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Abi verschoben: Fürther Lehrer und Abiturienten atmen auf

Wegen der Corona-Pandemie beginnen die Prüfungen später - 19.03.2020 16:00 Uhr

Die Abiturprüfungen sind wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. © dpa/Frank Rumpenhorst


Uwe Laux, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Oberasbach (DBG), ist erleichtert. Den Schülern bringt die Entscheidung des Kultusministeriums mehr Zeit, um sich aufs Abitur vorzubereiten, das nun erst am 20. Mai mit dem Fach Deutsch beginnt.

Ursprünglich sollte es am 30. April losgehen – doch mindestens bis zum 20. April bleiben die Schulen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen. "Die Vorbereitungszeit für den digitalen Unterricht war einfach zu kurz", sagt Laux. Zum einen stehe der Stoff teils digital nicht zur Verfügung, zum anderen reichten die technischen Möglichkeiten, die Schüler mit Material zu versorgen, nicht aus.

Hinzukommt, dass noch Schulaufgaben geschrieben werden müssen und mündliche Noten ausstehen. "Jetzt können wir darauf verzichten, unter Zeitdruck mehrere Schulaufgaben in einer Woche anzusagen." Die eine oder andere Prüfung ganz zu streichen, diese Option haben die Schulen nicht. "Da müsste eine Anordnung vom Kultusministerium kommen."

Bedauerlich findet Laux die Entwicklung freilich für diejenigen seiner rund 150 Abiturienten, die bereits Pläne für die Zeit nach den Abschlussprüfungen hatten. Sie werden sich nun samt mündlichen Tests bis zum 3. Juli hinziehen. "Ob ein Auslandsaufenthalt in diesem Jahr angetreten werden kann, ist noch offen", sagt Laux.

Angesichts der Krise seien die nun angekündigten Termine allerdings vielleicht bald wieder hinfällig. Das Kultusministerium schließt weitere Veränderungen nicht aus.

 

Viele offene Fragen

 

Das ist auch Martin Pfeifenber-ger, Leiter des Fürther Helene-Lange-Gymnasiums (HLG), und Carsten Böckl, Leiter des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums (HSG), bewusst. Pfeifenberger hat am Mittwoch über das Elternportal gleich alle Abiturienten informiert. Schon am Freitag, als die Schließungen verkündet wurden, habe man versucht, sie zu beruhigen. "Das ging alles sehr schnell." Pfeifenberger rechnete bereits damit, dass der vorgesehene Abi-Start nicht zu halten ist.

Heilfroh ist auch sein Kollege vom HSG über die Verschiebung: "Das nimmt ganz viel Druck raus", sagt Böckl. Endlich signalisiere das Ministerium den Abiturienten, dass es ihr Problem ernst nimmt. Böckl hätte sich so ein Zeichen schon früher gewünscht: bei der Pressekonferenz an jenem Freitag. Leider habe er seine Abiturienten mit einer großen Ungewissheit in die schulfreie Zeit entlassen müssen.

An dem Vormittag hatte er alle Schüler in einer Durchsage über die Schließungen informiert – Lehrer berichteten ihm später, dass es mucksmäuschenstill in den Klassenzimmern war. In einem Englischkurs der zwölften Jahrgangsstufe merkte Böckl es anschließend selbst: "Da waren noch ganz viele offene Fragen." Antworten hatte auch der Direktor nicht.

Die Wochen, die nun bleiben, sollten die Schüler nutzen, sagen Pfeifenberger und Böckl und warnen davor, zu denken: "Jetzt mach’ ich mal drei Wochen nichts." Bisher aber habe er den Eindruck, die Jugendlichen seien motiviert und hätten den Ernst der Lage erkannt, so Böckl.

Auch die Lehrer können die gewonnene Zeit gut gebrauchen. Sie müssen herausfinden, wie sie Schüler auf digitalem Weg voranbringen. Da dürfte noch einiges passieren; die Kollegen seien kreativ, berichtet Pfeifenberger.

Wie die übrigen Schüler können auch die Abiturienten jetzt Stoff wiederholen und vertiefen. Neues werde nur "behutsam" durchgenommen, so Böckl. Wenn die Schulen wieder öffnen, würden die neuen Inhalte noch einmal behandelt – aber dank der Vorbereitung könne man dann schneller vorankommen.

Einer, der die Schulen zurzeit unterstützen kann, ist Klaus Lutz, Medienfachberater des Bezirks Mittelfranken. Neben dem digitalen Unterricht werde in den kommenden Wochen noch etwas anderes hilfreich sein, sagt er: dass die Lehrer im persönlichen Kontakt mit den Schülern bleiben.

Lutz: "Lehrer haben ein Gespür für ihre Klasse", sie sollten weiter eine Bezugsperson sein. "Jeder erinnert sich doch an ein, zwei Lehrer, die im Leben besonders wichtig für ihn waren."

Beate Dietz und Claudia Ziob

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