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Sonntag, 05.07.2020

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Am Pleikershof blüht der Mohn

Familie Günther betritt mit dem Anbau der Pflanze Neuland - 01.06.2020 21:00 Uhr

Auch der siebenjährige Jakob vom Pleikershof hält – wie viele Spaziergänger – die Blütenpracht mit seiner Kamera fest. Nach der Ernte im August landet der Blaumohn auch auf Semmeln und im Gebäck eines heimischen Bäckers. © Hans-Joachim Winckler


Landwirt Thomas Günther betreibt den Einsiedlerhof gemeinsam mit seiner Frau Barbara und seinen Schwiegereltern. Über die große Aufmerksamkeit freuen sich der 40-Jährige und seine Familie durchaus, allerdings gibt er zu bedenken, dass kein Landwirt von einem prachtvollen Blütenmeer allein leben kann. Zumal er mit dem Anbau dieser uralten Kulturpflanze bisher noch wenig Erfahrung hat.

Günther ist gelernter Schreiner und Quereinsteiger in der Landwirtschaft. Den Anbau des Mohns hat er sich als Abschlussprojekt seiner Meisterprüfung ausgesucht und dabei tatkräftige Unterstützung seines Schwagers Theodor Bender erhalten, der schon vor drei Jahren in der Nähe von Uffenheim zum ersten Mal Blaumohn angepflanzt hat. In Zeiten, in denen viele Landwirte – auch beflügelt durch das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen" – das Thema Biodiversität für sich entdeckt haben, ist das eine naheliegende Sache: Wenn der Mohn in seiner vollen Blüte steht, ist das nicht nur für Spaziergänger wunderschön anzuschauen, sondern bietet auch vielen Insekten reichlich Nahrung. "Nähert man sich den großen violetten Blüten, hört man es deutlich summen und brummen", schwärmt Theodor Bender.

Aus eigener Erfahrung weiß er aber, dass der Ertrag schwer einzuschätzen ist. Im letzten September wurde der Mohn ausgesät, die Blüte fand heuer, bedingt durch das trockene Frühjahr, schon im Mai statt, geerntet wird mit dem Mähdrescher dann voraussichtlich im August. Damit die Kapseln mit den blauschimmernden Samen bis dahin ordentlich wachsen, braucht es noch einiges an Niederschlag.

Der Ertrag pro Hektar liegt bei ungefähr 100 Kilogramm. Im Landkreis Fürth ist das Feld am Pleikershof derzeit das einzige. Bayernweit beträgt die Anbaufläche 20 Hektar. In ganz Deutschland sind es 200 Hektar, überwiegend in Sachsen. In Bayern wurde der Anbau in den 1950er Jahren verboten, weil die Pflanzen Morphin ausbilden, das für die Herstellung von Drogen verwendet werden kann. Wer heute in Deutschland Schlafmohn anbauen will, braucht dazu eine betäubungsrechtliche Erlaubnis. Zugelassen sind nur wenige, morphinarme Sorten.

Vor Ort informierten sich dieser Tage Vertreter der Regionalinitiative "Gutes aus dem Fürther Land" über den Mohnanbau am Pleikershof. Landrat Matthias Dießl und der Cadolzburger Bürgermeister Bernd Obst gerieten dabei geradezu ins Schwärmen über die Vorteile für Verbraucher und regionale Anbieter. Denn der Mohn wird nach der Ernte nicht nur über den Hofladen vertrieben, sondern landet auch auf den Semmeln und im Gebäck der Veitsbronner Bäckerei Greller, die nur wenige Kilometer entfernt ihre Backstube betreibt.

Als die Anfrage kam, war Christian Greller, wie er sagt, zunächst etwas skeptisch. Allerdings ließ er sich schnell von den Vorteilen der Partnerschaft überzeugen. "Es ist sehr reizvoll, den Backmohn direkt aus der eigenen Region zu beziehen."

 

Hans-Joachim Winckler

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