Als am Fürther Hafen die Tanks explodierten

30.6.2015, 21:00 Uhr
Um das Schreckensszenario zu bewältigen, mussten alle an einem Strang ziehen. Hier erklärt der städtische Ordnungsreferent Christoph Maier den Einsatzkräften die Lage. Foto: Leberzammer

Um das Schreckensszenario zu bewältigen, mussten alle an einem Strang ziehen. Hier erklärt der städtische Ordnungsreferent Christoph Maier den Einsatzkräften die Lage. Foto: Leberzammer

Ein Tanklager am Fürther Hafen explodiert kurz vor 9 Uhr und brennt lichterloh, zieht dabei ein Passagierschiff in Mitleidenschaft, das wiederum den Kanaldamm beschädigt, der nun zu brechen droht. Glücklicherweise ein ausgedachtes Schreckensszenario, das in dieser Häufung – so zumindest die Einschätzung der Beteiligten – äußerst unwahrscheinlich ist.

„Alles ist draußen im Einsatz“, berichtet Rechts- und Ordnungsreferent Christoph Maier den etwa 20 versammelten Frauen und Männern im Besprechungszimmer der Feuerwehrwache am Königsplatz, „Feuerwehr, DLRG, BRK, Bundeswehr, Psycho-soziale Notfallversorgung, Polizei und THW.“ Trotz des Umfangs der Katastrophe ist er sich sicher: „Wir werden dieses Szenario bewältigen.“ Einzig der beschädigte Kanaldamm macht ihm Sorgen. Hält er nicht, würden große und zum Teil bewohnte Flächen geflutet. Also wird die Evakuierung von Stadeln und Vach angeordnet.

Jürgen Kanemann, stellvertretender Sachbereichsleiter beim Wasserschifffahrtsamt, sieht diesen Teil des Übungsdrehbuchs jedoch skeptisch. „Die starke Häufung der Unglücke ist nicht realistisch“, gibt er nach der Besprechung zu Protokoll. Darüber hinaus sei der Damm so konstruiert, dass er „Tage und Wochen“ halte, sollte tatsächlich einmal ein Schiff ein größeres Leck in das Kanalbett reißen. Niemand müsse sich wegen einer plötzlichen Flut Sorgen machen.

Dennoch spielte die drohende Überflutung in den beteiligten Stäben bei Feuerwehr und Klinikum eine große Rolle. Während erstere die Beschaffung und Verteilung von Sandsäcken sowie die Betreuung der Sammelpunkte für die zu Evakuierenden simulierte, befasste sich die strategische Einsatzleitung am Fürther Klinikum dabei mit der Gewährleistung der eigenen Funktionsfähigkeit. „Sind die Anfahrtswege frei und sind Mitarbeiter, die in den evakuierten Gebieten wohnen, betroffen?“, lautete eine der Fragestellungen mit der sich Rene Klinger, der kaufmännische Leiter der Klinik, gemeinsam mit anderen Führungskräften auseinanderzusetzen hatte. Also konkret: Wie bringe ich Ärzte und Pfleger, die als Evakuierte in die Sammelstellen gekommen sind, ins Klinikum?

Eine abschließende gemeinsame Bewertung der Stabsübung steht zwar noch aus, doch Klinger zieht schon jetzt ein positives Fazit: „Wir haben gemeinsam geübt, das ist das Wesentliche. Dabei entdeckt jeder Dinge, an die er vorher gar nicht gedacht hat.“ Ordnungsreferent Maier wertet die Übung ebenfalls als „ordentlich gelaufen.“ Allenfalls an Kleinigkeiten habe es gehakt. „Die Benachrichtigung von oben nach unten und umgekehrt hätte manchmal etwas präziser und schneller sein können“, so Maier. Doch gerade um dies zu verbessern, seien solche Szenarien ja da.

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