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Aktionsbündnis sagt Bahnplänen den Kampf an

S-Bahn-Schwenk im Knoblauchsland entschieden abgelehnt - Bahnhof Vach in Stadeln soll erhalten bleiben - 06.11.2009

Einen provisorischen Bahnsteig am Wäsig wollen die Gegner des Schwenks auf jeden Fall verhindern, weil das zwangsläufig das Aus für den alten Bahnhof Vach in Stadeln bedeuten würde.

© Thomas Scherer


In seltener Einigkeit, die in Fürth nicht einmal beim Kampf gegen die Schwelbrennanlage und Privatisierung der Abwasserentsorgung erreicht wurde, wenden sich Stadtverwaltung, Vertreter der Stadtratsparteien, Verbände und Bürger gegen das Vorhaben, die S-Bahn im großen Bogen von Stadeln zur Schmalau und weiter nach Eltersdorf zu führen. Dieser Plan stammt noch aus Zeiten des längst gescheiterten gemeinsamen Gewerbeparks der Nachbarstädte im Knoblauchsland. Sogar von Erlanger Seite erhält das Aktionsbündnis Unterstützung.

Während die Kommune mit einem TÜV-Gutachten nachweisen will, dass die Bahn mit falschen Zahlen operiert, werden die Grünen im Bayerischen Landtag ein Gutachten zur besseren Trassenführung entlang der Stammstrecke in Auftrag geben. Wichtigstes Nahziel der Gegner des Schwenks ist der Erhalt des Bahnhofs Vach in Stadeln. Die Bahn möchte gerne hinter dem Viadukt am Wäsig einen provisorischen Holzbahnsteig errichten, der später ausgebaut werden soll.

Damit wäre der Bahnhof Vach abgenabelt und der Schwenk zur neuen Station Schmalau vorgegeben. Bei der Gründungsversammlung des Aktionsbündnisses in der Sportgaststätte des TV Stadeln bezeichnete der städtische Verkehrsplaner Matthias Bohlinger die Berechnungen der Bahn als unrealistisch. Viel zu hoch sei der erwartete Zulauf zu der nur über Feldwege an das Straßennetz angebundenen Station Schmalau angesetzt.

Allein für das bei Steinach geplante Möbelhaus Höffner rechnet die Bahn werktags mit 8000 Besuchern. Dabei wird im Planfeststellungsverfahren von 4500 Besuchern ausgegangen, die obendrein fast ausschließlich mit dem Pkw unterwegs sind und damit als Bahnkunden überhaupt nicht in Frage kommen. Neben der Zerschneidung des Knoblauchslandes durch einen am Fuß 20 Meter breiten Bahndamm führen die Gegner des Schwenks den mangelnden Lärmschutz ins Feld. Nur bei der S-Bahn-Führung entlang der bestehenden Trasse müsste die Bahn für eine Lärmschutzwand sorgen.

Das wiederum trägt neben Brücken nach Bahnberechnung zur Verteuerung dieser schließlich als unrentabel eingestuften Variante bei. Die Berechnung der Bahn wird derzeit im Bayerischen Wirtschaftsministerium geprüft. Dabei sollen laut Wirtschaftsminister Martin Zeil auch die Einwände der Stadt Fürth berücksichtigt werden.

Bei der Gründungsversammlung machten die Mitwirkenden des Aktionsbündnisses klar, dass sie den S-Bahn-Bau unbedingt befürworten. Befürchtungen, eine Planänderung könnte das Vorhaben stark verzögen, räumt Grünen Stadtrat Harald Riedel aus. Die leiseren S-Bahn-Züge würden auf jeden Fall ab 2010 eingesetzt. Einzige Auswirkung: Statt eines 20-Minuten-Taktes würde für die etwa zweijährige Umplanungsdauer noch der bisherige 30-Minuten-Takt gelten. Das halten Bahn-Nutzer für vertretbar, denen es auch vor der abgeschiedenen Lage und den weiten Wegen zur Station Steinach graut.

Das Aktionsbündnis informiert auf seiner Homepage unter: www.pro-s-bahn.fuerth.org. Das nächste Treffen ist am 17. November um 19.30 Uhr in der Sportgaststätte des TV Stadeln, Herboldshofer Straße 51.

Volker Dittmar

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