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Alarmstimmung in der Kunstgalerie

Die Fürther Schließungspläne stoßen in Künstlerkreisen auf Fassungslosigkeit - 28.10.2010 13:00 Uhr

Schwerpunkt Kunstpädagogik: Galerie-Mitarbeiterin Jana Mantel führt Fürther Schüler durch die Ausstellung Mensch und Tier.

© Hans-Joachim Winckler


Unverzichtbar für eine Großstadt, die ihren Bildungsauftrag ernst nimmt, ist eine kommunale Galerie nicht nur in den Augen von Galerieleiter Hans-Peter Miksch. Ein Armutszeugnis wäre die Schließung nach den Worten der Förderkreisvorsitzenden, Maria Theis-Hanke, auch für den Anspruch Fürths, als Wissenschafts- und Denkmalstadt zu gelten.

Axel Voss vom Kulturring der Bildenden Künstler ist fassungslos: „Wir rutschen jetzt wieder in das geistige Klima wie vor 15 Jahren zurück.“ Die Absicht der Schließung verbreite völlige Hoffnungslosigkeit. Selbst Kreisstädte haben inzwischen Kunstgalerien, gibt sein Kollege Ortwin Michl zu bedenken. Für das Renommee einer Kommune seien sie von großer Bedeutung.

Als kleinste Großstadtgalerie weit und breit wurde die nur 180 Quadratmeter große Fürther Kunstgalerie 2002 ins Leben gerufen. Die Anfangseuphorie hielt jedoch nicht lange vor. Von 75.000 Euro ist der jährliche Ausstellungsetat bereits auf 46.000 Euro geschrumpft. Zum Vergleich: das 500 Quadratmeter große Erlanger Kunstpalais kann mit 90.000 Euro operieren. Nach Ansicht von Kunstpalais-Leiterin Claudia Emmert würde sich Fürth mit einer Galerieschließung bei einem gesellschaftlich wichtigen Thema im Großraum abhängen.

OB Thomas Jung sieht das nicht so. Anders als der Publikumsmagnet Stadttheater sei die kleine Galerie als weicher Standortfaktor unbedeutsam. Dabei attestiert Jung Miksch eine im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten „hervorragende Arbeit“. Selbst die frühere Zusage, keine ganzen Einrichtungen schließen zu wollen, müsse in der letzten Stufe des Sparpakets auf den Prüfstand. Schließlich solle auch der Jugendtreff Burgfarrnbach geschlossen und das Amt für Umweltplanung aufgelöst werden.

Die Zeit für Abstriche am Kulturetat ist günstig. Kulturreferent Karl Scharinger ist im September abgetreten, Nachfolgerin Elisabeth Reichert kann wegen der halbjährigen Wiederbesetzungssperre erst im März eingreifen. Kommissarisch geleitet wird das Kulturreferat von OB Jung, der im Rahmen der aktuellen Kürzungsrunde 20 Millionen Euro im städtischen Haushalt einsparen will.

Frage der Fördermittel

Am 24. November soll der Stadtrat über die Zukunft der Galerie entscheiden. Zur Debatte steht die Schließung allerdings nur, wenn die Kommune die EU-Fördermittel für die Galerie: rund 300.000 Euro, nicht zurückzahlen muss. Dass Unheil droht, hatte sich bereits 2005 abgezeichnet, als ein von der Stadt beauftragtes Wirtschaftsprüfungsinstitut die Schließung der Kunstgalerie und des Rundfunkmuseums vorschlug. Abzüglich der zwischen 12.000 und 15.000 Euro liegenden Einnahmen beläuft sich der jährliche Zuschussbedarf laut Miksch auf 160.000 Euro. Der Eintrittspreis wurde schon von 1,50 auf 2 Euro erhöht. Mehr ist nicht drin, meint der Galerieleiter. Schließlich wolle man zeitgenössische Kunst auch weniger wohlhabenden Kreisen wohnortnah erschließen. Und der 70 Mitglieder starke Förderkreis kann aus seinen Mitgliedsbeiträgen von maximal 30 Euro im Jahr nur Einzelaktionen finanzieren. Dazu gehört das am 7. November zum dritten Mal veranstaltete Galeriefest „Kommschaukunst“.

Kulturamtsleiterin Claudia Floritz ist erschüttert, dass für 160.000 Euro eine für die vitale Fürther Künstlerszene so plakative Einrichtung einfach geschlossen werden soll. Für sie hat es den Anschein, dass ein Exempel für den Sparwillen statuiert werden soll. Floritz gibt zu bedenken: „Mit dem vergleichsweise geringen Kulturetat kann man keinen städtischen Haushalt sanieren.“
 

Volker Dittmar

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