Montag, 18.11.2019

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Als Poppo den Wald fällen ließ

Barbara Ohm präsentiert „Poppenreuth — Geschichte eines Fürther Dorfes“ - 29.11.2011 16:00 Uhr

Freude über das neue Buch: Historikerin Barbara Ohm mit Rudi Pfann (re.) und Peter Müller (li.) vom Verein Dorfgestaltung Poppenreuth, Grafiker Armin Stingl (2. v. li.) und Karl-Heinrich Limpert vom Nürnberger Tümmel Verlag. © Pfrogner


Zwanzig Jahre hat Rudi Pfann die Idee mit sich herumgetragen. Jetzt freut sich der Vorsitzende des Arbeitskreis Dorfgestaltung Poppenreuth: „Dieses Buch ist die Erfüllung eines lang gehegten Wunschs.“ Wahr gemacht hat ihn Barbara Ohm. Die Historikerin, die viele Jahre als Stadtheimatpflegerin Zeichen setzte, stellte in der Pfarrscheune ihr soeben im Tümmel Verlag erschienenes Buch: „Poppenreuth — Geschichte eines Fürther Dorfes“ vor.

Vor rund 1000 Jahren ging es los. Quellen gibt es keine mehr, doch der Name lässt die Vermutung zu, dass die Rodung eines großen Waldgebiets am Anfang stand. „Ein Adliger namens Poppo vom Königshof Fürth begann damit“, berichtet Barbara Ohm. „Sein Name hat sich möglicherweise in der Silbe ,Popp‘ erhalten.“

Die Historikerin verfolgt die Geschicke der wachsenden Ansiedlung durch die Jahrhunderte. Sie berichtet von Sebald, der um 1070 starb und in Poppenreuth begraben wurde — bis sein Leichnam auf wundersame Weise verschwand und in Nürnberg auftauchte. Aber das ist eine andere Geschichte...

Viele, zum Teil unveröffentlichte Fotos und Abbildungen hat Barbara Ohm zusammengetragen. Grafiker Armin Stingl gestaltete das neue Werk in einem ebenso klaren, wie spannungsreichen Stil. Ein Stich von Christoph Melchior Roth aus dem Jahr 1759 zeigt zum Beispiel Poppenreuth als ganz typisches Knoblauchsland-Dorf. Eingebettet in Gemüsefelder stehen niedrige Häuser, umgeben von Scheunen. Eindrucksvoller Mittelpunkt ist die Kirche im Dorf – eine Silhouette, die sich erfreulicherweise bis heute weitgehend erhalten hat.

Gutes Zeichen

Diese Beständigkeit ist ein gutes Zeichen für diesen Ort, der sich auch „innerhalb der Stadt Fürth viel von seinem Charakter erhalten hat“. Am 1. Januar 1900 wurde Poppenreuth in die Industriestadt Fürth eingemeindet. Am Tag zuvor hatte es im Fürther Rathaus einen Festakt gegeben, dem sich „ein geselliges Zusammensein mit kaltem Imbiss und Bier“ anschloss. Was sich die Stadt „immerhin 456,52 Mark“ kosten ließ.

Die Poppenreuther hatten diesen Zusammenschluss zielstrebig vorangetrieben. Die Gemeinde war nämlich an ihre finanzielle Leistungsgrenzen gestoßen. Auf den Bau der neuen Schule, des Leichenhauses, der Feuerwehr und des Gemeindehauses war man zwar stolz, doch das Geld reichte hinten und vorne nicht mehr. Selbst ein „Bieraufschlag“ machte die Defizite nicht wett. Die Stadt Fürth hatte übrigens ursprünglich kein Interesse an ganz Poppenreuth gehabt, sondern lediglich an dem Gebiet von der Stadtgrenze bis zum Kanalhafen. Die Poppenreuther bewiesen in dieser Situation listiges Verhandlungsgeschick: 30000 Mark forderte man für den begehrten Landstreifen. Fügte aber großzügig hinzu, dass die „Einverleibung der Gesamtgemeinde“ kostenlos gewährt werde...

Warum Poppenreuths Kirche erst seit 1901 offiziell „St. Peter und Paul“ heißt oder wieso es im Dorf lange Zeit gerade einmal 43 Häuser, aber vier Wirtshäuser gab — auch das verrät Barbara Ohm in ihrem vielschichtigen Buch. Vorstellen wird sie es am 30. November ab 18 Uhr in der Buchhandlung Jungkunz, Friedrichstraße 3, in Fürth.

Barbara Ohm „Poppenreuth — Geschichte eines Fürther Dorfes“, erschienen im Tümmel Verlag, Herausgeber: Arbeitskreis Dorfgestaltung Poppenreuth. ISBN 978-3-940889-04-1; 24,80 Euro

Sabine Rempe

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