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Donnerstag, 02.04.2020

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Als die Leyher Straße Spielplatz war

Faschingsdienstag in den 50er Jahren: Hartmut Landleiter kennt die fast autofreie Südstadt - 25.02.2020 16:00 Uhr

Bauer und Frau: Mit einem Schulfreund stand Hartmut Landleiter (hier mit Kopftuch und Rock) einst in der Leyher Straße vor der Kamera. © privat


Der 72-jährige Fürther erschien kürzlich in der Redaktion, um, einfach so, ein Bild vorbeizubringen, besser gesagt: die vergrößerte Kopie eines Fotos aus den 50er Jahren. Das Original konnte er nicht mehr finden.

Die Aufnahme entstand an einem Faschingsdienstag im Jahr 1953 oder 1954, ganz sicher ist sich Landleiter nicht. Was er aber weiß: Sie zeigt ihn selbst im Alter von sechs oder sieben Jahren zusammen mit einem inzwischen verstorbenen Schulfreund in der Leyher Straße. Kein Auto ist weit und breit zu sehen, die Straße scheint den Menschen zu gehören.

Verkleidet als Bauersfrau

Hartmut Landleiter, heute ein ergrauter Herr, war damals ein Bengel mit roten Haaren. Seine Familie wohnte im Haus Nummer 29, direkt an der Ecke zur Flößaustraße.

Hier, vor seinem Haus, steht der kleine Hartmut also damals, verkleidet als Bauersfrau mit Kopftuch, bodenlangem Rock, Handtasche, Schulter an Schulter mit dem Freund, der seinerseits als Bauer einen Gehstock in der Hand hält, auf dem Kopf einen Hut und im Gesicht Knollennase und Schnorrer trägt. Beide blicken ein wenig verzagt in die Kamera. "Meine zwaa Schwestern", schmunzelt Landleiter, "hamm uns da so z’sammgstellt."

Landleiter, der heute in Stadeln lebt, erzählt, dass er seine Kindheit in der Leyher Straße vor allem mit Fußballspielen verbrachte. So gut wie jeden Tag bolzten er und die Nachbarskinder dort, "bis es finster war, und immer auf die Kellerfenster, des woarn unsre Tore".

Zuschauer gab es viele, es waren die Nachbarn in den Häusern ringsum. "Die hamm sich dahamm ans Fenster g’stellt, auf a Kissla gstützt und zu uns runterg’schaut." TV-Geräte gab es in den Wohnstuben noch nicht, auch wenn in den Grundig-Werken fieberhaft daran gebastelt wurde, dass sich das änderte. Das Massenmedium Fernsehen steckte noch in den Kinderschuhen.

Grundig und Schickedanz

Landleiter erinnert sich an Limousinen, die mitunter durch die Flößaustraße fuhren und keine Geringeren als Rundfunkpionier Max Grundig oder die Quelle-Gründer Gustav und Grete Schickedanz in Fürth von A nach B brachten. Das erregte Aufsehen, er und die anderen Kinder blickten den Fahrzeugen hinterher.

In Landleiters Straße aber hatte kaum jemand ein Auto. Ausnahmen waren "höchstens" die Metzgerei Standfest nebenan oder der Scherenschleifer und Kesselflicker, der mit seiner Familie schräg gegenüber wohnte und ein "Dreirad mit Motor" besaß. Zu ihm habe ihn seine Mutter schon mal geschickt, "wenn a Loch im Kochtopf war, das hat der dann zugelötet".

Und? Was hält jemand wie Landleiter nun davon, den Autos, die in der Straße seiner Kindertage längst allgegenwärtig sind, den Platz zugunsten von Fußgängern und Radfahrern streitig zu machen? Die Antwort sind ein Schulterzucken, ein verschmitztes Grinsen und eine Frage: "Wo sollen dann die ganzen Autos hin?"

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