor existenzielle Sorgen stellen sollte: die Einführung einer eingleisigen, deutschlandweiten Liga mit Berufsspieler-Statut. Es entbrannte eine leidenschaftliche Diskussion zwischen den Verfechtern der neuen Zeit und den konservativen Bewahrern, die am Amateurgedanken festhalten wollten. Wortführer der Letzteren war vor allem Paul Flierl.

Der Fürther, von 1950 bis 1952 Vorstand der SpVgg, war auch Vorstand des Süddeutschen Fußballverbandes und kämpfte mit aller Macht gegen eine Bundesliga. Eine seiner, wie sich herausstellte, berechtigten Sorgen war: Vereine, die nicht in die Bundesliga eingegliedert werden, würden ihren Sportbetrieb in der Zweitklassigkeit wegen sinkender Zuschauerzahlen nicht mehr finanzieren können.

WM mit Charly Mai und Ertl Erhard 

Doch in Fürth freute man sich in den 50er Jahren über die sportlichen Erfolge und feierte mit einem Besuch von Wirtschaftsminister Erhard 1953 das 50-jährige Bestehen des Vereins. In den 50er Jahren hatte man sich in der Oberliga etabliert, mit Karl "Charly" Mai und Herbert "Ertl" Erhard waren zwei Fürther 1954 bei der WM in der Schweiz dabei, Mai stand in der Elf, die in Bern den ersten WM-Titel für Deutschland holte.

Der Sportpark mit seiner neuen Tribüne hielt modernsten Maßstäben stand, in Oberliga-Spitzenspielen sollen mehrmals über 30.000 Menschen an den Laubenweg geströmt sein. Und auch wenn die Qualifikation zur DM-Endrunde nach 1951 nicht mehr gelingen sollte, war man bei der SpVgg sicher, vor einer guten Zukunft zu stehen.

Das sollten das Jahr 1963 und die Einführung der Bundesliga letztlich grundlegend verändern.


Alle Folgen der Serie:

110 Jahre Ronhof - Folge 1: Als die Fürther ihr Stadion bekamen

110 Jahre Ronhof - Folge 2: Der Baubeginn des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 3: Die feierliche Eröffnung des Sportparks

110 Jahre Ronhof - Folge 4: Mit Townley erklomm Fürth die Spitze

110 Jahre Ronhof - Folge 5: Der Schock nach Fürths Meisterschaft

110 Jahre Ronhof - Folge 6: Nach dem Krieg im Aufwind

110 Jahre Ronhof - Folge 7: Der Verfall begann schleichend

110 Jahre Ronhof - Folge 8: Zukunft mit Flutlicht statt Pappeln

Jürgen Schmidt

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