„Adler“ schrieb auf sechs Kilometern Geschichte

8.12.2015, 16:00 Uhr
2008 kommt der neue

2008 kommt der neue "Adler" nach Fürth. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Eigentlich hatte man gehofft, die Eröffnungsfahrt schon am 25. August, dem Geburtstag Ludwigs I., feiern zu können, doch der Termin musste mehrmals verschoben werden: So bestaunten schließlich am 7. Dezember unzählige Neugierige die Dampflok, die – mit 200 Ehrengästen und dem 26-jährigen Engländer William Wilson auf dem Führerstand – von Nürnberg nach Fürth unterwegs war. Neun Minuten brauchte sie dafür.

Diese sechs Kilometer Gleise haben deutsche Verkehrsgeschichte geschrieben – ebenso wie der legendäre „Adler“. Wuchtige Stahlräder, vorne ein hoher Schornstein: ein schwarz-gold-grün-rotes Kraftpaket. Die Dampflok kam – in Einzelteile zerlegt – aus England und war in Deutschland wieder zusammengebaut worden.

Vom Nürnberger Plärrer führte die Strecke durch Wiesen und Felder bis zum Luwigsbahnhof in Fürth, der sich an der heutigen Freiheit befand. Entlang der Gleise entwickelte sich später die Fürther Straße als Hauptverkehrsader zwischen den beiden Städten. Weil Kohle teuer war, wurde die Lok anfangs nur einmal am Tag eingesetzt; die übrigen Fahrten übernahmen pferdebespannte Züge. Um die Lok zu schonen, war sie zudem langsamer unterwegs als bei der Jungfernfahrt – mit 14 Minuten aber zehn Minuten schneller als der Pferdezug. Nicht jeder war froh darüber: Mediziner warnten davor, dass man sich bei dem Tempo durch den Fahrtwind eine Lungenentzündung holen könnte oder angesichts der vorbeirauschenden Landschaften gar wahnsinnig werden könnte.

Die Lithographie von Georg Wolfgang Faber zeigt die erste Fahrt.

Die Lithographie von Georg Wolfgang Faber zeigt die erste Fahrt. © Foto: Gerullis

Mehr als 20 Jahre lang tat die berühmte Dampflok ihren Dienst, bis sie, mittlerweile technisch veraltet, im Jahr 1857 verkauft wurde. Der historische Lokschuppen in Fürth übrigens wurde erst 1860 gebaut; genutzt wurde er allenfalls für die Nachfolger-Lok, „Adler II“.

Das Original des „Adlers“ gilt als verschollen. Der fahrfähige, originalgetreue Nachbau, der zum 100-jährigen Jubiläum 1935 gefertigt worden war, wurde 2005 bei einem Brand im Depot des Nürnberger DB-Museums schwer beschädigt, er konnte allerdings wieder rekonstruiert werden und ist im Museum zu sehen.

Die alte Trasse führte zum Ludwigsbahnhof.

Die alte Trasse führte zum Ludwigsbahnhof. © Foto: privat

Straßenbahn verdrängte Adler

Mit der Eröffnung der Straßenbahnlinie Nürnberg-Fürth bekam die Ludwigsbahn Konkurrenz, der Betrieb musste am 1. Januar 1922 eingestellt werden. Der Ludwigsbahnhof in Fürth, der erst dazu führte, dass hier ein belebtes Zentrum entstand, wurde zunächst noch von Geschäften genutzt und 1938 abgerissen, um einen Aufmarschplatz für die Nazis zu schaffen. 1946 erhielt der Platz den Namen „Fürther Freiheit“. Einen Eindruck von früher bekam man 2010: Zum 175-jährigen Jubiläum, wurde der Ludwigsbahnhof vorübergehend aus Planen und einem Gerüst wieder aufgebaut.

Das DB-Museum in Nürnberg feiert das Jubiläum am Samstag mit einem Familientag, Aktionen und freiem Eintritt.

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