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Donnerstag, 23.01.2020

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Altes Mosaik als neuer Blickfang

Das Wandbild „Fürther Stromversorgung“ von 1958 ist nun bei der infra installiert - 22.07.2013 13:00 Uhr

Ein Kunstwerk mit Seltenheitswert: Anhand des Mosaiks kann infra-Chef Hans Partheimüller erläutern, wie Fürth in der Nachkriegszeit mit Strom versorgt wurde. © Thomas Scherer


Ein Großteil Frankens ist auf dem etwa drei mal vier Meter großen Motiv zu sehen. In der Mitte Fürth und Nürnberg, daneben das ehemalige Kohlekraftwerk Gebersdorf, in Schwarz drumherum zahlreiche Stromschienen, am rechten Rand das Pumpspeicherwerk Happurg. Bis 2008 zierte das Mosaik das Innere des Umspannwerks, hing direkt über dem Eingang. Dass man es nun wieder bewundern kann, ist schlicht und ergreifend dem Zufall zu verdanken. Bernd Kaag vom Arbeitskreis Kunst im öffentlichen Raum erzählt die Geschichte so: „Der Abriss des Werks war bereits im Gange, als eines unserer Mitglieder vorbeifuhr, hineinschaute und das Mosaik entdeckte. Schnell war uns klar: Das ist künstlerisch wertvoll und sollte erhalten bleiben.“

Leichter gesagt als getan: Eine Kalkulation bezifferte die Kosten für die Rettung auf 25000 Euro – Prädikat unbezahlbar. Also legte Kaag selbst Hand an. Mit Hilfe eines infra-Mitarbeiters und eines Winkelschleifers nahm er das Mosaik aus Keramikfliesen an einem Tag von der Wand ab.

Seither lagerte es in einem Container, und der Arbeitskreis hielt nach einem neuen Standort Ausschau. Die infra hatte zwar bald Interesse. „Aber wir suchten nach einem Platz im Inneren, im Sitzungssaal oder Treppenhaus“, erzählt Vorstand Hans Partheimüller. Bis schließlich die Idee geboren wurde, das Werk freistehend im Außenbereich aufzustellen.

Doch schon wartete die nächste Hürde: Verschiedene Künstler winkten ab bei der Frage, ob sie das Keramikmosaik wieder zusammensetzen würden. Letztlich machte sich der Fürther Steinmetz Jan Molendijk – der normalerweise mit anderen Materialien arbeitet – ans Werk: Aus 200 Fragmenten, zum Teil nur fingernagelgroß, setzte er in drei Wochen das Bildnis zusammen. „Zum Glück gab es viele Fotos als Vorlage“, erinnert sich Molendijk. Das Motiv zog er auf eine Betonplatte auf. „Nun lagert es wie auf einem Tablett und wäre damit transportabel, falls es mal wieder umziehen muss.“

Vorerst jedoch hat es seinen neuen festen Standort im Außenbereich der infra vor dem Eingang zur Kundenhalle gefunden – direkt neben einer Ladesäule für Elektroautos. „Es ist jetzt fast schöner als vorher“, schwärmt Kilian Angermeier vom Kunst-Arbeitskreis, der den Kontakt zur infra hergestellt hatte. In den neuen Blickfang hat das Unternehmen 20000 Euro investiert.

Nun treibt die Kunstfreunde nur noch eine Frage um – nämlich die nach dem Urheber des geretteten Werkes. Wer hinter der Signatur im linken oberen Eck, aus der sich die Initialen V und P herauslesen lassen, steckt, ist bisher noch ungeklärt.

Annika Peißker

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