Freitag, 26.02.2021

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78 und Präsident der USA? Kein Problem, findet ein Fürther

Jürgen Feuerstein spricht zum Amtsantritt über Joe Biden, mit dem er das gleiche Alter teilt - 20.01.2021 06:00 Uhr

Jürgen Feuerstein, der sich selten wie 78 fühlt, wünscht Joe Biden ein starkes Team, das ihn rückhaltlos unterstützt.

19.01.2021 © Hans-Joachim Winckler


Heute wird ein 78-Jähriger als Präsident der USA vereidigt – was, glauben Sie, tut sich Joe Biden da an?

Ich denke, er tritt ein sehr schweres Erbe an. Er wird alles in Ordnung bringen müssen, was ihm sein Vorgänger Donald Trump hinterlassen hat. Er hat ja die ganzen Vereinigten Staaten auf den Kopf gestellt. Nun wird es Bidens große Aufgabe sein, alle Bevölkerungsschichten wieder auf einen Nenner zu bringen. Dass dabei sein Alter ein Problem sein könnte, glaube ich nicht. Wäre Biden jünger, hätte er die gleichen Herausforderungen zu meistern.


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Was bewerten Sie höher: die Dynamik der Jugend oder die Erfahrung der Alten?

Da würde ich dem Alter und der Lebenserfahrung den Vorzug geben. Joe Biden war vor seiner Wahl lange in der Politik, daran kann er nun nahtlos anknüpfen. Zu hoffen ist, dass er all das durchsetzen kann, was er vorhat, denn daran hängt nicht nur das Schicksal der USA, sondern der ganzen Welt.

Könnten Sie sich vorstellen, noch immer in der Firma den Zampano zu machen? Würden Sie zurückkommen, wenn man Sie rufen würde?

Nein, damit habe ich abgeschlossen seit ich mit 60 in den Ruhestand gegangen bin. Das lag aber auch daran, dass mir Umstrukturierungen im Betrieb die Freude an der Arbeit genommen haben. Immer noch bin ich aber in etlichen Ehrenämtern für die Faustballer in Fürth aktiv.


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Noch vor wenigen Jahrzehnten galt man mit Ende 70 bisweilen quasi als scheintot. Täuscht der Eindruck oder ist Ende 70 inzwischen das neue Ende 60?

Ja, das kann man durchaus so sagen. Die Menschen in meinem Alter scheinen immer fitter zu werden. Man sieht immer mehr Senioren, die beinahe überall raufkrabbeln. Auch beruflich sind viele im hohen Alter noch fit und haben was zu sagen. Aber es gibt natürlich auch solche, die an ihren Chefsesseln kleben und besser mal in den Ruhestand gehen sollten.

Gibt es Momente, in denen Sie sich nicht wie 78 fühlen, sondern wie 68?

Ich fühle mich grundsätzlich selten wie 78. Manchmal erschrecke ich sogar bei dem Gedanken, dass ich schon so alt bin.

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Was kann ein Politiker von einem Faustballer lernen?

Auf jeden Fall, dass es guten Teamgeist braucht, wenn man was erreichen will. Meine Faustballer und ich, wir waren eine so eingeschworene Gemeinschaft, dass wir manchmal als totale Underdogs zu Turnieren gefahren sind und dort die Favoriten geschlagen haben. Einfach, weil jeder für jeden gespielt hat. Ich hoffe, auch Joe Biden hat die richtigen Leute um sich.

Drei Tipps, wie Joe Biden fit und gelassen bleiben kann...

Er sollte sich sein  ruhiges Gemüt bewahren und sich nicht von seinen Gegnern provozieren lassen. Dann sollte er seine Erfahrungen in die Waagschale werfen und sie für sein Amt nutzen. Und schließlich sollte er im Hintergrund die passenden Ansprechpartner für Probleme haben.

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