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Als Fürth Wohnraum für die Kriegsrückkehrer brauchte

1920 wurde die heutige Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach gegründet - 16.07.2020 16:00 Uhr

Die Häuser in der Wiesenstraße am Espan waren das erste Bauprojekt der heutigen Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach.

© Foto: privat


Als die "Siedlungsgenossenschaft Kriegerheimstätte" 1920 aus der Taufe gehoben wurde, war Wohnraum genauso knapp wie heute. Die ersten beiden Häuser in der Wiesenstraße 41, 43 konnten nur mit viel Eigenleistung der Gründungsmitglieder errichtet werden. Davon profitierten vor allem Rückkehrer aus dem Ersten Weltkrieg und deren Familien. Die Ausstattung war aus heutiger Sicht spartanisch, so gab es zwar eine Toilette in jeder Wohnung, Bäder und Waschküche waren aber Gemeinschaftsräume.

Die jüngsten Neubauten der Genossenschaft, die längst den Namen Fürth-Oberasbach trägt, erfüllen hingegen hohe Standards. "Wir bauen möglichst barrierefrei, und der Klimaschutz spielt eine große Rolle", betont Roland Breun, geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Dabei könnte man beinahe behaupten, die Genossenschaft sei, was das Bauen betrifft, in den vergangenen Jahrzehnten aus der Übung gekommen. Nach dem Bauboom der 1950er und 1960er Jahre kam gut 30 Jahre überhaupt kein Neubau mehr hinzu. "Seit zehn Jahren steigt wieder die Nachfrage", erläutert Breun, "wir zählen 800 bis 1000 Bewerbungen jährlich." Folglich hat die WG seinen Angaben zufolge alleine seit 2015 30 Millionen Euro in fast 100 neue Appartements investiert.

"Meilensteine" waren für den 53-Jährigen, der gleichzeitig der dienstälteste von zehn Mitarbeitern ist, auch die zwei Fusionen: Im Zweiten Weltkrieg mit der Beamtenbaugenossenschaft und 2011 mit der Oberasbacher Genossenschaft. Letztere sei zwar wirtschaftlich gesund gewesen, aber mit nur rund 250 Wohneinheiten "zu klein, um professionell geführt zu werden".

Trotz des Bevölkerungswachstums in der Region und des dadurch verschärften Wettbewerbs pflege die Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach zu den anderen Wohnbaugenossenschaften in der Kleeblattstadt ein gutes Verhältnis. "Wir ticken ähnlich, weil wir vergleichbare Philosophien verfolgen", so Breun. Dass man sich kennt und schätzt, bringe allen Vorteile, beispielsweise beim gemeinsamen Einkauf von Erdgas, Strom oder Rauchmeldern. "Das gibt es in dieser Form in anderen Städten nicht."

Auch in der Widderstraße, die sich mit der Wiesenstraße kreuzt, hat die Genossenschaft zahlreiche Häuser errichtet.


Die Satzung lasse es zwar zu, doch auf Zukäufe oder Neubauten in anderen Städten wolle die heute 100-Jährige auch in Zukunft verzichten. Insbesondere in Oberasbach besitzt sie noch Baugrund. Derzeit entstehen 20 neue Wohnungen in der Ronhofer Hauptstraße in Fürth, zwölf in der Nachbarstadt.

Besonders erwähnenswert findet der Geschäftsführer die Treue seiner Mieter und aktuell 2171 Genossenschaftsmitglieder: "Manche Familien sind bereits in der vierten Generation dabei. Andere bleiben bei uns, selbst wenn sie sich Wohneigentum zugelegt haben."

 

Armin Leberzammer

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