Abschied von der Großbaustelle

1.11.2010, 10:00 Uhr
Im April wurde die Karolinenstraße zur Großbaustelle. Unverhofft eroberten Bauleiter Thomas Brantl (links) und sein Team die Herzen einiger Anwohner. Rosalinde Siepmann verabschiedete sich sogar mit einem Kuchen.

Im April wurde die Karolinenstraße zur Großbaustelle. Unverhofft eroberten Bauleiter Thomas Brantl (links) und sein Team die Herzen einiger Anwohner. Rosalinde Siepmann verabschiedete sich sogar mit einem Kuchen. © Hans-Joachim Winckler

Als der Oberbürgermeister im Frühjahr 2009 die Karolinenstraße —  "eine der ganz schrecklichen Straßen in Fürth", wie er fand — ganz oben auf die Liste der Projekte setzte, die mit Hilfe des Konjunkturpakets II der Bundesregierung angepackt werden sollten, schien er ein Problem zu haben: In Fürth gab es nämlich durchaus Menschen, die diese Straße schätzten und eher die Pläne der Stadt, die Buckelpiste ansehnlich zu machen, furchtbar fanden. „Der Gegenwind war heftig“, erinnert sich Hans Pösl, Leiter des Tiefbauamts.

Wer einen Parkplatz in Bahnhofsnähe suchte, wurde in der Vergangenheit in der Karolinenstraße oft fündig. Dass nach der Sanierung deutlich weniger Stellplätze zur Verfügung stehen würden, empörte die Anwohner.

Die Stadt ließ die Bauarbeiten trotzdem beginnen und lud die Betroffenen ein, sich wöchentlich über die Großbaustelle zu informieren, die nun zwei Monate früher als geplant beendet ist — dank der guten Witterung, so Pösl, und dem Glück, das man, anders als erwartet, mit den Anwohnern hatte: „Das hat optimal geklappt.“

Leberkäs statt Beschwerden

Weil man sie mit ins Boot genommen habe, sei es kein Problem gewesen, an mehreren Stellen gleichzeitig zu arbeiten. Beschwerden über Baulärm blieben aus, berichten kann Pösl stattdessen von Leberkässemmeln, mit denen die Anwohner die Bauarbeiter versorgten; im Sommer habe man sogar gemeinsam gegrillt. Richtig ins Herz geschlossen hat die Männer Rosalinde Siepmann, die zum Abschied eine selbst gebackene Torte überreichte — „weil’s alle so nett waren“. Bauleiter Thomas Brantl ist sie besonders verbunden. Er half ihr, schwere Einkaufstaschen nach oben zu tragen.

Fast zur Nebensache geriet bei dem herzlichen Abschied der Moment, auf den Oberbürgermeister Thomas Jung gewartet hatte: die Öffnung der Straße für Auto- und Radfahrer. Der neue Flüsterasphalt war als Lärmschutzmaßnahme mit ausschlaggebend dafür, dass die 1,5 Millionen Euro teure Sanierung des Abschnitts zwischen Karlstraße und Schwabacher Straße, zu der die behindertengerechte Umrüstung einer Ampelanlage gehörte, mit 260000 Euro aus dem Konjunkturpaket gefördert wurde. Beim ersten Auto, das über den Asphalt fuhr, hörte der OB dann auch ganz genau hin.