Alt und marode: Oberasbachs Rathaus ist heruntergekommen

19.1.2021, 16:00 Uhr
Markanter Bau mit immensem Sanierungsstau: das Oberasbacher Rathaus.

Markanter Bau mit immensem Sanierungsstau: das Oberasbacher Rathaus. © Archivfoto: Horst Linke

"Rathausimpressionen" ist die Präsentation denn auch betitelt. Wer sich das überlegt hat, beweist zumindest Sinn für schwarzen Humor. Schließlich ist längst Feuer unterm Dach, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Rathausimpressionen 1: Verkabelung.

Rathausimpressionen 1: Verkabelung. © Foto: Stadt Oberasbach

Denn nicht nur beim Brandschutz weist das markante achteckige Gebäude im Stadtzentrum, das die Oberasbacher Kommunalverwaltung im Jahr 1980 bezogen hat, sicherheitstechnische Mängel auf. Und es ist beileibe nicht so, dass das Thema plötzlich vom Himmel fällt. Seit wenigstens zehn Jahren ploppte es in den politischen Gremien immer wieder auf.

Rathausimpressionen 2: Entlüftung.

Rathausimpressionen 2: Entlüftung. © Foto: Stadt Oberasbach

Freilich genügte dann meist ein Stichwort, um es ganz schnell in der Versenkung verschwinden zu lassen: "Generalsanierung". Der große Wurf, er sollte ja irgendwann kommen. Passiert ist aber in den vergangenen 40 Jahren – fast nichts.

Rathausimpressionen 3: Teppich.

Rathausimpressionen 3: Teppich. © Foto: Stadt Oberasbach

"Punktuelle Reparaturen und Schönheitsreparaturen" führt die vom geschäftsleitenden Beamten Markus Träger verfasste Verwaltungsvorlage für den Stadtrat auf. In Zusammenschau mit besagter Fotodokumentation kommt sie einer schallenden Ohrfeige für die Politiker gleich.

Nicht für die in diesem Jahr neu gewählten Mandatsträger, aber wenigstens für jene, die in den vergangenen zwei Wahlperioden die Interessen der Oberasbacher Bürger vertraten und natürlich für die altgedienten. Die "Problematik ist hinreichend bekannt", schreibt Träger, deren Lösung nun jedoch "nicht länger aufschiebbar".

Bis dato existieren aber weder Konzepte noch Zeitplanungen. Die Stadtbediensteten atmen deshalb nicht nur den Mief der 70er-Jahre – seinerzeit wurde das Rathaus geplant –, sondern drängeln sich mitunter auch in Büros, die, so heißt es an einer Stelle der Bilderstrecke, der Arbeitsstättenverordnung nicht entsprechen.

Geredet wurde in der Vergangenheit schon viel: 2018 gab es sogar einen Workshop zum Thema, Führung durchs Rathaus inklusive. Ein Jahr später machte sich ein Architekturbüro daran, die Ergebnisse umzusetzen. Über eine Verlagerung, zumindest von Teilen des Rathauses, in die sogenannten "Ergänzungsbauten" wurde diskutiert. Diese Gebäude sollten von privater Hand auf der ehemaligen Festwiese neben dem neuen Rathausplatz gebaut werden. Nur: Sie stehen bis heute noch nicht.

Ebenfalls in der Debatte: Die alte Post-Immobilie abzureißen und an dieser Stelle einen Verwaltungstrakt zu errichten. Aber: Diese Konzepte und Vorschläge, so formulierte es Markus Träger, hätten "im Stadtrat keinen Widerhall gefunden".

Unzufriedenes Personal

Jetzt sei aber ein Punkt erreicht, "an dem Entscheidungen getroffen werden müssten". Zumal unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern "erhebliche Unzufriedenheit" über den baulichen Zustand des Rathauses herrscht.

Das konnten die Stadträte ebenfalls lesen. Pünktlich zur jüngsten Sitzung lag ihnen dazu die Auswertung einer Personalbefragung vor. Die Klageliste ist lang und reicht unter anderem von nicht regulierbaren Heizungen, schlechter Beleuchtung und hellhörigen Büros bis hin zu miefenden Toiletten. Allerdings: Wessen Büro bereits saniert und mit zeitgemäßem Mobiliar ausgestattet wurde, der zeigte sich zufrieden. Gelobt wurde auch die Parkplatzsituation am Rathaus und "der schöne Ausblick" von dort.

Markus Träger ist seit 2016 Geschäftsleiter der Stadt. Verglichen mit den fünf Dienstgebäuden, in denen er vorher tätig war, seien "die baulichen und räumlichen Verhältnisse in Oberasbach "die schlechtesten", urteilt er. Ähnlich nehmen das anscheinend auch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahr. Laut Träger teilten sie diesen Eindruck.

Und der Stadtrat? Redete erneut viel. Man diskutiere Konzepte, handle aber nicht, kritisierte Christian Jäger (SPD). Thomas Peter (FDP) forderte, auch über einen Neubau nachzudenken. Das sei oft günstiger als eine Sanierung bestätigte Stephan Zeilinger (BI Oberasbach). Ein neues Rathaus? Gebe es vielleicht in zehn Jahren, befürchtete dagegen Norbert Schikora (Grüne). Für ein "ergebnisoffenes Gesamtkonzept" plädierte Franz X. Forman (FW).

Konzept vor dem Konzept

Einstimmig beschlossen wurde schließlich, dass die Verwaltung zusammen mit Fachplanern ein Nutzungs- und Raumkonzept erstellt. Außerdem soll es ein Sanierungskonzept geben, in dem Aussagen dazu gemacht werden, was vor einer ebenfalls zu beleuchtenden Generalsanierung dringend zu tun ist. Brandschutz und die Verkabelung für Telefon und Computer sind hier auf jeden Fall zwei Stichwörter.

Ebenfalls entschieden: Wenn die Kapazität an Büroflächen erweitert wird, sei es durch Miete oder Neubau, geschieht dies im Rathaus-Umfeld. Damit will der Stadtrat das Zentrum stärken.

Einige Millionenprojekte

Ein Sanierungskonzept hatte Markus Träger als "systematischen Maßnahmenplan" vorgeschlagen. Denn angesichts anstehender Millionenprojekte – neue Dreifachhalle, marodes Schulzentrum – einerseits und der finanziellen Lage der Stadt andererseits, befürchtet er, dass große Lösungen für das Rathaus allenfalls mittelfristig umgesetzt werden. Was das, in Oberasbacher Zeitmaßstäben gerechnet, bedeuten könnte, steht auch in seiner Vorlage: Für etwa 10 bis 20 Jahre würden zunächst noch andere Lösungen gebraucht.

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