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Als an Weihnachten die Waffen schwiegen

Spontane Verbrüderung: In Fürth könnte ein Fußballspiel an ein rührendes Ereignis im Ersten Weltkrieg erinnern - 09.03.2014 11:00 Uhr

Fußball im Jahr 1914: Der Fürther Karl Franz in Aktion im Viertelfinale gegen die SpVgg Leipzig. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, dass nur wenige Woche später der Erste Weltkrieg ausbrechen sollte. © SpVgg-Archiv


Dezember 1914. Seit Monaten tobt der Stellungskrieg, mehrere hunderttausend Menschen haben bereits ihr Leben gelassen. Doch an Weihnachten erwacht der Wunsch der Soldaten, das Heilige Fest friedlich zu feiern und ohne Furcht um das eigene Leben an die Lieben in der Heimat denken zu können.

Deutsche Soldaten stellen – ohne Anordnung der Offiziere – Tannenbäume und Kerzen auf die Schützengräben, sie singen Weihnachtslieder. Die Briten hören es, stimmen ein. Man ruft sich über die Schützengräben hinweg zu. Schließlich kommen an etlichen Stellen der Front Deutsche, Briten und Franzosen hervor. Männer, die kurz zuvor versucht haben, sich umzubringen, unterhalten sich, tauschen Tabak, Zigaretten und Schokolade. Mitten im Niemandsland zwischen den Schützengräben. Historiker wissen, dass die befeindeten Kriegsparteien an mindestens einem Frontabschnitt spontan eine gemeinsame Messe feierten, woanders grillten Soldaten ein Schwein – und: Sie spielten gemeinsam Fußball. Wenige Tage später herrschte wieder Krieg.

2008 wurde im französischen Frelinghien das erste Denkmal enthüllt, das an diesen Weihnachtsfrieden erinnert. Anschließend kickten – wie damals – deutsche und britische Soldaten miteinander. Weihnachten 2014 – 100 Jahre nach den Ereignissen – will das Projekt „Flanders Peace Field“ das Geschehen erneut ins Gedächtnis rufen.

Etwas Vergleichbares schwebt dem Fürther Stadtheimatpfleger Alexander Mayer in Fürth vor. Ein guter Ort, findet er, denn: Die SpVgg Fürth wurde in jenem Jahr, 1914, wenige Wochen vor Kriegsbeginn zum ersten Mal deutscher Meister – trainiert vom Briten William Townley. Vier Spieler der Meistermannschaft ließen im Krieg ihr Leben. Der erste war Karl Franz: Im Endspiel am 31. Mai gegen den VfB Leipzig erzielte er den Siegtreffer. Am 4. September starb er – nur 22 Jahre alt – bei Lunéville an den Folgen einer schweren Verwundung.

Mayer zufolge gab es bereits ein Gespräch über ein Gedenkspiel. Am Tisch saßen der Stadtheimatpfleger, Vertreter des Fanclubs Sportfreunde Ronhof und Jürgen Schmidt, Archivar der SpVgg Greuther Fürth. Einig ist man sich: Das wäre eine tolle Sache. Die Frage, wo, wann und wie es über die Bühne gehen könnte, ist aber noch unklar. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Matthias Schreppel, Vorsitzender der Sportfreunde.

Die SpVgg jedenfalls begrüßt die Initiative, betont Archivar Schmidt, der auch Präsidiumsmitglied ist. Der Verein, so Schmidt, werde zum Gedenkjahr einiges rund um die Meisterschaft 1914 auf die Beine stellen. Allzu viel will er noch nicht verraten, man werde sich aber auf jeden Fall an der Weltkriegsausstellung im Stadtmuseum beteiligen. Dass darüber hinaus auf Fan-Ebene eine derartige Initiative laufe, findet er fantastisch. Der Verein werde das unterstützen, beispielsweise, indem er ein Spielfeld zur Verfügung stellt.

Laut Alexander Mayer ist ein Gedanke, Sportler oder Fußballbegeisterte aus Fürths Partnerstädten für ein Turnier in die Kleeblattstadt zu holen. Darunter wären beispielsweise das schottische Paisley und das französische Limoges. „Das wäre klasse“, pflichtet Sportfreunde-Chef Schreppel bei und schwärmt von einem „Event“, an dem die Menschen nicht nur Spaß haben, sondern auch erfahren, „was damals eigentlich los war“. Lesungen oder eine Ausstellung könnten das Fußball-Programm abrunden, sagt er, schränkt aber ein: „Keiner weiß heute, ob wir wirklich so weit kommen.“

In jedem Fall würden Sponsoren benötigt, glaubt Schreppel. Wer Gäste aus anderen Ländern einlädt, müsse auch für Flugticket und Unterkunft aufkommen. „Da sind wir auf Spenden angewiesen.“ Zunächst einmal müssten aber „x-Gespräche“ geführt werden. „Das braucht alles Zeit.“

JOHANNES ALLES

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