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Akt-Kunst-Quartett in der Kofferfabrik

Eine Ausstellung von vier Fürther Künstlern enthüllt Persönliches - 09.12.2015 13:00 Uhr

Das Thema verbindet (v. li.): Birgit Maria Götz, Stefanie Fischer, Marit Werner und Ioannis Hrissopoulidis bei der Eröffnung ihrer Gemeinschaftsausstellung in der Fürther Kofferfabrik. © Foto: Thomas Scherer


Keiner, der wissen will, was sich unter der schützenden Hülle unserer Kleidung verbirgt, muss dafür in eine Galerie eilen. Auf der totalen Entblößung liegt schließlich schon lange kein Tabu mehr. Trotzdem berühren die Arbeiten, die nun an den Wänden der Kofferfabrik hängen, schon beim ersten Blick auf eine ganz andere Weise, als es möglicherweise ein Stillleben so spontan könnte.

Unversehens baut sich nämlich eine Intimität auf, die nicht so recht zu unserer üblichen Alles-schon-mal-gesehen-Mentalität passen will. Schuld daran ist die unmittelbare Nähe, die die vier Künstler erzeugt haben. Damit hat die nackte Haut wenig zu tun. Es sind die Dargestellten, die uns in all ihrer Verletzlichkeit, aber auch mit ihrer Persönlichkeit gegenübertreten.

Marit Werner, Ioannis Hrissopoulidis und Stefanie Fischer arbeiten seit mehr als zehn Jahren regelmäßig mit Birgit Maria Götz in deren Kursen für Aktzeichnen und -malen. Neu ist, dass die vier zusammen ausstellen. Der gemeinsame Nenner? „Wir sind alle fanatische Aktzeichner“, sagt Marit Werner. Sie hat vier großformatige Werke in die Kofferfabrik mitgebracht, die sich intensiv mit den Emotionen ihrer Modelle auseinandersetzen. Sie zeigt sorgfältig auf dem Blatt positionierte Tuschezeichnungen, die teilweise mehrschichtig mit Buchdruckfarbe in expressive Farbigkeit getaucht wurden.

Stefanie Fischer steuert sehr persönliche Seiten aus ihrem Skizzenbuch bei. Filigrane Federzeichnungen, die sich zurücknehmen, um ihren Reiz erst dem zu entfalten, der sich die angemessene Zeit dafür nimmt.

Plakative Beiträge

Im besten Sinne plakativ sind dagegen die Beiträge von Ioannis Hrissopoulidis. Selbstbewusst treten seine Frauen-Bilder dem Betrachter entgegen. Kriegerisch wie Manga-Heldinnen muten sie an und offenbaren ihre Botschaft unumwunden in ihrer Haltung.

Birgit Maria Götz begleitet das Thema Akt schon seit Beginn ihres Künstler-Seins. „Es ist unglaublich spannend“, sagt sie. „Damit kann man sich ein Leben lang beschäftigen.“ Das Spannungsfeld ist leicht zu umreißen: „Es geht immer um den Menschen.“ Und damit beginnen die endlosen Möglichkeiten, die dieser Satz eröffnet.

Sie zeigt in der Kofferfabrik nun vier Werke, die das Spektrum weit öffnen und um weitaus mehr als einen Hauch von Sinnlichkeit bereichern. Götz, die sich einen Namen nicht zuletzt mit Arbeiten gemacht hat, die Ansichten von und zu Fürth zum Sujet haben, zeigt jetzt Menschen, die ihre Nacktheit wie einen Schutz einzusetzen scheinen.

Das klingt paradox genug, doch die reine Körperlichkeit dieser Figuren bewahrt tatsächlich höchst effektiv die Aura von Geheimnis, die jeden Einzelnen umgibt. Androgyn wirken einige von ihnen und tragen damit umso mehr zum Mysterium ihres Daseins bei. Wie von selbst tauchen Fragen auf und der Wunsch, zu ergründen, was die Dargestellten umtreibt. Antworten wird es freilich nicht geben. Was ein Glück ist. Denn was wäre desillusionierender als eine komplette Enthüllung des Wesentlichen?

Die Ausstellung in der Kofferfabrik, Lange Straße 81, ist bis 31. Januar geöffnet.
www.kofferfabrik.cc
 

SABINE REMPE

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