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Als Langenzenn noch eine Bierstadt war

Stadtführerin erinnert: Gerstensaft floss aus 26 Zapfhähnen - 15.03.2019 16:00 Uhr

Kleine Kostprobe während der Stadtführung: Gudrun Nasa und Peter Müller schenken Langenzenner Bierlikör an die Teilnehmer aus. © Foto: Florian Burghardt


"Wer kein Bier hat, der hat nichts zu trinken." Das soll einst Martin Luther gesagt und damit seine Liebe zum Gerstensaft beteuert haben. Zitate wie dieses hat Gudrun Nasa vom Heimatverein Langenzenn jede Menge parat – nicht nur vom Reformator der Kirche. Immer wieder lässt sie die Aussagen berühmter historischer Persönlichkeiten zum Thema Bier und Braukunst in ihren Vortrag einfließen.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Langenzenner Stadtführung scheint es zu gefallen. Etwa 60 sind es — trotz Nieselregens. "Viel mehr als sonst", meint eine regelmäßige Besucherin und mutmaßt, dass dies am Titel der Veranstaltung liegen könnte.

Er lautet: "Hopfen und Malz — auf den Spuren Langenzenner Brauereien, mit Bierprobe bei Lahma Bräu." Dass nur der geplante Abstecher in die kleine, seit 2012 aktive Vereins-Brauerei die vielen Menschen angelockt haben könnte, dieser Eindruck kommt aber nicht auf. Vielmehr lauschen alle recht interessiert Nasas Ausführungen und stellen zahlreiche Fragen.

Die ersten Braurezepte sind nach Nasas Worten etwa 6000 Jahre alt und führen zu vergorenem Brotteig in Ägypten. Doch auch über die historische Beziehung zwischen Zennstadt und Bier gibt es offensichtlich viel zu erfahren. So waren hier im Jahr 1734 schon zehn Brauereien beheimatet.

Eine Brauerszene gab es bereits gut 100 Jahre zuvor. Denn viele Bürgerinnen und Bürger produzierten damals ihren eigenen Gerstensaft im Kommunbrauhaus in der Rosenstraße. Auch das Rezept für Bierlikör, eine Kombination aus Rauchbier und Korn, stammt aus dieser Zeit. Eine Kostprobe hat die Stadtführerin für ihre Besucher mitgebracht.

Um 1900 kamen auf die rund 2000 Einwohner 26 Gaststätten und sieben Brauereien. "Bei der Auswahl damals musste niemand den Ort verlassen, um essen zu gehen oder ein Bier zu trinken", berichtet Nasa.

Den Hopfen für die damalige Bierproduktion lieferten die Langenzenner selbst. Denn fast jeder Hausbesitzer hatte zu dieser Zeit einen eigenen Hopfengarten. Auch der Export lief gut, denn das Erzeugnis aus der Zennstadt war auch überregional sehr beliebt.

In dieser Hochzeit entwarf die Stadt sogar ihr eigenes Hopfensiegel, um dessen Qualität zu kennzeichnen. Laut Nasa wurde es aber leider oft gefälscht.

Auch bei der Auswahl des Hefestamms mussten die Brauer gut aufpassen. Kam ein schlechter Hefestamm in den Sud, war dieser ruiniert. "Daher kommt auch das Sprichwort ,Da ist Hopfen und Malz verloren‘", erklärt Nasa.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es nur noch fünf Brauereien in Langenzenn, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es noch drei. Doch auch diese verschwanden.

Neue Heimat kennenlernen

Karin Botzenhardt interessiert sich ganz besonders für die Erläuterungen der Stadtführerin, rückt dazu immer wieder in die erste Reihe der Zuhörer vor. Vor drei Jahren sind sie und ihr Mann von Ulm nach Langenzenn gezogen, ihr Sohn wohnt hier mit seiner Familie. "Wir waren vorher schon oft zu Besuch hier und haben uns in die Stadt verliebt. Jetzt wollen wir unsere neue Heimat aber auch richtig kennenlernen und gehen deshalb gern zu solchen Führungen", erzählt Botzenhardt.

Bei Lahma Bräu angekommen, füllt sich der kleine Gastraum schnell unter dem Ansturm der Besucher. Alle wollen die Erzeugnisse der Brauerei verkosten. Ein Zitat aus Nasas Sammlung, das allerdings niemandem konkret zugeordnet werden kann, passt hier besonders gut: "Trink dein Bier in großen Zügen, bevor es die andern kriegen."

Die kostenlose Stadtführung "Hopfen und Malz" des Heimatvereins findet das nächste Mal am Samstag, 1. Juni, statt. Beginn ist um 14 Uhr auf dem Prinzregentenplatz.

Florian Burghardt

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